Eine Idee Liebe: Liebeskummer – Schlimmer als ein kalter Entzug?

Frau weinend auf der Couch

Die romantische Liebe ist zum zentralen Motiv unserer Paarbeziehungen geworden. Dass sie der Kitt zweier Menschenleben ist, ist dabei eine noch recht junge Erfindung. Seitdem hat sich viel getan. In dieser Kolumne beschäftigen sich unsere zwei Autorinnen Lena und Rahel mit dem Ursprung der romantischen Liebe. Wo kommt sie her, wo will sie hin? Ist die Liebe zwischen Swipe links und Swipe rechts nur noch ein Produkt der Liebesökonomie?

Liebeskummer. Alleine das Wort lässt mir einen Schauer über den Rücken laufen. Die Brust zieht sich zusammen, die Augen laufen über. Man fühlt sich verlassen und unverstanden. Ganze Bücher wurden über die verschmähte Liebe geschrieben und doch scheint sie häufig das ungreifbare Übel zu sein. In der heutigen Kolumne soll es genau um dieses Thema gehen. Was passiert eigentlich mit Körper und Geist, wenn man Liebeskummer hat? Wie heilt man ein gebrochenes Herz?

Wer schon einmal durch eine Trennung hindurchgegangen ist, der weiß, dass Liebeskummer ziemlich genau das Antidot zu den ersten Wochen einer Beziehung ist. Während die Welt des Verliebtseins rosa, leicht und wattig scheint, ist sie nach einer Trennung häufig schwarz, schwer und kalt. Am liebsten möchte man sich im Bett verstecken und nicht mehr aufstehen. Man ist der festen Überzeugung, dass man sich nie wieder verlieben wird und schwört sich, keinen Menschen mehr so nah an sich heranzulassen.

Mit Liebeskummer gehen wir alle unterschiedlich um. Die einen werden zum Häufchen Elend, die anderen flüchten sich in Partys und die dritte Gruppe schwört Rache und reaktiviert Tinder. Alles legitime Wege, solange man irgendwann wieder zu sich selbst zurückfindet. Aber was passiert da aus psychologischer Sicht eigentlich mit uns? Denn eins ist klar, wir selbst sind wir in diesen Phasen nicht. Häufig schauen wir noch Jahre später auf unsere verlassenen, wütenden, traurigen Vergangenheits-Ichs zurück und schämen uns in Grund und Boden.

Doch diese hormonelle Überreaktion hat einen Sinn.

Psychologie des Liebeskummers

Der Sex- und Beziehungstherapeut Mike Lousada aus London beschreibt die Problematik wie folgt: Unsere romantische und intime Beziehung ist der Ort, an dem wir am ehesten gesehen werden. Es ist der Ort, an dem wir uns verletzlich zeigen und sein können, wer wir wirklich sind. Diese Art von Beziehung hatten wir davor zuletzt zu unseren Eltern. Hier wurden wir wirklich gesehen, mit all unseren Bedürfnissen. Dementsprechend dockt der Liebeskummer auch an dieser frühen Entwicklungsphase an. Es ist wie verstoßen werden.

Und noch etwas lässt uns am Liebeskummer verzweifeln. Der Partner oder die Partnerin waren für uns lange Zeit nicht nur die engste Bezugsperson, sondern auch Anker und Kompass zu gleichen Teilen. Wir haben uns an ihm und durch ihn orientiert. Ist der Partner nun weg, verhalten wir uns wie ein Schiff auf offener See. Kurz gesagt: Wir wissen nicht mehr, wer wir alleine sind. Und wie schon große Philosophen wussten, der Mensch existiert nur in Beziehung. Wir sind Rudelwesen. Ist der Partner weg, greift dementsprechend der uralte Instinkt der Angst. Alleine sind wir ausgeliefert. Wer in der Steinzeit keine Sippe hatte, der wurde viel schneller vom Säbelzahntiger gefressen. Gut, jeder Prähistoriker würde mir für den Vergleich vielleicht auf die Finger schlagen, aber ihr wisst, wo ich damit hinwill. Wir brauchen Bezugspersonen und unser Partner ist nun mal die naheliegendste. Er ist wie ein Spiegel, in dem wir uns wiedererkennen. Ohne ihn müssen wir uns erst einmal wieder selbst finden. Uns in andere Muster einordnen, unseren Platz finden.

Dorfkind und Wunschgroßstädterin. Veganerin mit Vollmilchschokoladen-Problem. Indie-Fan mit Schlager-Playlist. Frühaufsteherin mit Nachtschwärmersyndrom. Pragmatikerin mit dem Kopf in den Wolken. Unterm Strich: Genauso verloren in meinem Lebensentwurf, wie es meiner Generation immer nachgesagt wird.