Nach 32 Jahren: Warum RTL „Unter uns“ absetzt, und Fans dagegen ankämpfen

Kennst du das Gefühl, wenn eine Serie, die gefühlt schon immer da war, plötzlich einfach aufhört zu existieren? Genau das erleben gerade die Fans von „Unter uns“. Die RTL-Daily-Soap läuft seit 1994 – und trotzdem ist Ende 2026 Schluss mit der Produktion. Die letzten Folgen sollen noch bis März 2027 ausgestrahlt werden.

Eine der ältesten deutschen Daily Soaps geht zu Ende

Am 28. November 1994 lief die erste Folge von „Unter uns“. Seitdem gehört die Serie zum festen RTL-Programm und ist mit mehr als 30 Jahren eine der langlebigsten täglichen Serien im deutschen Fernsehen. Generationen von Zuschauer:innen sind mit der Schillerallee aufgewachsen – manche haben die Serie sogar länger im Leben als bestimmte Freundschaften oder Beziehungen.

Nun hat RTL das Ende angekündigt. Der Sender begründet die Entscheidung mit veränderten wirtschaftlichen Bedingungen und einer Neuausrichtung des Nachmittags- und Vorabendprogramms. Ganz verschwunden ist „Unter uns“ allerdings nicht sofort: Die Produktion endet Ende 2026, die bereits produzierten Folgen laufen noch bis März 2027.

Die Fans wollen das Ende nicht akzeptieren

Kaum war die Entscheidung bekannt, formierte sich Widerstand. Auf Change.org startete eine Petition unter dem Hashtag „#NichtOhneUnterUns“. Auch Schauspieler:innen und die Produktionsfirma UFA machten öffentlich deutlich, dass sie sich eine Zukunft für die Serie wünschen.

Das Bemerkenswerte daran: Es geht längst nicht mehr nur um die Frage, ob eine Fernsehserie weiterproduziert wird. In den Kommentaren und Social-Media-Posts wird „Unter uns“ als Teil des eigenen Alltags beschrieben – als Serie, die Familien, Freundschaften und ganze Lebensphasen begleitet hat. Die Petition wird damit auch zu einem digitalen Treffpunkt für eine Fangemeinde, die sich plötzlich mit dem Ende eines Stücks Mediengeschichte konfrontiert sieht.

Ein Genre unter Druck

Das Aus von „Unter uns“ kommt nicht völlig überraschend. Daily Soaps stehen seit Jahren vor der Herausforderung, ein klassisches lineares Fernsehmodell mit einer Medienwelt zu verbinden, in der Streaming, Mediatheken und kurze Social-Media-Inhalte um die Aufmerksamkeit des Publikums konkurrieren.

Für RTL ist die Entscheidung deshalb nicht nur eine Frage von Nostalgie. Ein tägliches Format bedeutet kontinuierliche Produktionskosten, während sich Sehgewohnheiten und Reichweiten verändern. Der Sender spricht selbst von veränderten wirtschaftlichen Bedingungen und einer Neuausrichtung des Vorabendprogramms.

Kann „Unter uns“ noch gerettet werden?

Ob die Serie nach dem Produktionsende bei einem anderen Sender oder auf einer anderen Plattform weitergeführt werden könnte, ist derzeit offen. Die Produktionsfirma UFA und Teile des Casts setzen gemeinsam mit Fans auf die Kampagne „#NichtOhneUnterUns“ und hoffen auf eine neue Perspektive für die Serie. Eine konkrete Übernahme durch einen anderen Sender ist bislang allerdings nicht bestätigt.

Damit bleibt vorerst eine ungewöhnliche Situation: Das Ende bei RTL steht fest, aber die Geschichte der Serie ist zumindest theoretisch noch nicht abgeschlossen. Und genau darin liegt der vielleicht interessanteste Teil dieser Geschichte.

Warum dich das auch dann etwas angeht, wenn du „Unter uns“ nie geschaut hast

„Unter uns“ zeigt, wie sich Fernsehen verändert hat – und wie sich gleichzeitig das Verhältnis zwischen Publikum und Serien verändert. Früher war eine Absetzung vor allem eine Entscheidung des Senders. Heute können Fans innerhalb weniger Stunden Petitionen starten, Kampagnen organisieren, Schauspieler:innen mobilisieren und ihre Forderung öffentlich sichtbar machen.

Ob solche Aktionen tatsächlich eine Programmentscheidung kippen können, ist offen. Aber sie zeigen, dass eine Serie längst mehr sein kann als die 22 Minuten, die jeden Abend auf dem Bildschirm laufen. Für manche Zuschauer:innen ist sie Routine, Erinnerung und ein Stück Biografie. Und wenn genau diese Routine plötzlich verschwindet, wird aus einem Fernsehprogramm schnell eine ziemlich persönliche Angelegenheit.

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