Glücksspielforscher befürwortet niedrigere Einzahlungslimits in Online Casinos

Für deutsche Online Casinos gilt standardmäßig ein Einzahlungslimit von 1.000 Euro im Monat. Inzwischen ist es aber ein Leichtes, Höchstbeträge bis 30.000 Euro zur Einzahlung zu bringen. Glücksspielforscher sind verärgert und befürworten vielmehr niedrigere Limits, um Spieler auf angemessene Weise zu schützen.

1. Ist-Zustand: Einzahlungslimits bis 30.000 Euro möglich

In § 6c Absatz 1 Satz 2 des Glücksspielstaatsvertrags 2021 ist in deutsch-lizenzierten Casinos eigentlich ein Einzahlungslimit von 1.000 Euro festgelegt. Im Folgesatz wird Lizenznehmern jedoch angeboten, unter bestimmten Voraussetzungen höhere Einzahlungsbeträge zu akzeptieren. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) erlaubt daher höhere Einzahlungslimits von 10.000 Euro oder 30.000 Euro.

Um monatlich 10.000 Euro einzuzahlen, müssen Spieler ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nachweisen. Hierfür wird jährlich eine Schufa-G-Abfrage angefordert. Für ein Limit von 30.000 Euro muss der Spieler 21 Jahre oder älter sein. Zudem darf das Limit maximal 1 % der aktiven Spieler betreffen.

Casinos, die vom abweichenden Höchstbetrag Gebrauch machen, müssen das Spielverhalten der Spieler gesondert überwachen. Ergebnisse sind der Aufsichtsbehörde alle sechs Monate anonymisiert zu übermitteln, bei einem Limit von 30.000 Euro, sobald eine Gefährdung erkannt wird.

In der Casino.org Liste der Online Casinos sind zahllose Spieleseiten zu entdecken, die weniger neugierig sind und Spieler aus Deutschland akzeptieren. In ausländischen Casinos haben Spieler oft optionale Limits, die nach Belieben justiert oder wieder aufgehoben werden.

2. Wie leicht ist es, ein höheres Einzahlungslimit festzusetzen?

Höchstbeträge erfordern es nach Wortlaut der GGL, dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nachgewiesen wird. Hierfür genügt der GGL eine Schufa-G-Abfrage. Hierin sind persönliche Daten, Informationen zu abgeschlossenen Verträgen und zur Anzahl der Bankkonten enthalten. Zahlungsausfälle in der Vergangenheit oder eröffnete Insolvenzverfahren wirken sich laut Gesetz ebenfalls aufs Scoring aus.

    Allerdings liefert die Schufa-G-Auskunft keinerlei Einkommensnachweise. Ob ein Spieler monatlich Einzahlungen von 10.000 Euro oder 30.000 Euro leisten könnte, wird mit der Abfrage nicht geklärt. Steuerbescheide und andere Nachweise sind wesentlich besser geeignet. Wegen der Sensibilität solcher Daten wird die Schufa-Abfrage aber verständlicherweise häufiger eingesetzt.

    3. Forscher sieht präventiven Spielerschutz gefährdet

    Dr. Tobias Hayer, der sich als Diplom-Psychologe seit 2021 intensiv mit Glücksspielforschung beschäftigt, hält die Schufa-Auskunft für unzureichend. Das Oberverwaltungsgericht des Landes Sachsen-Anhalt pflichtet Hayer bei, und auch Staatsrechtler regen an, die Vorgehensweise verfassungsrechtlich prüfen zu lassen.

    Spieler ohne Vermögenswerte und mit mäßigem Einkommen könnten ohne Schwierigkeiten ein Einzahlungslimit von 10.000 Euro erlangen. Dies widerspricht dem Spielerschutz, der eigentlich nach § 1 des Glücksspielstaatsvertrags eines der Hauptziele darstellt.

    Spieler haben bereits erfolgreich Klagen gegen Online Casinos eingereicht, die sich lediglich mit einer Schufa-Auskunft begnügt haben. Betreiber müssen Verluste, die über dem monatlichen Einzahlungslimit liegen, demnach erstatten, wenn bloß die Schufa angefragt wird.

    4. Einzahlungslimit von 300 Euro im Monat zielführender?

    Anstatt die Schufa-G-Auskunft infrage zu stellen, geht Hayer einen Schritt weiter. Nach seiner Ansicht müsse man das Einzahlungslimit auf 300 Euro senken, um Spieler ernsthaft schützen zu können. Für Personen mit geringem Einkommen sind schon Höchstbeträge von monatlich 1.000 Euro eine Überlastung.

    Wenn die Schufa-Abfrage allerdings als ungenügend gilt, müssten Spieler für Einzahlungen über 300 Euro Kontoauszüge und Steuerbescheide vorlegen. Dies scheint ein wenig sinnvoller Ansatz, um die Attraktivität legaler Spielangebote zu erhöhen. Denn auch hierauf hat die Gemeinsame Glücksspielbehörde achtzugeben: Unerlaubte Glücksspiele sind zurückzudrängen, indem den Spielern ordnungsgemäß regulierte Casinos als Alternative aufgezeigt werden.5.

    5. GGL will Einzahlungslimit vorerst nicht absenken

    Obwohl die Medienberichte die GGL scharf kritisieren und sogar von geheimen Vereinbarungen sprechen, scheint die Aufsichtsbehörde an der bisherigen Praxis festhalten zu wollen. Man sorge sich darum, dass Spieler auf illegitime Spieleseiten ausweichen und so der Schwarzmarkt Zulauf erhalte.

    Offensichtlich liegt hier ein Zielkonflikt vor: Auf der einen Seite ist die Glücksspielbehörde dem Spielerschutz verpflichtet. Zum anderen will man das heimische Spielangebot nicht unattraktiv gestalten. Hinzu kommt, dass sich die Länder von der Legalisierung des Online-Glücksspiels Steuereinnahmen erhofft haben – die steigen, je mehr zahlungskräftige Spieler sich in GGL-lizenzierten Spielstätten bewegen.

    Dass die GGL das Einzahlungslimit von regulär 1.000 € pro Monat de facto außer Kraft setzt, ist mindestens fragwürdig. Auch der Regulierungsbehörde muss einleuchten, wie unwirksam die Schufa-Abfrage ist, um die finanzielle Situation eines Spielers angemessen zu erfassen. Aufgrund der sich widersprechenden Hauptziele scheint man den Spielerschutz aber nun bewusst aufzuweichen.

    Anstelle der Einzahlungslimits könnte die GGL anstreben, Regelungen wie den Panik-Button abzuschaffen, von dem Spieler oft genervt sind. Tischspiele und Jackpots zu erlauben, wäre ein weiterer Schritt, um die Akzeptanz legaler Online Casinos zu erhöhen. Auch die Besteuerung von 5,3 % sollte man auf den Prüfstand stellen, weil vor allem die niedrige Auszahlungsrate in GGL Casinos Spieler ins Ausland drängt.

    6. Höhere Einzahlungslimits kaum sinnvoll einsetzbar

    Trotz abweichender Höchstbeträge bleiben andere Maßnahmen zum Spielerschutz unberührt. So beträgt das Einsatzlimit an Spielautomaten nach wie vor 1 Euro pro Drehung, und auch die 5-Sekunden-Regel bleibt in Kraft. Lediglich beim Online-Pokern und bei Sportwetten lässt sich die Einzahlungssumme zum Einsatz bringen, um hoch dotierte Turniere zu spielen oder haufenweise Tippscheine auszufüllen.

    Dies erklärt, warum das Instrument der Schufa-G-Abfrage anstelle von Einkommensnachweisen eingeführt wurde, nachdem Wettanbieter 2022 gegen die zu schwierigen Vorgaben geklagt hatten. Für Sportwetten ist ein angehobenes Einzahlungslimit brauchbar, für Video-Slots nahezu nutzlos. Diese Ungleichbehandlung zwischen den Spielangeboten ist kritisch zu beurteilen.

    7. Fazit: Spielerschutz erfordert eigenverantwortliches Handeln

    Obwohl die GGL vordergründig für Spielerschutz einsteht, wird das bestehende Einzahlungslimit mit der Schufa-G-Abfrage ad absurdum geführt. Aus diesem Grund ist es bei problematischen Spielgewohnheiten umso wichtiger, eigenverantwortlich vorzugehen. In deutsch-lizenzierten Casinos lassen sich strengere Limits verankern. Wer zu Impulsivität neigt, sollte die angebotenen Tools nutzen, um verantwortungsvoll zu spielen.

    Foto von Javon Swaby: https://www.pexels.com/de-de/foto/leute-die-poker-spielen-3279691/