Leon Windscheid: Über den Umgang mit der Angst

Leon Windscheid lacht

2015 sahnte Leon Windscheid als 14. Kandidat überhaupt den Hauptgewinn in Günther Jauchs Kultsendung „Wer wird Millionär“ ab. Sechs Jahre später ist der inzwischen 32-Jährige etablierter Spiegel-Bestsellerautor und macht unter anderem Podcasts mit Atze Schröder. Im Interview erzählt Leon uns mehr über sein neues Buch „BESSER FÜHLEN“ und verrät, wie er seine Angst vor Vorträgen in den Griff bekommen hat.  

In deinem Buch „BESSER FÜHLEN*“ geht es im Kern darum, Emotionen zu verstehen und sie anzunehmen. Warum ausgerechnet das Thema?

Wir leben in einer sehr digitalen und maschinenbetriebenen Welt, die wir selbst erschaffen haben. Dabei übersehen wir, was uns als Menschen wirklich ausmacht. In der Begeisterung für unseren IQ, unsere Intelligenz, kann ich nachvollziehen, dass wir versuchen, immer schlauere und smartere Maschinen zu bauen. In dem Moment, in dem wir aber mit künstlichen Intelligenzen arbeiten, überholen wir uns im Grunde selber. Diese Maschinen machen keinen Fehler. Sie können Datenmengen verarbeiten, bei denen uns die Ohren schlackern. Dadurch entsteht ein unglaublicher Druck, weil die Menschen eben doch versuchen mitzuhalten. Man will keine Fehler machen und um keinen Preis eine Schwäche zeigen. Das empfinde ich als sehr unmenschlich. Ich glaube, dass unsere Zukunft in einem neuen Verständnis von uns liegen muss – nämlich müssen wir uns als fühlende Menschen betrachten und anerkennen, dass das Emotionale, das häufig als unsere Schwäche angesehen wird, unsere größte Stärke ist.

Es gibt inzwischen Maschinen, die Brustkrebs besser erkennen als erfahrene Ärzte, aber der Tag, an dem eine Maschine das Mitgefühl mitbringt, eine solche Diagnose menschlich zu übermitteln, wird nicht kommen.

Unter anderem ist auch das Gefühl „Angst“ ein Thema. Du leitest mit einem Zitat von Montaigne ein: „Wovor ich Angst habe, ist die Angst.“ Was steckt dahinter?

Angst ist ein Gefühl, das ganz viele Menschen fürchten. Wenn man mit Leuten spricht, dann kommt ganz oft: Ich hätte gerne ein Leben ohne Angst. Ich wäre gerne mutiger. Man sagt uns, dass die Angst ein böses, schwarzes Monster ist, das keiner haben will. Das Problem dabei ist, dass wir verkennen, dass die Angst auch ein unglaublich wichtiges und hilfreiches Gefühl sein kann. Wir müssen genauer hingucken – bei allen Gefühlen, aber gerade auch der Angst.

2015 bis 2017 promovierte Leon Windscheid an der Universität Witten/Herdecke im Bereich Psychologie.

Fußballfan mit musikalischer Dauerbeschallung, wenn nicht gerade selbst am Klavier oder der Gitarre. Eigentlich ein geselliger Typ, der aktuell aber auch seine Liebe für Bücher und exzessiven Netflix-Konsum entdeckt.