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Liebeserklärung an: The Police

Eure ersten beiden Alben sind wie das Lieblingspaar Sneakers. Man fühlt sich wohl in diesen Schuhen – so wohl, dass man sich für nichts zu schade ist, vor keinem Experiment zurückscheut.

Es sind die kleinen Dinge, die uns unseren tristen Alltag versüßen und das Leben ein bisschen besser machen. Ob es hübsche Gänseblümchen sind, die am Straßenrand wachsen oder eine Kugel deiner liebsten Eissorte – wir alle haben kleine Muntermacher in unserem Alltag, über die wir nur selten ein Wort verlieren. Das soll sich jetzt ändern! Wir bieten euch eine Liebeserklärung an die kleinen Dinge, die uns in stressigen Situationen retten, an schleppenden Tagen motivieren oder uns die guten Tage versüßen!

Liebes The Police,

erfolgreiche Bands zeichnet es oft aus, dass ihr Wirken aus mehreren „Phasen“ besteht. Euer Output war damals in so kurzer Zeit so enorm, dass eure Phasen ganz schnell aufeinander folgten. Euer Album „Reggatta de Blanc“, das dieses Jahr 40-jähriges Jubiläum feiert, war damals so etwas wie der Abschluss der ersten Phase: das junge und unzähmbare The Police. Und besser hätte man eure Zeit von Sturm und Drang kaum abschließen können.

Genau euer Ding: Post-Punk

Aber wie kann man eure Musik nun beschreiben? Um das zu verstehen, muss man sich vergegenwärtigen, wo die Musikwelt Ende der 1970er, als ihr auf der Bildfläche aufgetaucht seid, gerade stand. Genauso schnell, wie der Punk damals aufkam und gefeiert wurde, kühlte er auch wieder ab. Es bildete sich etwas heraus, das sich Post-Punk nannte. Anstatt ein inhaltsleeres „No Future“ zu propagieren, präsentierte sich der Post-Punk als etwas Avantgardistisches und Experimentierfreudiges. Vereinfacht ausgedrückt: Post-Punk trug immer noch diese unbändige Kraft des Punk in sich, vermischte dies aber mit Einflüssen anderer Genres, und mit Texten, die durchaus in die Tiefe gehen.

Messerstich-Riffs und einer der besten Drummer aller Zeiten

Genau hier tratet ihr auf den Plan. Eure ersten beiden Alben waren im Herzen Rock, den ihr aber mit einer experimentierfreudigen Glasur versaht. So entstand eine Musik, die mal nach „nervösem Reggae“ klang, mal nach New Wave, und sich auch nicht davor scheute, das offensichtliche Label „Pop“ zu tragen. Das alles dank des Gitarrenspiels eines Andy Summers, bei dem Riffs wie kleine Messerstiche in die Struktur des Songs hereinbrechen – bestens erkennbar in „Can’t Stand Losing You“ und „Roxanne“. Und, vor allem, dank der Künste eines der für mich besten Drummer aller Zeiten: Stewart Copeland. In der Regel sehr schnell, stakkatoartig und energisch, aber dennoch nie auf Kosten des Timings. Nicht verwunderlich, dass das Rolling Stone Magazine Copeland in die Top Ten der einhundert besten Drummer aller Zeiten gewählt hat.

Unbändig und wild, aber dennoch eine Einheit

Das letzte Album von euch, „Synchronicity“ von 1983, war exzellent produzierter Rock/Pop. Das war auf Hochglanz poliert, geschliffen wie ein Diamant im Schaufenster eines Juweliers. Das darauf enthaltene „Every Breath You Take“ war und ist ein Welthit, auf dem Sting schon seine erwachsene, rauchige Stimme besitzt.

Das ist natürlich keine schlechte Musik. Aber es ist eben etwas anderes, als das, was eure ersten beiden Alben auszeichnet. Nämlich dieser jugendliche Drang, diese Riffs und Drumschläge, die wild durch die Luft fliegen und fast schon magisch dennoch eine Einheit bilden. „Synchronicity“ ist wie ein nagelneues Paar Schuhe. Es glänzt, es riecht noch nach diesem „unbenutzt sein“. Eure ersten beiden Alben „Outlandos d’Amour“ und „Reggatta de Blanc“ sind dagegen wie das Lieblingspaar Sneakers, das man schon zwei Jahre trägt. Da klebt Rotz dran, Blut und Schweiß. Erinnerungen, gute wie schlechte. Man fühlt sich wohl in diesen Schuhen – so wohl, dass man sich für nichts zu schade ist, vor keinem Experiment zurückscheut. Diese Experimentierfreude beweist euer Frontmann Sting, der übrigens diesen Herbst in Europa unterwegs ist und dabei auch in Deutschland Halt macht, bis heute.

Space-Palmen und auf Sinnsuche mit einer Flaschenpost

Euer Mut schlug sich in einem Album wieder, das vor Kreativität überschäumt. Das Titelstück, das bei Jam Sessions entstand, erhielt einen Grammy als bestes Rock-Instrumental. „Walking on the Moon“ wiegt wie eine Space-Palme ganz entspannt hin und her, Reggae-Vibes sei Dank. „Bring on the Night“ beschwört akustisch einen Geist herauf, bei dem man wirklich glauben mag, nächtens über die eigene Zukunft zu philosophieren: „The future is but a question mark, hangs above my head there in the dark. Can’t see, for the brightness is staring me blind. God bid yesterday goodbye.“ Beim bekanntesten Stück der Platte, „Message in a Bottle“ ist es dann so, als wären wir alle auf merkwürdige Weise in unserer Suche nach einem Sinn vereint: „Walked out this morning, don’t believe what I saw. A hundred billion bottles washed up on the shore. Seems I’m not alone at being alone. A hundred billion castaways looking for a home.“

Wenn eure Musik eine Flaschenpost ist, The Police, dann bin ich froh, dass sie mich erreicht hat, ohne dass ich sie tatsächlich angefordert habe.

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Bildquelle: Derek Truninger via unsplash.com

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