Lokaler Widerstand hält US-Rechenzentren für fast 200 Milliarden Dollar auf
Im ersten Quartal 2026 sind in den USA 75 Rechenzentrumsprojekte im Wert von rund 130 Milliarden Dollar an lokalem Widerstand gescheitert oder haben sich verzögert. Im zweiten Quartal kamen mindestens 45 Projekte mit knapp 68 Milliarden Dollar dazu. Das zählt das Projekt Data Center Watch, Gizmodo berichtete am 21. September 2026 darüber. Zusammen sind es knapp 200 Milliarden Dollar in einem halben Jahr.
Hinter den Zahlen steht ein Muster, das länger trägt als jede einzelne Meldung: Die Infrastruktur der KI wird gebaut, wo Menschen wohnen, und die fragen zunehmend zurück.
Die Zahl sinkt von 75 auf 45 Projekte
Die Zahl der betroffenen Projekte sinkt von 75 auf 45, der Wert von rund 130 auf knapp 68 Milliarden Dollar. Ob das nachlassenden Widerstand bedeutet oder weniger geplante Projekte, sagen die Quellen nicht. Laut AI Weekly, das sich auf eine Bloomberg-Meldung beruft, entspricht das zweite Quartal mehr als der Hälfte der großen Vorhaben, die Data Center Watch in diesem Zeitraum erfasste. Wichtig für die Einordnung: Gezählt wird der Wert der betroffenen Projekte. Ob das Geld am Ende an anderer Stelle investiert wird, sagt die Zahl nicht. „Blockiert“ und „verzögert“ stehen zudem in einer Kategorie. Ein Projekt, das ein halbes Jahr später gebaut wird, taucht in der Summe genauso auf wie eines, das nie gebaut wird.
10a Labs zählt mit, die Methode bleibt offen
Data Center Watch ist ein Projekt des Unternehmens 10a Labs. Zur Methode der Erhebung und zur Finanzierung enthalten die geöffneten Berichte keine Angaben. Die Zahlen sind damit die Zählung eines Beobachtungsprojekts, keine amtliche Statistik. Sie taugen als Hinweis auf eine Größenordnung. Wer sie als exakte Bilanz zitiert, überdehnt sie.
Wasser und Strom sind die genannten Streitpunkte
Als Gründe für den Widerstand nennt Gizmodo die Sorge um die Wasserversorgung, die Belastung der Stromnetze und weitere Lasten für die Gemeinden. Data Center Watch zählt nach AI Weekly 843 Oppositionsgruppen in 49 Bundesstaaten. In rund 30 Bundesstaaten wurden Regeln zu Standortwahl, Strom, Wasser oder Kostenteilung bei der Infrastruktur eingebracht oder beschlossen. In Tennessee unterschrieben laut AI Weekly über 500.000 Menschen eine Petition auf Change.org.
Die Stimmung dahinter beziffert eine Gallup-Umfrage vom März: 71 Prozent der Amerikaner:innen lehnen ein KI-Rechenzentrum in ihrer Umgebung ab, 48 Prozent aller Befragten stark. Gallup befragte dafür vom 2. bis 18. März telefonisch 1.000 Erwachsene in allen Bundesstaaten, die Fehlerspanne liegt bei plus/minus vier Prozentpunkten.
Trump spricht von einer Verschwörung gegen KI
Die Gegenseite deutet den Widerstand politisch. US-Präsident Donald Trump schrieb im September auf Truth Social, es laufe eine „SICK conspiracy“ gegen KI und Rechenzentren, und glücklich damit sei nur China. Belege für eine Steuerung des Protests nennt Gizmodo dazu nicht. Die genannten Streitpunkte sind lokal und konkret: Strom, Wasser, Kosten.
Damit stehen sich zwei Erzählungen gegenüber. Die eine sieht Bürger:innen, die mitentscheiden wollen, was in ihrer Nachbarschaft Strom und Wasser verbraucht. Die andere sieht eine Standortfrage im Wettlauf der Großmächte. Wer die Rechnung am Ende zahlt, Konzerne, Gemeinden oder Netzbetreiber, ist in den Quellen offen.
Ob sich das Muster in Europa wiederholt, geben die Quellen nicht her. Die Streitpunkte sind aber nicht an die USA gebunden: Auch hierzulande hängt jedes große Rechenzentrum an Netzen, Flächen und Wasser, über die vor Ort entschieden wird.
Foto von M Sides: https://www.pexels.com/de-de/foto/amerikanische-flagge-bei-einer-offentlichen-versammlung-im-freien-32874352/
