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Warum Liebe nicht mehr sein muss als sie ist

Warum nehmen wir uns nicht die Freiheit, Liebe komplett ohne höheren Sinn zu konsumieren?

Der Sinn des Lebens, immer ist es der Sinn des Lebens, den wir suchen. Nicht die zwei Euro, die eben noch auf dem Tisch lagen oder den billigsten Wein, der am teuersten schmeckt oder einfach Nähe – nein. Wenn sie Gewicht haben sollen, muss am Ende unserer Sätze und Tage schon etwas Besseres stehen, etwas Schwereres, am besten: ein rustikaler, ein massiver Sinn. Zwangsläufig hatte also auch irgendwer, irgendwo, irgendwann diesen Geistesblitz, der Sinn unseres Lebens könne doch die Liebe sein.

War es Jesus? Waren es die Beatles? Das soll an dieser Stelle keine Rolle spielen. Was eine Rolle spielen soll, ist all das, was Liebe nicht ist. Zum Beispiel: der Sinn unseres Lebens. Während die meisten von uns sexuell schon modern bis postmodern denken, verstecken sich beim Thema Liebe nämlich noch erstaunlich viele hinter den romantisch-vergilbten Schleiern des 19. Jahrhunderts. Und das ist wirklich schade. Speziell für die Liebe.

 

Keine Liebe, kein Thema

 

Denn mit so hohen Erwartungen beladen, kann auch das erfolgreichste gesellschaftliche Konzept dem Druck irgendwann nicht mehr Stand halten. Sieht man den Sinn unseres Lebens in der Liebe, stellt sich bald die Frage nach der weiteren Vorgehensweise bei einem Leben, lasst es mich knapp formulieren, ohne. Alles beenden, wie Goethes „Werther“, wie Shakespeares „Julia“? Immer möglichst schnell die nächste Liebe suchen, wie dieser eine Golden Retriever aus unserem Freundeskreis? Oder für immer an der festhalten, die eigentlich gar keine mehr ist, nur um wenigstens den Schein des Sinns aufrecht zu erhalten – wie in jeder zweiten Ehe?

Die Möglichkeiten sind so schrecklich begrenzt, wenn man sich festlegt… Besonders bei der Liebe und dem Sinn. Warum nehmen wir uns also nicht die Freiheit, Liebe komplett ohne höheren Sinn zu konsumieren? Dass wir sie ohne viel mehr als vielleicht einen biologischen Hintergedanken produzieren ist immerhin schon allgemein bekannt. Wir können es doch Liebe nennen, ohne es eingerahmt auf einen massiven, rustikalen Altar zu stellen?! Wir können doch ehrlich sagen, was wir damit meinen: jemanden, der uns das Gefühl gibt, wir seien wichtiger als wir eigentlich sind – sinnvoller. Jemanden, der uns berührt – einfach weil sich das gut anfühlt. Jemanden, der uns einen weiteren Anhaltspunkt gibt im Leben – solange wir den eben brauchen.

 

Sinnlose Liebe ist ehrliche Lebensfreude

 

Warum muss Liebe immer das Atom sein, aus dem alles Andere gemacht ist? Warum muss Liebe überhaupt immer noch irgendetwas sein, außer dem, was sie gerade ist? Selbstverständlich, erzählen uns Krimiautoren, Fernsehpsychologen und ähnliche Poeten, sei zu wenig Liebe die Ursache des Bösen. Oder war es zu viel? Oder war es vielleicht etwas ganz anderes?! Vielleicht macht Liebe gar nicht so viel aus, wie wir aus ihr machen. Möglicherweise suchen wir gar nicht an den richtigen Orten, wenn wir die Ursachen immer nur bei der Liebe suchen, den Sinn immer nur in der Liebe, in der Liebe immer einen Sinn.

Es ist ja auch wirklich nicht so als müssten wir uns vor den Sinnlosigkeiten des Lebens noch immer einen scheißen. Sind sie einmal akzeptiert, lebt es sich extrem entspannt. Wahrscheinlich ist sogar das Sterben entspannter. Das Lieben ist es auf jeden Fall: Der Wert des Moments nimmt zu, während der Wert aller Regeln und Normen abnimmt. Zu Lieben, ohne dem noch eine größenwahnsinnige Bedeutung beizumessen, hat nichts mit Enttäuschung oder Egoismus zu tun, sondern mit ehrlicher Lebensfreude. Und anstatt auch diese wieder sinnvoller machen zu wollen als sie es tatsächlich ist, sollten wir ihr lieber einen dieser dauerhaft unterrepräsentierten Partyhüte aufsetzten und durchfeiern.

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