Fütterer is(s)t anders: Können wir auf Fisch verzichten?

Roher Lachs vor der Zubereitung

Elina Fütterer ist Ökotrophologin, Yoga-Lehrerin und Surfer Girl. In ihrer Kolumne schreibt sie über die wichtigste Hauptsache der Welt: Essen. Genuss ist ein Muss – ohne dabei Gesundheit, Nachhaltigkeit und Ethik außer Acht zu lassen. Elina nimmt euch mit auf ihre kulinarische Reise. 

„Achja, du bist ja vegan. Fisch isst du aber, oder?“. Der Kumpel meiner Freundin lächelt mich an und reicht mir einen Teller mit Sushi. „Ähm nein, vegan bedeutet, dass man gar keine tierischen Produkte isst“, sage ich und schiebe den Teller vorsichtig zurück. Ich erinnere mich, dass ich nicht nur ziemlich verwirrt war von dieser Frage (Was an dem Wort vegan oder pflanzlich ist so schwer zu verstehen?), sondern danach auch einige hitzige Diskussion darüber aufkam, ob man Fisch so einfach vom Speiseplan streichen sollte.

Darum jetzt mal Butter bei die Fische: Brauchen wir – aus ernährungsphysiologischer Sicht – Fisch in unserer Ernährung oder nicht?

Ein bisschen Biochemie

Meerestiere und Fisch gelten häufig nicht nur als Luxusgut – ich sag nur Kaviar, Lachs oder Frutti di Mare –, sondern sie haben auch den Ruf, sehr gesund zu sein. Und das stimmt: Fisch, besonders fetter Seefisch, ist reich an bestimmten Fettsäuren, die für unsere Gesundheit unverzichtbar sind. Dazu gehören kurz- und langkettige Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Sie dienen nicht nur als Energieträger, sondern haben noch mehr auf dem Kasten: Sie sind an der Produktion von Hormonen, Proteinen und dem Aufbau der Zellmembranen beteiligt, sie wirken stark entzündungshemmend und regulierend auf Blutfettwerte wie Cholesterin. Die Symptome einer Unterversorgung bzw. eines Mangels sind vielfältig und unspezifisch: Zum Beispiel erhöhtes Durstgefühl, Schuppenbildung, brüchige Nägel, trockene Haut. Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren kann der Körper nicht selbst herstellen, darum müssen wir sie über die Nahrung aufnehmen.

Pflanzliche Nahrungsmittel wie Nüsse, Samen, Avocado oder Oliven enthalten ebenfalls Omega-3-Fettsäuren. Allerdings zumeist nur kurzkettige Varianten. Besonders zwei gesundheitsförderliche Fettsäuren fehlen ihnen: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DPA), die entzündungshemmend und gefäßerweiternd wirken.

Aber: Auch ohne Fisch kann die Versorgung mit den langkettigen Omega-3-Fettsäuren gewährleistet werden. Unser Körper ist nämlich ganz schön clever. Wir können aus der kurzkettigen Omega-3-Fettsäure Alphalinolensäure und der kurzkettigen Omega-6-Fettsäure Linolsäure nämlich weitere, semi-essenzielle Fettsäuren synthetisieren. Dazu zählen auch die Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DPA), die in Fisch enthalten sind.

Neben meinem Ökotrophologie-Studium und der Ausbildung zur Journalistin habe ich auch als Flugbegleiterin die Welt unsicher gemacht. Neugierig, abenteuerlustig und immer hungrig: Auf der Suche nach der perfekten Welle und der besten Açai-Bowl futterte ich mich schon durch mehr als 80 Länder.