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Stellungswechsel: Darauf solltest du achten, wenn du Pornos schaust!

Pornos gucken, ohne sich danach schuldig zu fühlen? Aber klar doch!

Sex und Feminismus, das passt nicht zusammen? Doch, wie unsere Kolumne „Stellungswechsel“ beweist. Nadine Kroll befasst sich mit den Fragen, die junge Menschen und speziell Frauen, die gerade ihre Sexualität entdecken, ganz besonders beschäftigen. Es geht um gesellschaftlichen Wandel, Selbstbestimmtheit, neugewonnene Freiheiten, Frauenrechte und natürlich ums Ficken, kurz: um sexpositiven Feminismus und darum, dass sich niemand für seinen Körper oder seine Vorlieben schämen muss.

Egal wie auf- und abgeklärt wir sind, wir alle kennen das Gefühl, uns nach dem Konsum von Online-Pornografie irgendwie schuldig zu fühlen. In dem Moment, wo das Gefühl des Orgasmus abflaut, sind wir nicht nur mega abgeturnt von dem Filmchen, das uns noch Sekunden vorher Lust bereitet hat, wir finden uns auch irgendwie eklig. Vielleicht nicht immer, aber oft genug. Dieses Mädchen, das dort gleich von mehreren gesichtslosen Männern penetriert wird, ist immerhin jemandes Tochter (Schwester, Mutter, Freundin). 

Auch Darsteller*innen brauchen Geld zum Leben

Ob sie das wirklich freiwillig macht? Vielleicht hat auch jemand ihr Handy gehackt und den Clip von ihr beim Masturbieren ohne ihr Wissen auf eine der endlosen Pornoseiten im Internet geladen? Können wir wirklich wissen, ob die Darsteller*innen unserer liebsten Erotikfilme das, was sie tun auch gerne und ohne Zwang ausüben? Vor allem dann, wenn wir ihre Kunst kostenlos konsumieren, ohne wie früher in der Ü18-Abteilung der Videothek wenigstens ein paar Mark dafür zu bezahlen?

Fakt ist: Wir können es nicht. Es gibt aber durchaus Möglichkeiten, unseren Pornografie-Konsum ethischer zu gestalten, vor allem in Hinblick auf die Sexarbeiter*innen, die ihren Job gerne und voller Hingabe machen. In erster Linie bedeutet das, dass wir wieder anfangen, für Pornos zu bezahlen. Auch wenn wir im Internet alles kostenlos bekommen, die Darsteller*innen müssen auch von irgendetwas leben. Das sollten wir trotz aller Geilheit nicht vergessen.

Infrage kommen dabei nicht nur Pornoseiten, bei denen man ein Abo abschließen muss, bevor man überhaupt auf Sexfilme zugreifen kann, oder Premium-Accounts bei den üblicherweise kostenlosen Seiten. Die meisten Darsteller*innen verfügen über ein Venmo-Konto, ein spezielles Bezahlsystem von Paypal, über das ihr direkt Geld an die betreffende Person schicken könnt, wenn euch ihre Arbeit gefallen hat. 

Auch Premium-Snapchat oder der direkte Kauf von Filmen mit erotischen Inhalten unterstützt die Sexarbeiter*innen und sorgt dafür, dass sie euch weiterhin mit Material versorgen können, zu dem ihr Spaß haben könnt. Auf Twitter und Instagram haben viele Darsteller*innen ihre Amazon-Wunschlisten verlinkt. Mit einem Kauf hierüber könnt ihr euch also direkt bei eurem Lieblings-Pornostar revanchieren.

Von Amateuren für arme Studenten

Es ist jedoch nicht nur Geld allein, das ethischen Pornografie-Konsum ausmacht und ehrlich, ich verstehe, wenn ihr nicht euer gesamtes BAföG für Schmuddel-Filmchen im Netz ausgeben wollt und euch nicht einmal mehr Instant-Ramen leisten könnt. Wenn ihr weiterhin Gratis-Inhalte konsumieren wollt, ohne euch dabei zu fühlen, als würdet ihr jemanden um sein Einkommen berauben, empfiehlt es sich, auf Amateur-Pornos zurückzugreifen, die von Paaren erschaffen werden, die einfach Spaß daran haben, ihr aufregendes Sexleben mit euch zu teilen.

Da insbesondere bei Amateur-Pornografie allerdings nicht immer klar ist, ob die Aufnahmen freiwillig entstanden und mit Einverständnis aller Beteiligten im Netz gelandet sind, lohnt es sich, an dieser Stelle ein bis zwei Minuten länger zu recherchieren, bevor man mit dem Akt der Selbstbefriedigung loslegt. Auf den üblichen Seiten weisen kleine blaue Haken auf verifizierte Profile hin, deren Inhalte geprüft wurden. Zudem erhalten die Amateur-Darsteller eine Provision direkt vom Anbieter, wenn ihr euch eines ihrer Gratis-Videos anseht. Win-Win für den Produzenten und den Konsumenten also. 

Seid ihr euch dennoch unsicher darüber, ob ein Film wirklich legal entstanden und hochgeladen wurde und die Darsteller angemessen für ihre Leistungen bezahlt wurden, sucht lieber ein wenig länger nach passender Pornografie – zum Beispiel von der feministischen Pornoproduzentin Erika Lust – oder macht euch eure eigenen schmutzigen Gedanken. Das macht nicht nur genauso viel Spaß, sondern man verzichtet gleichzeitig auf das schlechte Gewissen, das mit dem ein oder anderen Internetporno einher geht.

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