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Gender-Portraits: „Nur weil du einen Penis hast, macht dich das nicht zu einem Mann“

„Gender as a Spectrum“ zeigt faszinierende Bilder von Menschen mit unterschiedlichen geschlechtlichen Identitäten.

Was macht eine Frau zu einer Frau? Einen Mann zu einem Mann? Diese Fragen stellt sich der in Berlin lebende Fotograf Joseph Wolfgang Ohlert in seinem Buch Gender as a Spectrum. Zwei Jahre lang hat der Künstler für seine Abschlussarbeit im Rahmen eines Fotografiestudiums Transgender auf der ganzen Welt abgelichtet. Sie alle erzählen im Buch ihre unterschiedlichsten Geschichten. Geschichten, mit denen Ohlert Gesellschaftsnormen und Geschlechterrollen auflockern will. Seinen Fokus legt er deshalb auf den Mensch selbst, nicht auf dessen Repräsentanz einer Geschlechterkategorie.

Den Anfang für das Projekt hat Transfrau und Schirmherrin Kaey gemacht, die selbst tief verwurzelt ist, in der LGBTQIA-Community Berlins. LGBTQIA ist eine Abkürzung aus: Lesbian – Gay – Bisexual – Transquender – Queer – Intersex – Asexual – Ally. Das Buch dokumentiert solche Persönlichkeiten, die sich nicht in das typische gesellschaftliche Schubladendenken von Mann und Frau einordnen lassen. Es zeigt Menschen, die sich irgendwo dazwischen befinden und ihre ganz eigene Position im Gendersprektrum einnehmen. Der Fotograf bemerkte vor allem die Offenheit, mit der die Fotomodelle ihm begegnet sind, wie er in seinem Crowdfundingaufruf, erklärt: „Wie frei und selbstbestimmt die Portraitierten mit ihrem Körper und ihrem Leben umgegangen sind, hat mich im Laufe des Projekts immer wieder nachhaltig beeindruckt“.

Niemand ist zu 100 Prozent Mann oder Frau. Das gibt es nicht.

„Im Kindergartenalter wollte ich eigentlich gerne ein Mädchen sein. Ich hab Ohrringe getragen und mich gerne als kleine Prinzessin gefühlt“, berichtet er gegenüber der i-D. Heute bezeichnet sich Joseph selbst als homosexueller Cis-Mann, der sagt: „Niemand ist zu 100 Prozent Mann oder Frau. Das gibt es nicht“. Vielmehr sei es wie in der Liebe. Man versucht zu analysieren, zu verstehen und doch scheitert man am Ende, steht vor unlösbaren Rätseln. „Es wird so viel über die Liebe geschrieben oder gesprochen, aber am Ende verstehen wir sie immer noch nicht“. Mit der eigenen geschlechtlichen Identität sei es nicht anders, jeder müsse für sich selbst herausfinden, was richtig ist, so der Fotograf gegenüber ZEITjUNG.de. Das Leben besteht eben aus Grauzonen, Schwarz-Weiß-Antworten gibt es dort selten.

Den Anspruch Aufklärungsbuch zu sein, und die Frage nach Gender-Identität zu beantworten, hat der Fotograf deshalb nicht: „Ich versuche Leuten näher zu bringen, wie sie sich selber sehen und andere verstehen und sehen sollen. Gender Idendity geht jeden etwas an. Gender ist individuell und man kann sie nicht in binäre Gesellschaftsstrukturen von schlicht Mann und Frau teilen“, erzählt er ZEITjUNG.de. Eine Antwort auf die Frage, was eine Frau zur Frau und einen Mann zum Mann macht, hat Joseph, wie er uns gegenüber berichtet, übrigens nicht gefunden. „Nur weil du einen Penis hast, macht dich das nicht zu einem Mann. Ok, aber was macht dich zum Mann? Eben nichts. Nichts kann dich zum Mann oder zur Frau machen, weil es diese Begriffe im weiteren Sinn nicht gibt. Du entscheidest, wer du bist, nicht deine Titten und nicht dein Schwanz“.

Weitere Werke des Jungfotografen findest du auf seiner Webseite, sowie auf Facebook und Instagram.

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