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Louis Hofmann: „Alle wollen studieren, Künstler oder auf Social Media berühmt werden“

Im Interview beschreibt Schauspieler Louis Hofmann den enormen Leistungsdruck unserer Generation und erzählt von seinem neuen Film Prélude.

Das Abi ist in der Tasche und jetzt geht es los: Zuhause auszuziehen, die Freiheit genießen und mit voller Energie in ein neues Leben stürzen. Aber so ein Neuanfang ist eben nicht immer nur rosig: Am neuen Wohnort sind viele einsam, orientierungslos und verunsichert. So geht es auch dem jungen Pianisten David, gespielt von Louis Hofmann, in dem neuen Film Prélude (Kinostart am 29. August).

David ist ein Klavier-Virtuose und beginnt ein Studium an einem Musikkonservatorium. Dort muss er schnell feststellen, dass er lediglich ein Talent unter vielen ist und der Konkurrenzkampf unter den Studenten gnadenlos ist. Beim Versuch der Beste der Besten zu werden, geht David an seine Grenzen – und darüber hinaus.

Ein Film über das Wachsen und Erwachsenwerden

Prélude zeichnet ein Bild unserer Leistungsgesellschaft und zeigt schonungslos die verheerenden Folgen, die dieser haben kann, nicht nur aber gerade bei jungen Menschen. Im Interview mit ZEITjUNG bringt es der 22-jährige Schauspieler Louis Hofmann, den man aus Serien wie Dark und You are wanted kennt, auf den Punkt: Prélude ist ein Film für Menschen, die Leistungsdruck haben oder diesen kritisch sehen. Für Menschen, die Musik lieben oder abstoßend finden. Und für Menschen, die gerade erwachsen werden oder erwachsen sind.

 

ZEITjUNG: Hallo Louis, in Prélude spielst du einen jungen Pianisten – und das sehr authentisch. Spielst du denn selbst auch Klavier?

Louis Hofmann: Ich habe es für den Film gelernt. Die Regisseurin Sabrina Sarabis und ich wollten, dass das Klavierspiel möglichst echt aussieht, denn Filme in denen nur so getan wird und man das sieht, finden wir lächerlich.  Deswegen habe ich über zwei Jahre verteilt immer wieder bei Workshops mitgemacht und drei Monate vor dem ersten Dreh war intensive Vorbereitung angesagt: Vier bis fünf Tage die Woche hatte ich zwei Stunden Unterricht pro Tag und habe anschließend alleine weitergeübt.

Boah, ganz schön aufwendig.  

Ja, aber wirklich. Vor allem weil ich keine Noten lesen kann. Ich habe die Hände meines Klavierlehrers abgefilmt und versucht seine Bewegungen nachzuspielen. Das war am Anfang sehr frustrierend, aber nach ein paar Wochen habe ich langsam ein Gefühl für das Instrument bekommen und so auch die Figur von David besser verstanden. Das war zwar nicht geplant, aber mithilfe des Klavierspielens konnte ich mich besser ihn in einfühlen.

Empfindest du es als Freude oder Belastung für eine neue Rolle eine neue Fähigkeit zu lernen?

Das ist super! Und ich werde es immer wieder machen und möchte immer Neues lernen. Ist doch voll cool, dass ich jetzt ein bisschen Klavierspielen kann und klassische Musik besser kennenlernen durfte.

Und jetzt hörst du nur noch Klassik oder wie?

Nein, mein Geschmack ist ein anderer. Am liebsten höre ich Indie-Rock und Alternative, manchmal auch Soul und Hip-Hop.

Und beim Feiern?

Ganz klar: Techno.

 

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Im Film hat das Musik-Talent David große Mühe dem Druck seines Studiums standzuhalten. Was belastet ihn genau?

Er ist ein Künstler und die haben oft eine Faszination für Traurigkeit – so ist das auch bei David. Als er dann zusätzlich immer stärkerem Druck ausgesetzt wird, zerbricht er.

Was denkst du: Ist der enorme Leistungsdruck derzeit die größte Herausforderung für unsere Generation?

Ich denke ja, aber auch weil sie sich den Druck selbst machen. Alle wollen studieren, Künstler oder auf Social Media berühmt werden. Alles andere zählt nicht. Wer einfach eine Ausbildung macht, statt die akademische Laufbahn einzuschlagen, wird schief angeschaut. Das ist völlig bescheuert.

Beobachtest du das auch in deinem Freundes- und Bekanntenkreis?

Ja, definitiv. Die meisten wollen möglichst schnell anfangen zu studieren, auch wenn sie gar nicht wissen, welches Fach sie wirklich interessiert. Hauptsache direkt anfangen. Was sie vergessen: Das lässt nicht mehr zu, dass man aus einer eigenen Motivation heraus handelt. Man erfüllt einfach nur noch was von einem erwartet wird und verstellt sich dabei.

Und für Pausen und Auszeiten ist auch kein Platz mehr.

Ganz genau. Ich kenne das auch: Auf Partys von Filmfesten muss man sich sofort rechtfertigen, wenn man erzählt, dass man gerade nichts macht. Alle denken, nur wenn man ganz viel arbeitet, geht es einem gut. Der Begriff busy wird gerade in der Filmbranche total glorifiziert. Busy sein ist sexy.

Findest du das auch?

Busy sein kann total toll sein, aber eben nicht die ganze Zeit. Wenn mich eine Rolle voll einnimmt, dann finde ich das zwar scheiße, aber auch ein bisschen geil. Wichtig ist nur, dass man einen Ausgleich hat.

Und den holst du dir wie?

Ich mache Sachen, die keinen bewertbaren Output haben.

Prélude ist ein Coming of Age-Film und handelt vom Erwachsenwerden. Wie definierst du Erwachsensein?

Ich dachte früher, dass sich Erwachsene immer sicher sind. Sie sind die, die gefragt werden und nicht mehr selbst Fragen stellen. Aber dann wird man 18, 20 und dann 22 Jahre alt und merkt, dass das nicht stimmt. Sicher wird man nie.  

Wie viele 22-Jährige wohnst auch du in einer WG. Welche Eigenschaft von dir nervt deine Mitbewohner am meisten?

Ich stelle ständig meine Sachen in die Spüle, statt sie direkt in die Spülmaschine zu räumen.

Und was schätzen sie an dir?

Da müssen wir meine Mitbewohner fragen, aber ich denke, dass sie es mögen, dass ich mich stundenlang mit ihnen unterhalte und mich immer erkundige, wie es ihnen gerade geht.

Ganz anders als die Figur David, der ein sehr leiser, introvertierter Charakter ist.

Wir sind sehr unterschiedlich. Anders als David rede ich gerne und viel. Auch über meine Probleme, was David nie tut. Was wir hingegen gemeinsam haben, sind große Ambitionen und ein starker Ehrgeiz.

Neben dem Studium ist im Film auch die Beziehung zwischen David und der Gesangsstudentin Marie ein wichtiger Handlungsstrang. Aber ihre Liebe bleibt vage. Ich war mir nie sicher, ob sie ein Paar oder friends with benefits sind. Ist diese lose Beziehung auch typisch für unsere Generation?

Ja, aber nur in Teilen. Wir haben inzwischen nicht mehr das Idealbild von einem verheirateten Paar, dass sich nie wieder trennt. Es gibt viel mehr Möglichkeiten und deshalb wollen sich viele nicht mehr festlegen, darunter leiden auch Beziehungen. Aber ich denke auch, dass es das schon immer gab: Es gibt Menschen, die sich voll auf etwas einlassen und andere können oder wollen das nicht – das war schon immer so und ist kein Phänomen unserer Generation.

 

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Bildquelle: PRÉLUDE im X VERLEIH. Kinostart: 29. August 2019

 

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