101 Outfits: Emma Stone verkörpert eindrücklich Cruella de Vil

Die filmischen Highlights

Bis zu diesem Punkt des Films wird vor allem die Vorgeschichte Estellas mit kurzen Szenen im schnellen Erzähltempo skizziert. Doch auch nach dem Zeitsprung von der jungen Estella zur Erwachsenen bleibt der schnelle Erzählstil durch die rhythmische Montage erhalten und verleiht dem Film seine Lebendigkeit. Dabei wechselt die Kameraführung zwischen langen Kamerafahrten, die einen in das Geschehen ziehen, zu schnellen erzählerischen Sequenzen hin zu ruhigeren Aufnahmen, die den Charakteren Tiefe verleihen. So bleibt die Spannung über die Dauer des Films konstant aufrechterhalten. Zudem tragen auch die zahlreichen Schauplätze, welche die Produktionsdesignerin Fiona Crombie in insgesamt 120 verschiedenen Sets detailreich umgesetzt hat, dazu bei, eine runde und abwechslungsreiche Geschichte zu erzählen. Dabei bleibt sie unvorhersehbar und die verschiedenen Handlungsstränge werden durch unerwartete Plot-Twists gekonnt zusammengeführt. Doch nicht nur die einzelnen Schauplätze überzeugen durch ein detailreiches und farbliches Konzept, sondern auch die Kostüme sowie Haare und Make-up der Darsteller*innen.

Die an die 70er-Jahre angepassten Looks machen in jeder Hinsicht Spaß beim Zusehen. Insgesamt gab es für Emma Stone 47 Kostümwechsel. Emma Thompson, die die Baroness spielt, durfte in 33 verschiedene Kostüme schlüpfen. Diese sind von der preisgekrönten Kostümdesignerin Jenny Beavan und ihrem Team entworfen worden und sorgen für einige grandiose Modemomente. Man könnte ihre Arbeit auch mit dem altbekannten Spruch „Kleider machen Leute“ zusammenfassen, denn sie schafft es, mit den einzigartigen und aufwendigen Modedesigns die Geschichte der Hauptcharaktere auch durch die Outfits zu erzählen. So meinte auch Thompson, sie sei lediglich in die Kostüme geschlüpft und habe dann kaum mehr etwas dafür tun müssen, die Baroness zum Leben zu erwecken, als ihre Sätze zu sagen. Dabei ist nicht nur die Mode selbst ein Hingucker, sondern oftmals auch das Make-up sowie die Haarpracht der Frauen, die sich mit ihren Outfits stetig übertrumpfen.

Emma Thompson als Baroness. Photo by Laurie Sparham. © 2021 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Nemesis

Als Baroness lernen wir die Schauspielerin Emma Thompson von einer ganz anderen Seite kennen, denn sie verkörpert im Film die Gegenspielerin Estellas und somit erstmalig eine durch und durch böswillige Figur. Die Baroness ist eine hochnäsige, versnobte und sehr erfolgreiche Modedesignerin und erinnert daher nicht zuletzt an die Chefredakteurin der Vogue, Anna Wintour. Im Laufe des Filmes wird immer mehr deutlich, dass sie für ihren Erfolg über Leichen geht. Gerade diese dunkle Seite des weiblichen Hauptcharakters habe Thompson an der Rolle so gereizt, denn sie wollte schon immer eine richtige Bösewichtin spielen. Auch Emma Stone interessierte die dunkle Seite ihrer Figur und wie sie sich von der süßen und zurückhaltenden Estella zur selbstbewussten und rücksichtslosen Cruella entwickelt. Um eine böse Person spielen zu können, geht sie davon aus, dass der Mensch dahinter eben nicht denkt, böse zu sein, sondern das Richtige zu tun. Diese Ambivalenz wird auch im Film deutlich und zeigt auf, welche Schicksalsschläge und Erfahrungen Estella dazu gebracht haben, zur Bösewichtin zu werden.