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Bundeswehr: Werben fürs Sterben mit Youtube

Youtube ist in, haben sie gesagt. Die coolen Teens werden euch lieben, haben sie gesagt. Warum die neue Werbekampagne der Bundeswehr aber trotzdem nicht aufgeht.

In den weiteren Videos sieht man die erste Woche der Grundausbildung. Die Rekruten werden eingekleidet, wobei die Frage nach der Hosen- oder Schuhgröße schon zur Denkaufgabe wird. Dann berichtet der Vorgesetzte, dass viele es nicht schaffen, bei Nachfragen vor dem Büro stehen zu bleiben. Außerdem lernen die Neuzugänge, wie man sein Bett richtig macht, sich ordentlich hinstellt, seinen Spint und die Sporttasche einräumt. Das heißt „Formaldienst“ und läuft genauso ab, wie man es sich klischeehaft vorstellt. Der Zugführer brüllt durch den Gang und betont, dass „das alles von unserer Zeit abgeht“, wenn einer seine Essenskarte vergessen hat und zurücklaufen muss. Gehorsam sein und Kollektivbestrafungen als erste Lektion

 

Wenn die Soldaten nicht mal ihre Schuhgröße kennen…

 

Zum Ende der Woche steht „Das erste Gefecht“ an. Das Highlight des Videos hat allerdings nichts mit Waffen zu tun. Stattdessen stellt einer der Rekruten die Ausrüstung als „Outfit of the day“ vor. Dass er damit Influencer verarschen will, ist leider nur noch auf der dritten oder vierten Inception-artigen Ironie-Ebene lustig, da die Videos ansonsten krampfhaft versuchen, wie die von „echten“ Youtubern zu wirken. Am letzten Tag hält der Vorgesetzte es für notwendig, die Rekruten daran zu erinnern, dass sie auch außerhalb der Kaserne Soldaten sind und bitte „nicht rumpöbeln“ sollen.

Bei allen Aktivitäten kommen immer wieder Situationen wie die beschriebenen Tiefen auf. Man weiß nicht, ob man lachen, weinen oder sich schämen soll, wenn ein 18-jähriger dasteht und seine Schuhgröße oder einfache Grammatikregeln nicht kennt. Meistens lacht man und freut sich insgeheim, dass man selbst nicht so dumm dasteht. Das gibt der Kampagne nicht nur Tiefen, sondern RTL2-Momente. Ob man Jugendliche wirklich so bloßstellen muss, ist die eine Frage. Die andere Frage ist, was die Bundeswehr davon hat, für 1,7 Millionen Euro, dümmlich und naiv wirkende Neuzugänge in ihren Imagefilmen darzustellen.

 

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Bildquelle: Presseportal.de

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