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Generation Y: Sicherheit statt Leidenschaft?

Die Generation Y will vor sich vor allem selbst verwirklichen. Stimmt nicht, sagt eine aktuelle Studie. Berufliche Sicherheit ist jetzt in.

Wir sind verträumt, egozentrisch und am liebsten totaaal flexibel. Das zumindest sagen viele Forscher und Journalisten über die Generation Y. Alles Quatsch, behauptet nun eine Studie. Eigentlich sind auch wir nur auf der Suche nach Sicherheit.

Die Studie zeigt, dass ein sicherer Arbeitsplatz mit ausreichender finanzieller Vergütung für die U30-Jährigen das wichtigste Kriterium bei der Jobsuche ist. Keine Spur von den vielbeschrieben Sinnsuchern und Träume-Verwirklichern. Die harte Realität ist auch in den wolkenverhangenen Köpfen der Generation Y angekommen: jeder Fünfte macht sich ständig Sorgen um seine berufliche Zukunft. Das liegt vor allem an den prekären Arbeitsverhältnissen; gerade mal 28 Prozent der unter 35-Jährigen verdient mehr als 2.500 Euro brutto. Nicht gerade die beste Basis, um eine Familie zu ernähren.

Teilzeit statt Träumen

Deshalb wird die Familiengründung auch immer weiter aufgeschoben. Die Generation Y ist nicht ein Haufen Träumer, sondern eher ein Haufen von Teilzeitbeschäftigten und Minijobbern. 14 Prozent der unter 30-Jährigen arbeitet in Minijobs, 64 Prozent glauben nicht, dass sie betriebliche Aufstiegschancen haben, stellt der DGB-Index für junge Beschäftigte fest. Und das, obwohl wir immer besser ausgebildet sind. Die Zahl der Abiturienten steigt von Jahr zu Jahr, die Zahl der Studienanfänger auch. 2.694.579 Studierende zählte das Statistische Bundesamt im Wintersemester 2014/2015, wieder einmal ein neues Rekordhoch. Studieren, um am Ende dann doch in einem Teilzeitjob zu landen?

Das ist leider keine Seltenheit. „Ich würde mit 1.100 Euro netto SEHR, SEHR glücklich werden!“ schreibt eine promovierte, aber arbeitslose Historikerin in der taz und fragt sich: „Akademia! Seit wann bist du nichts mehr wert?!“

Zu viele Akademiker, zu wenig Jobs

 

Galt in der Generation unserer Eltern ein abgeschlossenes Hochschulstudium noch als Jobgarant, ist das heute nicht mehr der Fall. Das mag auch am Bachelor-System liegen – viele Absolventen in kurzer Zeit gleich zu viele hochqualifizierte Leute auf dem Arbeitsmarkt. In einer Zeit, in der Abiturienten, die eine Ausbildung anfangen möchten, belächelt werden („Und dafür bist du zwölf Jahre lang in die Schule gegangen?“), eigentlich kein Wunder. Ein Studium gehört in Gymnasialkreisen fast schon zum guten Ton, und ein Uni-Abschluss „ist doch auch was wert“ – nein, nicht zwingend. Zumindest die Sinnhaftigkeit des Masters wurde schon früh angezweifelt, eine 2012 veröffentlichte Studie zeigte außerdem, dass auch Bachelorabsolventen in 85 Prozent aller Unternehmen jede Karriereposition erreichen können.

Egal, ob man lieber universitärer Theoretiker oder doch eher ausgebildeter Pragmatiker ist: Vitamin B scheint für alle Bereiche auf jeden Fall ziemlich hilfreich zu sein. Rund ein Drittel aller europäischen Arbeitnehmer findet einen Job über persönliche Kontakte, und rund 70 Prozent aller Führungspositionen werden über Beziehungen besetzt, zeigt eine Studie der EU-Kommission. Ein gutes Netzwerk ist also der beste Karrierepush – wer das hat, findet bestimmt auch mit einem exotischen Abschluss einen Job. Bloß nicht auf Träume verzichten!

 

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Bildquelle: nydia hartono unter CC BY 2.0

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