Fotos: Du, ich, Babybauch

Julia Romanova waiting 1

Von Daniela Gaßmann

So nah wie in diesem intimen Warteraum auf ein gemeinsames Leben werden sich zwei Liebende vielleicht nie wieder sein. Noch wuselt dieses kleine Wesen nicht immerzu zwischen ihnen herum und beansprucht einen Großteil des Vorrats an Zuneigung, über den ein Mensch verfügt. Aber es schlägt schon Zeitlupenpurzelbäume im Bauch und sagt in Fußtrittsprache: Jetzt seid ihr Familie.

 

Löffelchenstellung, Babybäuche und Hausschlappen

 

Die Künstlerin Jana Romanova hat russische Pärchen in dieser einzigartigen Lebensphase am intimsten Orten der Welt und eines Zuhauses porträtiert: in ihren Betten. Die Bilder zeigen Frühmmorgenmomente kurz vor dem Aufwachen, wenn man sich die Träume noch gegenseitig ins Gesicht atmet, das Bewusstsein aber ganz langsam wieder in die gemeinsame Realität zurückgleitet. Meistens schlief Romanova in den Wohnungen ihrer schwangeren Freunde, um sich gegen 5 oder 6 Uhr morgens in ihr Zimmer zu schleichen und heimlich Fotos zu schießen. Um diese Zeit kann man nämlich sorglos ungeschminkt sein, getrost auf sein Aussehen scheißen und jegliche Posen bleiben lassen.

„Die Paare bereiten sich darauf vor, in ein paar Monaten Eltern zu werden. Das Projekt untersucht aber nicht nur ihre Beziehung zueinander, sondern auch die Lebensweise junger Familien in den großen Städten eines modernen Russlands“, schreibt Romanova über ihre künstlerische Intention. Während Putin im Kampf gegen den Rest der Welt nicht vor Gewalt zurückschreckt, schlafen die Pärchen friedlich. Verschränkte Füße, innige Löffelchenumarmungen, eine leichte Berührung der Fingerspitzen, Hände auf dem Babybäuchen, Hausschlappen neben dem Bett: was die Bilder so besonders macht, ist die Nähe und Natürlichkeit kurz vor dem Aufwachen und Kinder kriegen. Wie zieht man so ein kleines Wesen groß? Haben wir genug Geld für die benötigten Pampersberge? Bleibt genügend Zeit für uns? Erst wenn der letzte Traum verfolgen ist, müssen sich die Paare diesen Fragen stellen. Bis dahin gibt es nur die beiden – und das purzelbaumschlagende klopfzeichentretende Baby im Bauch.