Was verändern – Weiterbildung als Möglichkeit

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Die Aussicht, einen Job für die nächsten 30 Jahre zu machen, ist für viele Berufseinsteiger heutzutage kaum mehr vorstellbar. Der Berufsmarkt ist in vielerlei Hinsicht schnelllebiger geworden, was zu sich ständig verändernden Anforderungen der Arbeitsstelle führt. Denn die Entwicklungen gerade in technologischer Hinsicht sind rasant, machen weder vor den Unternehmen noch vor den Menschen halt. Für alle Beteiligten ist es daher wichtig, sich schnell an neue Rahmenbedingungen anpassen zu können.

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Lebenslanges Lernen

Früher wurden mit dem Spruch „Du wirst so alt wie eine Kuh und lernst immer noch dazu“ hauptsächlich überraschende neue Erkenntnisse kommentiert, die noch nicht Bestandteil des persönlichen Allgemeinbildungsschatzes waren. Mittlerweile muss die berühmt-berüchtigte Redewendung jedoch vielmehr als Leitmotiv verstanden werden und das nicht nur unter beruflichen Gesichtspunkten. Lebenslanges Lernen, das mag für frische Schul- oder Hochschulabsolventen wie der blanke Hohn klingen – immerhin hat man in den Jahren vor dem jeweiligen Abschluss im Grunde nichts anderes gemacht. Wie reizvoll kann da schon ein Konzept sein, durch das Lernen auf das ganze Leben ausgeweitet werden soll? Sollte nach dem Lernen nicht eigentlich der Teil des Lebens beginnen, der sich in der Hauptsache um das Geldverdienen dreht?

Meistens tut er das ja auch, aber das steht eben in keinerlei Gegensatz zum lebenslangen Lernen. Wer nach dem Ende der Schul- oder Lehrzeit in den Beruf einsteigt, wird das schnell merken. Selbst wer nach der Ausbildung in die Firma übernommen wird, kann sich nicht auf dem ausruhen, was er sich an Wissen bis dahin angeeignet hat. Eine neue Position im Betrieb bringt neue Aufgaben mit sich, die wiederum neue Leistungsanforderungen bedeuten. Lebenslanges Lernen meint eben auch die Fähigkeit, sich auf solche Situationen einstellen zu können.

Und doch geht es nicht bloß um die Optimierung einer Beschäftigungsfähigkeit, damit der Anschluss zu den Entwicklungen im eigenen Berufsfeld nicht verloren geht. Es geht auch darum, zu einem besseren Verständnis seiner Umwelt zu gelangen und die eigenen Möglichkeiten zur Beteiligung an gesellschaftlichen oder politischen Prozessen zu verbessern. Abgesehen davon lernt jeder Einzelne ohnehin ständig – informelle Lernprozesse werden als solche wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen und doch ist beispielsweise das anfängliche Zurechtfinden bei einem neuen Arbeitgeber genau das. Denn Lernen ist schlichtweg mehr als das Pauken über den Lehrbüchern, das in der Schulzeit praktiziert wurde.

Weiterbildung: Zwischen Notwendigkeiten und Möglichkeiten

Ganz egal, wie das Konzept des lebenslangen Lernens beurteilt wird, die Notwendigkeit zur Weiterbildung ist in der heutigen Arbeitswelt eine schlichte Tatsache. Das fängt bei der Chance zur Verbesserung der Einstiegsbedingungen in den Beruf an, die durch das Nachholen möglicherweise verpasster Schul- oder Berufsabschlüsse erreicht werden können. Die Anforderungen eines Arbeitsmarkts, der immer höhere Abschlüsse erwartet und verlangt, zwingen in dieser Hinsicht regelrecht zum Handeln.

Darüber hinaus haben die Unternehmen auch nach dem Antritt der Stelle weiterhin einen Bedarf an der Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. Der ist umso größer, je größer das Unternehmen ist – denn gerade bei Firmen, deren Mitarbeiterzahl im vierstelligen Bereich liegt, sind nicht mehr nur branchenorientierte Weiterbildungsmaßnahmen gefragt. Vielmehr geht es um eine Verbesserung von Unternehmensstruktur und –kultur, für die es aber nicht ausschließlich auf die Aneignung neuen technologischen Wissens, sondern verstärkt auf die sogenannten Soft-Skills ankommt.

Das wiederum liegt vor allem an Umdenkprozessen in der Personalentwicklung – der Trend geht hier zu agilen Modellen, in denen einzelne Mitarbeiter oder Teams möglichst selbstbestimmt agieren, also auch selber über benötigte Kompetenzen in ihrem Arbeitsbereich entscheiden und sich dementsprechend anpassen. Das heißt gleichzeitig aber auch, dass die Unternehmensführung an derartige Umstellungen angepasst werden muss, mit einer noch stärkeren Einwirkung auf die individuelle Kompetenzentwicklung der Angestellten. Das Marktforschungsunternehmen EuPD Research konnte in einer Umfrage daher neben einer gesunden Mitarbeiterführung insbesondere effiziente Personalprozesse, Talentmanagement und Feedbacktraining als wichtigste Themen innerbetrieblicher Weiterbildung ausmachen. Neben einer Vielzahl externer Angebote bemühen sich die Unternehmen auch selbst im Rahmen der agilen Personalentwicklung um interne Begleitprogramme zur Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. So beispielsweise die Wissensplattform e-volution von Hager, Berker und Elcom.

Tatsächlich profitieren jedoch nicht nur die Unternehmen vom Lernen ihrer Angestellten. Wer die Anforderungen des neuen Arbeitsmarktes annimmt und Weiterbildung nicht als lästiges Pflichtfach, sondern als Chance für die eigene Karriere betrachtet, wird langfristig besser dastehen. Im ungünstigsten Fall kann das Wahrnehmen von Weiterbildungsangeboten wenigstens eine größere Arbeitsplatzsicherheit bedeuten, eventuell ergeben sich aber auch im Hinblick auf das Gehalt oder eine Beförderung neue Möglichkeiten – ganz abgesehen davon, dass sich das angeeignete Wissen auch bei einem Wechsel des Arbeitsplatzes positiv zu Buche schlägt.

Während von Unternehmensseite allerdings durchaus die Vorteile von Weiterbildung, beispielsweise im Hinblick auf eine Beförderung im Betrieb, eingeräumt werden, scheint das Interesse an solchen Fortbildungsmaßnahmen eher rückläufig zu sein. Dabei bieten sie auch Quer- oder Wiedereinsteigern in das Berufsleben diverse Möglichkeiten. Zum einen als Maßnahme, den Kenntnisstand in der angestammten Branche nach einer beruflichen Pause – zum Beispiel nach der Elternzeit – wieder auf den aktuellen Stand zu bringen. Oder eben als Grundlage für den Einstieg in eines der Berufsfelder, die sich gerade noch in ihrer Entstehung befinden, beispielsweise das Energiemanagement.

Ein reichhaltiges Angebot

Vielfältig ist wahrscheinlich das beste Wort, um die Fülle an unterschiedlichen Formen der Weiterbildung zu beschreiben. Das mag auf den ersten Blick ein Nachteil sein, weil die Übersicht in Anbetracht des Angebots auch mal verloren gehen kann. Andererseits ist es ein überaus großer Vorteil, sich genau die Maßnahmen herauspicken zu können, die einem inhaltlich und in ihrer Form am ehesten ansprechen. Damit sind nicht nur gute Voraussetzungen für das nötige Interesse, sondern auch für die Berücksichtigung des eigenen Lerntempos gegeben.

Bei Weiterbildungsmaßnahmen werden grundsätzlich Aufstiegs- und Anpassungsfortbildungen unterschieden, je nachdem, ob eine Beförderung oder ein Wissensupdate angestrebt wird. Unabhängig vom Qualifikationsziel sind die Wege dahin tatsächlich vielfältig. Eines der gängigsten Formate ist beispielsweise das „Training near the job“, das hauptsächlich innerbetriebliche Schulungen und Seminare umfasst. Diese haben den Vorteil, inhaltlich recht genau auf die jeweiligen Anforderungen des Unternehmens oder bestimmter Abteilungen zugeschnitten werden zu können. Für die Arbeitnehmer ist es wiederum sicherlich kein Nachteil, dass solche Kurse bisweilen schon während der Arbeitszeit stattfinden – das lockert in jedem Fall zusätzlich den Alltag auf.

Anders funktioniert das Training on the job, denn es ist eine Variante, die voll auf das Prinzip des Learning by doing setzt. Das kann beispielsweise bedeuten, dass erfahrenere und neue Mitarbeiter zwecks Wissenstransfer gemeinsam im Team arbeiten. Das kann aber auch bedeuten, dass Kollegen aus einem jeweils anderen Bereich gewissermaßen die Plätze tauschen: Auf diese Weise ergeben sich nicht nur neue Perspektiven für die Arbeit in der Firma, das Modell ermöglicht auch praktische Erfahrungen einerseits und Einblicke in kaufmännische Aspekte andererseits.

Daneben gibt es unzählige externe Anbieter für ein „Training off the job“. Dazu zählen solche Kurse und Seminare, die beispielsweise über die Handwerkskammern, die Industrie- und Handelskammern, die verschiedenen Schulen zur Erwachsenenbildung oder das Bildungswerk wahrgenommen werden können. Das erfordert deutlich mehr Eigeninitiative, denn im Zweifelsfall müssen sich die Interessenten selbst um eine Teilnahme kümmern. Darüber hinaus variieren die Angebote im inhaltlichen und zeitlichen Umfang stark, erlauben aber so immerhin, sich nicht nur mit firmenrelevanten Themen zu beschäftigen. Darüber hinaus können bei den genannten Bildungsträgern staatlich anerkannte Berufsabschlüsse erworben werden – dazu muss die entsprechende Prüfung abgelegt werden, die angebotenen Vorbereitungskurse sind wiederum nicht verpflichtend.

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Ähnlich wie die Angebote off the job funktioniert der Fernunterricht beziehungsweise das E-Learning, mit der Ausnahme, dass das Lernen in den eigenen vier Wänden stattfinden kann. Das erfordert ein gesundes Maß an Selbstdisziplin, ermöglicht aber eine individuelle zeitliche Gestaltung des Lernens. Abhängig vom Angebot müssen dennoch von Zeit zu Zeit Präsenzveranstaltungen, zum Beispiel für einen Wissensaustausch oder für Prüfungen, eingeplant werden. E-Learning ist übrigens in diesem Zusammenhang im Grunde als eine modernisierte Variante des Fernunterrichts zu verstehen – hat aber den Vorteil, über Chats und Lernforen einen deutlich einfacheren Austausch mit anderen Teilnehmern oder den Dozenten zu bieten.

Zu all diesen Möglichkeiten kommen noch speziell auf Berufstätige abgestimmte Studienprogramme, Fortbildungen im Ausland – um beispielsweise erforderliche Sprachkenntnisse zu verbessern –, duale Studiengänge und jede Form des selbstorganisierten Lernens, die Arbeitnehmer aus eigenem Antrieb betreiben.

Nicht nur sich selbst verändern

Aber was ist, wenn das Vorantreiben der Karriere gar nicht an erster Stelle der beruflichen Entwicklung steht? Wenn es nicht in erster Linie darum geht, die finanziellen Aspekte des Jobs zu verbessern, sondern etwas Nachhaltiges durch die eigene Arbeit zu bewirken? Tatsächlich ist es absolut möglich, in Sachen Nachhaltigkeit nicht mehr nur durch eine größere Aufmerksamkeit im Konsumverhalten tätig zu sein.

Nachhaltigkeit ist eines der größten Themen der letzten Jahre und wird es auch in Zukunft bleiben. Folgerichtig hat es daher nicht nur den Weg in die Industrie und Wirtschaft gefunden, wo die Materialbeschaffung und –verarbeitung immer mehr unter Gesichtspunkten wie nachhaltige Rohstoffe und klimafreundliche Herstellung vollzogen wird. Nachhaltigkeit ist mittlerweile auch explizit als Bestandteil des Studiums angekommen. Das Angebot beschränkt sich zwar vorerst auf Online-Bildungsportale, wie die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit der Universität Bremen. Dadurch besteht aber einerseits die Möglichkeit, den Lernstoff wie beim E-Learning im eigenen Tempo erarbeiten zu können, andererseits kann es als Ergänzung zum eigentlich gewählten Studiengang belegt werden, Prüfungen inklusive.

Abgesehen davon gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Studiengängen an verschiedenen deutschen Universitäten und Fachhochschulen, die sich im Rahmen ihres ursprünglichen Schwerpunkts mit nachhaltigen Anwendungsmöglichkeiten beschäftigen. Das Angebot reicht von Abfallwirtschaft über Geoökologie bis zum Life-Science-Engineering – und ist im Hinblick auf die Praxisnähe nahezu immer interdisziplinär angelegt. Das heißt, das sogenannte Grüne Studium bietet nicht nur das Wissen zum Thema Nachhaltigkeit in den diversen Fachrichtungen, sondern liefert auch gleich die Werkzeuge mit, es im Beruf richtig einzubringen.

Bildnachweis, Beitragsbild: Kabbompics

Abbildung 1: pixabay.com © Rousseau (CC0 Public Domain), Abbildung 2: pixabay.com © StartupStockPhotos (CC0 Public Domain)

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