Apps: Jobsuche per Selfie

Rechts heißt Ja, links heißt Nein. Einfach kurz in eine Richtung wischen. Was bei der Erfolgsapp Tinder schon lange nichts Neues mehr ist, erobert jetzt auch den Arbeitsmarkt: Die skandinavische App SelfieJobs vermittelt mit der bewährten Swiping-Methode keine Dates, sondern einen Arbeitsplatz. Wenn Arbeitgeber und Arbeitssuchender beide nach rechts wischen, wird ein Kontakt hergestellt. „Mit SelfieJobs möchte ich Arbeitgeber und Arbeitnehmer unkompliziert zueinander bringen“ sagt Martin Tall, Günder des Unternehmens. „Ich habe früher selbst im Recruiting-Business gearbeitet. Mich haben die umständlichen und bürokratischen Bewerbungsverfahren immer gestört.“

Das kann man irgendwie verstehen. Ein Bewerbungsschreiben schüttelt man nicht eben mal aus dem Ärmel, der CV muss immer topaktuell sein und oft vergehen bis zu einer Zu- oder Absage mehrere Wochen oder gar Monate. SelfieJobs möchte das ganze Brimborium nun weglassen. User können einen kurzen Lebenslauf einstellen, der den Vornamen, den Bildungsstand und die bisherige Berufserfahrung umfasst. Weitere Informationen werden auf Wunsch in ein Video verpackt, das sich der mögliche Arbeitgeber anschauen kann. Wer Mitarbeiter sucht, kann sich ebenfalls bei SelfieJobs anmelden und mithilfe eines Videos und wenigen Angaben die ausgeschriebene Stelle präsentieren.

Nach eigenen Angaben ist SelfieJobs mittlerweile die beliebteste Recruiting-App in Europa und auch in Schweden, Norwegen und Dänemark aktiv. Rund 10.000 Unternehmen und Arbeitssuchende sind registriert. „Jobsuche soll auch Spaß machen dürfen“, findet Martin Tall. Das scheint anzukommen – seit dem Launch vor einigen Wochen haben sich bereits einige hundert Deutsche angemeldet.

 

Aussehen statt Kompetenz

 

Die meisten ausgeschriebenen Stellen sind nicht etwa Managerposten bei großen Firmen, sondern Angebote im Bereich Gastronomie. Denn: SelfieJobs setzt auf Oberflächlichkeit. Das Foto im Profil des Suchenden ist riesig, die wenigen Informationen werden eher klein dargestellt. Das fördert die intuitive Auswahl von Bewerbern – im Zweifelsfall eben auch nach persönlichem Gusto. Somit sei es dahingestellt, ob der rekrutierende Arbeitgeber dann nicht doch die scharfe Blondine dem kompetenten Studenten vorzieht. Ein harter Schlag ins Gesicht der Chancengleichheit: deutsche Unternehmen dürfen seit 2007 kein Bewerbungsfoto mehr einfordern, einige Arbeitgeber haben sich seither auch für anonymisierte Bewerbungsverfahren entschieden.

Unbenannt

Gründer Martin Tall war vor allem die Nutzerfreundlichkeit wichtig. Er habe eine App entwickeln wollen, die „es den Bewerbern so einfach wie möglich macht, sich potentiellen Arbeitgebern zu präsentieren“. Das zumindest hat er geschafft – was Arbeitssuchender und Arbeitgeber daraus machen, bleibt ihnen letztendlich selbst überlassen. Für Jobs, in denen ein gepflegtes Äußeres wichtig ist (also zum Beispiel als Kellner, Barkeeper oder Hostess) kann SelfieJobs vielleicht tatsächlich hilfreich sein. Das sagt zwar noch nichts darüber aus, ob der Barkeeper mehr als nur widerliche Plörre zusammenmixen kann. Aber wer sich als Arbeitgeber nur auf das Äußere eines Bewerbers verlässt, ist sowieso selbst schuld.

 

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Bildquelle: Esther Vargas unter CC BY-SA 2.0, Screenshot von goselfiejobs.com

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