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Künstler, die wir lieben: Rodney Smith – nie hat uns Analog-Fotografie so verzaubert

Der New Yorker Fotograf Rodney Smith war vielleicht einer der bedeutensten Fotografen aller Zeiten. Nicht ohne Grund: Seine Fotos verzaubern.

Die Fotografien von Rodney Smith verzaubern. Wieso, kann man gar nicht so richtig beschreiben. Wir sehen keine besonders verrückten Dinge, keine extrem schönen Landschaften, keine außergewöhnlich aussehenden Menschen. Und trotzdem bekommen wir beim Betrachten ein wohliges Gefühl, ein Lächeln auf den Lippen, und sind augenblicklich verliebt. Ist es der subtile Witz? Der spezielle Moment, der zufällig eingefangen zu sein scheint? Oder die schwarz-weiße Romantik, die uns träumen lässt?

Während wir heute über jedes mühelos geschossene Foto schnell einen Filter klatschen, hat Rodney nie etwas im Nachhinein verändert. Die Arbeit fand vorm Abdrücken statt. Dass es da ein verdammt gutes und perfektionistisches Auge braucht, ist klar. So viel Talent, Gespür für Harmonie, Humor und Intuition finden wir selten vereint in Fotografien. Vielleicht fühlen wir uns auch deshalb so gut beim Anschauen.

Leider ist Rodney Smith im Dezember 2016 in seiner Heimat New York City verstorben. Doch sein Werke sind es wert, verbreitet zu werden. ZEITjUNG hatte die tolle Möglichkeit, seiner Frau Leslie Smolan ein paar Fragen zu stellen.

 

ZEITjUNG: Was ist das besondere an Rodney Smith’s Fotografie?

Leslie Smolan: Rodney’s Fotografie vereint Porträtkunst und Landschaften, um verzauberte Welten voll von subtilen Widersprüchen und Überraschungen zu kreieren. Seine Fotos sind unretuschiert und traumähnlich, nur mit Film und Licht erzeugt. Ihm war es sehr wichtig, seine Vision von der Welt durch Humor, Optimismus und Anmut mitzuteilen. Er sagte einmal: „Ich denke, meine Fotos tragen dich zu einem Ort, der vielleicht nicht existiert, aber mit ein bisschen Bemühen existieren könnte. Wenn wir alles sein könnten, was wir wollen, wenn wir fähig dazu wären, die beste Version unserer selbst zu sein, wären all meine Bilder möglich.“

 

Wieso sind die meisten Fotos schwarz-weiß?

Seine Leidenschaft für Klarheit ist erkennbar in seiner Weise, Bilder zu sehen und seine Kamera zu benutzen. Er hatte den Drang, seine Fotos so scharf wie möglich zu machen, um so mehr darzustellen als sowieso schon offensichtlich ist im Leben. Schwarz-Weiß-Filme ermöglichten ihm das. Auf diese Weise erschuf er seine Welt, machte sie schärfer und klarer, brachte Ordnung ins Chaos und Schönheit in Hässlichkeit

 

Stimmt es, dass Rodney im Nachhinein nie etwas an seinen Fotos bearbeitet hat? Und falls ja, wieso?

Rodney manipulierte seine Fotos nie hinterher. Er musste es nicht. Alles, was man sieht, wurde mit der Kamera gemacht. Er erklärte immer, erst würde er den Ort finden und dann würde alles andere folgen. Er sah etwas, das ihn begeisterte, und wenn es nur ein bestimmtes Licht oder ein Raum war. Er ging näher heran oder weiter weg, um eine Harmonie zwischen ihm und dem Foto herzustellen. Wenn man ihn dabei beobachtet, sah man ihn sich bewegen bis er plötzlich stoppte, weil er den richtigen Punkt gefunden hatte. Er folgte keinem intellektuellen Konzept, sondern einem emotionalen. Er hätte nie den Auslöser gedrückt, wenn das Bild nicht etwas gewesen wäre, was er einfangen hätte wollen.

 

Hatte Rodney ein Lieblingsfoto? Und welches ist Ihres?

Rodney hatte kein Lieblingsfoto. Im Gegenteil, er war oft verzweifelt, dass seine Fotos nicht gut oder scharf genug waren. Er liebte den Prozess des Fotografierens, die Intensität des Moments und der Erfahrung. Er sagte: „Fotografie ist meine Antwort an die Welt, nicht eine Reflektion ihrer.“

Und ich liebe sie alle. Es ist ein großes Privileg, jeden Morgen umgeben von Humor und Schönheit aufzuwachen. Wenn ich mich entscheiden müsste, wäre es die Frau in der Hecke.

Fotografie Schwarz Weiß Flugzeug Rodney Smith
Fotografie Schwarz Weiß Mauer Rodney Smith

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