„Hate Follow“: Warum wir Leute stalken, die wir hassen
Eigentlich will Social Media ja Menschen zusammenbringen, die einander mögen: Ganz egal, ob es Freund*innen untereinander sind oder Communitys, die ein gemeinsames Hobby haben. Das Phänomen „Hate Follow“ scheint da also irgendwie nicht ganz reinzupassen.
Die Begriffsbeschreibung zum „Hate Follow“ im Urban Dictionary liest sich wie folgt:
When you can’t help but follow someone on social media, despite how much you despise them and/or what they stand for.
(Urban Dictionary)
Jemanden zu „hate followen“ beschreibt also das Verlangen, eine Person in den sozialen Medien zu verfolgen, die wir eigentlich nicht leiden können oder gar verabscheuen. Das muss nicht immer jemand sein, den wir persönlich kennen: Es kann genauso gut irgendein*e Künstler*in, Influencer*in oder anderweitig in der Öffentlichkeit tätige Person sein, die uns nicht passt.
Die naheliegendste Vorgehensweise wäre in diesem Fall eigentlich allen klar: Ignorieren. Warum sollten wir schließlich Zeit und Nerven an eine Person verschwenden, die wir gar nicht mögen? Und das auch noch dann, wenn wir uns sonst gar nicht mit dieser Person herumschlagen müssten? Was ist also der Reiz am Hate Follow? Laut Esquire Germany spielen folgende Gründe eine Rolle:
1. Auf der Suche nach Bestätigung
Finden wir eine Person wirklich unerträglich, suchen wir aktiv nach negativen Inhalten, peinlichen Posts oder Kommentaren anderer Leute, die unser Gefühl bestätigen. Manchmal reicht es uns aber nicht aus, diese Bestätigung nur ein einziges Mal zu haben: Daher schauen wir immer wieder bei dieser Person vorbei, um uns zu vergewissern, dass sie auch weiterhin unseren Hass verdient.
2. Schadenfreude – die schönste Freude?
Ein weiterer Grund kann pure Schadenfreude sein: Wir lieben es einfach, mit anderen über (vermeintliche) A*löcher abzulästern und laben uns gern an ihrem Scheitern. Manch eine*r mag das Karma nennen, was es ja wieder okay macht – schließlich erntet diese Person nur, was sie auch säht.
3. Ein Weg zur Selbstfindung
„Wer bin ich?“: Diese Frage beschäftigt vor allem viele jüngere Leute, die noch auf der Suche nach ihrer eigenen Identität sind. Viel leichter ist es aber, zu sagen, wer wir nicht sein wollen. In diesem Sinne können Personen, die wir hate followen, zu einem Negativ-Vorbild für uns werden.
Kann das gesund sein?
Wir kommen schon aufgrund unserer Natur nicht drum herum, uns gelegentlich mit anderen Menschen zu vergleichen. Es ist aber auch da wieder eine Frage der Ausprägung: Hate Follower*innen bemerken gar nicht, wie viel Zeit sie dem eigentlich widmen. Es geht ihnen auch nicht vordergründig darum, ihr Ziel zu „demaskieren“ oder berechtigte Kritik an ihm zu üben – sie wollen sich vor allem selbst besser fühlen. Doch unser eigenes Unglück mit dem anderer zu kompensieren, sollte nie Teil unserer Bewältigungsstrategie sein.
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