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Jacqueline, 28, möchte katholische Priesterin werden

Sie ist 28, verheiratet und möchte katholische Priesterin werden. Jacqueline kämpft für ihr Ziel und so für die Geschlechter-Gleichstellung in der Kirche.

Das Zölibat ist eine gewaltige Hürde. Was genau stört Sie noch an der katholischen Kirche, wie sie heute ist?

Oftmals werden Menschen ausgegrenzt, die eigentlich im Mittelpunkt unserer Kirche stehen und in den Arm genommen werden sollten. Ich finde es schlimm, dass wiederverheiratete Geschiedene die Kommunion nicht empfangen dürfen. Außerdem kritisiere ich den Umgang mit Homosexuellen. In vielen Gesellschaften werden diese Menschen immer noch diskriminiert und benachteiligt. Warum kann sich nicht gerade die Kirche schützend hinter sie stellen? Jesus hat immer den Mensch in den Mittelpunkt gestellt und das ist in der Kirche heute leider oftmals nicht mehr der Fall. Ich kenne aber zum Glück viele Seelsorger und Seelsorgerinnen, die den Menschen im Blick haben und sich für diesen stark machen.

Gerade in Sachen Homosexualität hat sich glücklicherweise viel getan und viele, vor allem junge Menschen, gehen dafür auf die Straße. Jesus sagt: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.“ Dann kommt Papst Franziskus und meint bei einer Pressekonferenz im August, man solle sein Kind zum Psychiater schicken, wenn man homosexuelle Neigungen feststelle. Wie geht das zusammen?

Das geht überhaupt nicht zusammen. Ich finde, dass Papst Franziskus ein guter Papst ist. Er versucht die Strukturen aufzubrechen und macht etwas, anstatt nur viel zu reden. Das finde ich zwar wirklich toll, aber diese Aussage hat mich auch schockiert. Ich habe danach auch ganz viele E-Mails von jungen Menschen bekommen, die gesagt haben: „Was läuft in der Kirche im Moment? Spinnen die da oben oder was?“ Ich habe gemerkt, dass der Papst wohl immer noch dieses Bild hat, dass Homosexualität eine Krankheit ist, die man heilen kann. Man könne einen Menschen umpolen, wenn er noch jung genug ist. Das ist teilweise in Kirche und Gesellschaft tatsächlich passiert und hat zu vielen Suiziden geführt. Jesus hat den Menschen so angenommen, wie er ist und hat nicht versucht ihn existenziell umzupolen.

Vermutlich war diese kontroverse Aussage auch deshalb so schwierig, weil es davor auch ansatzweise positive Aussagen des Papstes gab. Damals wurden große Hoffnungen in diese Liberalität gesteckt. Ist diese Diskussion auch eine der Gründe, warum Sie sich in Ihrem aktuellen Buch „Kickt die Kirche aus dem Koma“ hauptsächlich an die jüngere Generation wenden?

Das Buch soll für Alt und Jung sein. Zum einen soll es die Jungen motivieren, dabei zu bleiben und die Älteren sollen verstehen, dass junge Leute eben einfach anders funktionieren und andere Ideen von und Wünsche an die Kirche haben.

Warum würden Sie sagen, lohnt es sich für junge Leute, der katholischen Kirche treu zu bleiben?

Die katholische Kirche ist sehr vielfältig, aus dem Christentum sind tolle Sachen entstanden, wie etwa Krankenhäuser oder unser heutiges Sozialsystem. Außerdem hat die Kirche auch vor Ort viel Gutes zu bieten: Freundschaften, Gemeinschaft, Spaß, Freude und natürlich den Glauben, den ich allerdings unter die Kategorie Freude zählen würde.

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