Was wir durch die Corona-Krise lernen können

Mann steht auf einem Felsen und breitet die Arme aus

Das Jahr 2020 war von negativen Ereignissen geprägt – das wird wohl an niemandem vorbeigegangen sein. Aber muss es deswegen ein schlechtes Jahr gewesen sein? War es nicht auch das Jahr, in dem wir so viel über uns selber gelernt haben?

Erinnert ihr euch noch daran, wie genervt wir vor 2020 von den kleinsten Dingen waren? Familientreffen waren nur ein ständiges auf die Uhr schauen und auf einen angemessenen Zeitpunkt warten, zu dem man gehen kann. Treffen im großen Freundeskreis waren jedes Wochenende ganz normal, der Besuch bei Oma passte nie richtig in den vollen Terminkalender und Uni war sowieso lästig. Was würde ich jetzt dafür geben, mich über die Toiletten-Situation vom Festival letztes Wochenende zu beschweren oder mit meinen Freundinnen einfach nur in einer langweiligen Vorlesung zu sitzen, statt alleine Zuhause vor dem Laptop. Seit diesem Jahr kann ich stinknormale Treffen mit meinen Freunden oder meiner Familie richtig wertschätzen. Nie wieder werde ich auf Festivals und Konzerten mein Handy stundenlang in der Hand halten und filmen. Stattdessen werde ich den Moment genießen. Das nehme ich mir jedenfalls vor.

Wir sitzen alle im selben Boot

Ist es nicht auch ein seltsamer Gedanke, dass wir alle im Moment dasselbe durchleben und dass wir alle ähnliche Probleme haben? Wenn ich früher durch die Straßen gegangen bin, habe ich mir immer versucht auszumalen, was die Menschen, die ich treffe, wohl gerade durchmachen. Ob es die Kassiererin war, die völlig in Gedanken versunken war und mich erst nach mehreren Sekunden bemerkte, der Geschäftsmann, der während seiner Mittagspause gestresst auf sein Handy starrte oder der ältere Mann, der alleine in einem Café saß und seine Zeitung las. Wir alle haben unsere eigenen Probleme und Sorgen, die wir nicht mit jedem teilen und abends mit nach Hause nehmen. Heute aber stecken wir alle zusammen in dieser Pandemie und werden dadurch geprägt. Jeder und jede Einzelne von uns erlebt diese Zeit gerade und bringt nicht genau das uns näher zusammen? Auch wenn wir uns momentan physisch so fern wie wahrscheinlich noch nie sind, lernen wir doch gerade als Gesellschaft zu funktionieren und uns noch mehr um diejenigen zu kümmern, die unsere Hilfe brauchen. Meiner Meinung nach waren wir uns noch nie so nah und verbunden wie jetzt.

2020 war ein gutes Jahr

Wenn ich dann irgendwann zurückschaue auf mein Jahr 2020, hoffe ich, dass ich nicht daran denke, wie nervig es war, 15 Minuten lang im Supermarkt eine Maske zu tragen oder wie viel ich verpasst habe, weil ich einen Sommer nicht auf sämtlichen Festivals und Konzerten verbringen konnte. Nein, denn in zwanzig Jahren werde ich so viel davon nachgeholt haben, dass es mir wahrscheinlich gar nicht fehlen wird. Stattdessen werde ich an ein Jahr denken, das mir gezeigt hat, dass nichts selbstverständlich ist und dass das wichtigste Gefühl ist einander zu haben. Immer wieder wird 2020 mich und hoffentlich auch einige andere daran erinnern, dankbar zu sein – dafür, dass es uns und den wichtigen Personen in unseren Leben gut geht, für die Freiheit, (fast) alles zu tun, was wir wollen und auch dafür, dass wir das alles hier überstanden haben. Und wenn wir all das irgendwann verstanden haben, geben wir vielleicht auch keinem Virus mehr die Macht über unsere Zufriedenheit und unser Leben, sondern ganz alleine uns.

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Bildquelle: Pexels; CCO-Lizenz