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Von der Angst davor, “zu nett” zu sein

Nett zu sein ist heutzutage fast eine Beleidigung. Doch dass Freundlichkeit ein Problem ist, liegt an veralteten Geschlechtervorstellungen.

Where is the poop?

 

Auch in gleichgeschlechtlichen Bekanntschaften scheint zu viel Freundlichkeit fehl am Platz zu sein. Mit Misstrauen werden “zu liebe” Mädels beäugt, und wehe sie sind dann auch noch hübsch und intelligent. Da zwängt sich Robins Frage aus How I Met Your Mother gerade nur so auf: „Where ist the poop?“

Die Ambivalenz im Alltag ist schwer auszuhalten. Eigentlich werden wir zu Nettigkeit erzogen, lernen als Kinder, sehr früh vermeintlich gutes Verhalten, um dann als Erwachsene feststellen zu müssen, dass es im wahrsten Sinne zu viel des Guten gibt. Irgendwie undankbar. Doch nicht nur, dass wir so erzogen wurden: Man möchte es kaum glauben, aber es gibt auch Menschen, die einfach auch gerne nett sind, lächeln, an ihre Mitmenschen denken, weniger nachtragend sind, es lieben´, zu helfen.

 

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

 

Das Problem liegt daran, dass jede Eigenschaft nicht nur für sich steht, sondern diese wiederum beurteilt wird: gut oder schlecht, akzeptiert oder seltsam, männlich oder weiblich. Und auf dieser Metaebene müssen wir auch Bewertungen wie „zu nett“ lesen. Freundlichkeit und jede damit verbundene Geste – vom verständnisvollen Nicken bis zum Vortrag mit Strahlelächeln –  ist erstrebenswert UND weiblich. Deshalb werden Männer plötzlich als unsexy verurteilt, sobald sie „zu nett“ sind. Deshalb wird das Mehr an evozierter Weiblichkeit als Konkurrenz wahrgenommen.  Deshalb passt zu viel Freundlichkeit nicht in eine kalte, rationale Karrierewelt und wird mit Statusverlust bestraft. Es ist ein veraltetes und doch beständiges Stereotyp, dass Intelligenz nicht mit zu Emotionalität passt. Umgekehrt werden Egoismus und Narzissmus so zu den Gewinnereigenschaften auf den Bühnen unserer Welt.

Das Dilemma zu lösen ist keine einfache Aufgabe. Denn selbst, wenn man sich bewusst fürs Gutsein entscheidet, bedeutet es nicht, dass die Welt sich plötzlich ändert. Doch man selbst setzt sich für seine eigenen Ideale und Vorstellungen ein, für Neudefinitionen von Gender. Und deswegen glaube ich, dass Authentizität – denn der Mensch ist nach meinem Verständnis eben kein Wolf – auf lange Sicht zu mehr Selbstliebe, Größe führt als jedes gespielte Arschloch-Image. Wie schon Erich Kästner sagte: es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

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