Rebecca-Syndrom: Das Gefühl, der Ex-Beziehung unterlegen zu sein

Je älter wir werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir nicht die erste romantische Beziehung unseres Partners bzw. unserer Partnerin sind. Allein diese Tatsache reicht manchmal schon aus, um uns eifersüchtig zu machen, wie am sogenannten Rebecca-Syndrom zu sehen ist.

Um für etwas Klarheit zu sorgen, was den Namen angeht: „Rebecca-Syndrom“ soll nicht implizieren, dass nur Frauen dazu neigen würden. Vielmehr handelt es sich dabei um ein – je nach befragter Generation wohl mehr oder weniger bekanntes – popkulturelles Beispiel für diese Art von Verhalten. Der Name stammt nämlich aus dem Roman Rebecca von Daphne du Maurier. Darin geht es um eine junge Frau, die sich andauernd mit der verstorbenen Ehefrau ihres Mannes, die Rebecca hieß, vergleicht. Dabei hat sie immer das Gefühl, nicht mit Rebecca mithalten zu können. Diese Unsicherheit kostete sie am Ende nicht nur fast ihre Ehe – sie sorgte auch dafür, dass sie lange Zeit ein unrealistisches Bild von Rebecca hatte.

Das Rebecca-Syndrom beschreibt also das Phänomen, ohne guten Grund eifersüchtig auf den*die Ex unserer aktuellen Beziehung zu sein. Hinweise darauf können sein:

  • das Verfolgen des*der Ex in den sozialen Medien
  • das Vergleichen des eigenen Aussehens mit dem Erscheinungsbild des*der Ex und das Empfinden, weniger attraktiv zu sein
  • Eifersucht auf romantische Dates oder Reisen, die mit dem*der Ex unternommen wurden
  • das Bedauern, nicht die erste Liebe gewesen zu sein
  • davon auszugehen, dass die Familie den*die Ex mehr mochte als einen selbst, ohne dafür einen wirklichen Grund zu haben
  • dauernd an die Ex-Beziehung zu denken, auch wenn diese nie im Alltag auftaucht oder nicht darüber gesprochen wird
  • sich selbst einzureden, dass der*die aktuelle Partner*in immer noch Gefühle für den*die Ex hat, auch wenn es keine greifbaren Anzeichen dafür gibt.

Im Falle einer Patchwork-Familie kann auch die Elternrolle des Ex-Partners bzw. der Expartnerin für Eifersucht sorgen.

Warum so eifersüchtig?

Wer mit wenig Selbstwertgefühl in eine Beziehung geht oder eine*n Partner*in hat, der*die nur wenig Bestätigung gibt, kann schnell dem Rebecca-Syndrom anheimfallen. Wir projizieren dann nämlich unsere eigene Unsicherheit oder Unzufriedenheit mit der Beziehung auf den*die Ex: Schnell kommt man auf die Idee, man selbst sei im Vergleich zur früheren Beziehung ein Downgrade oder die aktuelle Beziehung würde besser laufen, wenn da nicht noch der*die Ex da wäre. Dadurch, dass wir heutzutage auch noch ständig auf Social Media unterwegs sind, fällt das Ausspionieren und der ständige Vergleich mit dem*der Ex besonders leicht.

Was lässt sich dagegen unternehmen?

Eifersucht lässt sich am besten bekämpfen, indem man sie sich vor Augen führt: Ein Gespräch mit dem*der besten Freund*in oder einer anderen vertrauenswürdigen Person kann enorm helfen. Oft wird uns außerdem erst dann klar, ob unsere Ängste berechtigt sind oder nicht, wenn wir sie laut aussprechen. Gleich das Gespräch mit dem*der Partner*in zu suchen, ist unter Umständen keine gute Idee – ihm*ihr haltlose Vorwürfe zu machen, ist einer Beziehung nicht gerade zuträglich. In extremen Fällen kann auch eine Psychotherapie vonnöten sein, um die versteckten Auslöser dieser Eifersuchtsgefühle zu ergründen.

Abschließend muss aber noch gesagt sein, dass es natürlich normal ist, mit dem*der Partner*in auch einzigartige Erlebnisse teilen zu wollen: Niemand ist gerne Zweite*r. Aber aufgrund einer früheren Beziehung gleich den eigenen Selbstwert oder die Liebe unseres Partners*unserer Partnerin infrage zu stellen, wird weder uns noch ihm*ihr gerecht.

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Bildquelle: ArtHouse Studio via Pexels, CC0-Lizenz