Jede:r Fünfte einsam: Warum ausgerechnet deine 20er die einsamste Lebensphase sind

Kennst du das Gefühl, mitten in einer vollen WG oder einem großen Freundeskreis trotzdem irgendwie allein zu sein? Laut einer aktuellen Erhebung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) gehörst du damit zu einem messbaren Muster, keine Ausnahme: 21 % der 21- bis 30-Jährigen fühlen sich stark einsam, deutlich mehr als die 14 % unter den 31- bis 54-Jährigen.

Warum ausgerechnet diese Lebensphase

BiB-Forscherin Dr. Pauline Kleinschlömer führt den Unterschied auf Struktur zurück, nicht auf Charakterschwäche. Die 20er sind eine Übergangsphase par excellence: Studienabschluss, erster Job, Wohnortwechsel, Beziehungen, die enden oder gerade erst beginnen. Wo ältere Jahrgänge oft schon gefestigte soziale Netzwerke haben, müssen junge Erwachsene ihre gerade erst neu aufbauen, während sie gleichzeitig mit dem klarkommen müssen, was Kleinschlömer „multiple Krisen“ nennt: Klimasorgen, Wohnungsnot, unsichere Jobperspektiven.

Einsamkeit ist kein Makel

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Alleinsein und Einsamkeit. Wer viel Zeit für sich hat, ist nicht automatisch einsam, und wer von vielen Menschen umgeben ist, kann es trotzdem sein. Eine Studie wie diese ist keine Aufforderung zur Selbstdiagnose. Sie erlaubt vor allem, das eigene Gefühl ernst zu nehmen, statt es wegzulächeln, weil doch eigentlich alles passen müsste. Wenn du das Gefühl kennst, mitten unter Menschen trotzdem allein zu sein, bist du damit übrigens nicht der oder die Einzige: Auch digitale Einsamkeit beschreibt genau dieses Paradox.

Falls dich das Thema gerade sehr direkt betrifft: Die Nummer gegen Kummer (116 111, anonym und kostenlos) und die Telefonseelsorge (0800 111 0 111) sind rund um die Uhr erreichbar, egal ob es um eine akute Krise geht oder einfach ums Reden.

Foto von Padli Pradana: https://www.pexels.com/de-de/foto/silhouette-eines-mannes-der-auf-einem-hugel-unter-einem-bewolkten-himmel-steht-1059523/