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Wir haben aus Bildern deiner Freunde eine Galerie gemacht, weil ihr alle auf Datenschutz pfeift

Wenn ihr glaubt, dass die Bilder, die ihr auf Instagram teilt, nur euch gehören, habt ihr euch gehörig geschnitten.

An einem wunderschönen Sommertag bist du mit Freunden am See. Ihr badet in der Sonne und im Wasser, grillt, trinkt Bier und genießt die warmen Temperaturen. Um die Momente miteinander festzuhalten, schießt ihr noch einige Fotos, die du dann abends auf Instagram hochlädst. Schließlich möchtest du auch den Rest deines Freundeskreises an eurem tollen Tag teilhaben lassen. Du denkst nicht weiter darüber nach, bis du einige Wochen später entdeckst, dass dein Instagram-Foto von einem Künstler für 90.000$ verkauft wurde, ohne dass er deine Erlaubnis hatte.

 

Das Kopieren soll als Kunst verstanden werden

 

Unmöglich? Nein, denn genau das ist 2015 in den USA passiert. Richard Prince, ein Maler und Fotograf, ist Anhänger der Appropriation Art. In dieser Kunstrichtung kopieren Künstler bewusst und mit strategischer Überlegung die Kunstwerke anderer und stellen sie danach als ihre eigenen aus. Das Kopieren sowie das Resultat sollen dabei als Kunst verstanden werden. Im Jahr 2015 stellte er in der Frieze Art Fair in New York leinwandgroße Durcke von Instagrambildern aus. Diese Bilder hatte er mit seinem Handy abfotografiert, vergrößert und mit persönlichem Schliff kommentiert. Die Erlaubnis der Urheber jedoch hatte er nicht besorgt, und wie es scheint, braucht er die auch nicht.

 

Sind Bilder einmal im Internet, gehören sie nicht mehr uns

 

Eigentlich wissen wir, dass Bilder, die wir ins Internet stellen, nicht mehr wirklich uns gehören. Dass jedoch jemand Geld mit unseren Bildern verdient, ist irgenwie unbegreiflich. Und dennoch ist es zumindest in den USA nicht illegal. Prince beruft sich im Bezug auf seine Kunst auf die Doktirn des “Fair Use”. Diese “angemessene Verwendung” erlaubt die Nutzung von geschütztem Material zu Bildungszwecken und eben Kunst. Dafür muss das Material allerdings verändert werden. Der Künstler hat hierfür jedes Bild mit einem relativ sinnfreien fiktiven Kommentar des Nutzers “richardprince1234” versehen. Auch wenn die Öffentlichkeit Richard Prince gegenüber eher negativ gestimmt ist, sollten wir ihm eigentlich dankbar sein. Denn er ist es, der unsere Aufmerksam auf das Urheberrecht-Problem des Internets lenkt. Er zwingt uns durch seine Kunst dazu, sich mit dem Thema auseinanderzusetzten und vielleicht doch einmal zu überlegen, wer alles auf meine Bilder zugreifen kann.

 

Kann mir das auch passieren?

 

Kann es dazu also auch in Deutschland kommen? Könnte ich die geposteten Fotos meiner Freunde ausdrucken und verkaufen? Auch hier gibt es ein Urheberrechtsgesetz, welches die Vervielfältigung und die Verbreitung geschützten Materials erlaubt. Verkaufen darf man fremdes Eigentum, egal ob Bilder, geistiges oder materielles Eigentum, in Deutschland jedoch nicht ohne die Zustimmung des Urhebers. Eigentlich sollte das auch in den USA nicht möglich sein. Jedoch legen Künstler wie Richard Prince das “Fair to Use” Gesetz immer wieder nach ihren eigenen Vorstellungen aus. Das kann allerdings auch schief gehen. So war Prince schon in mehrere Rechtsstreits verwickelt. 2008 nutzte er beispielsweise Bilder von Rastafaris, die der französische Fotograf Patrick Cariou Jahre zuvor in Jamaica aufgenommen hatte. Er kombinierte die bärtigen Männer mit aufreizenden Frauen und erzielte damit Millionenbeträge. Prince wurde jedoch nie verurteilt, der Fall wurde nach Jahren mit einer Geldsumme beigelegt.

Um euch das noch weiter zu verdeutlichen, wie einfach es ist, fremde Bilder legal zu nutzen, haben wir hier eine Galerie mit Instagram-Bildern von ganz normalen Leuten zusammengestellt. Vielleicht sind ja auch eure Bilder dabei?

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