Love Speech: Der Verein „GEsicht ZEIGEN!“ Kämpft gegen Hass im Netz

Es ist nicht immer leicht, sich gegen Ausgrenzung stark zu machen oder dem einen rassistischen Onkel bei jeder Familienfeier Kontra zu geben. Trotzdem ist es natürlich wichtig und ihr seid damit auch nicht allein. Der Verein „Gesicht zeigen!“ aus Berlin setzt sich gegen Rassismus und für ein schöneres Miteinander ein. Wir haben mit Julia Kandzia über den Verein, Love Speech und über das gesprochen, was sie am liebsten tut: den Mund aufmachen.

ZEITJUNG: Was ist deine Rolle bei „Gesicht zeigen!“ und wie bist du dazu gekommen?

Julia Kandzia: „Ich habe während meines Studiums angefangen zu gendern, korrekte Sprache zu benutzen und einfach an mir und meinen Gewohnheiten gearbeitet. Und so bin ich später bei ,Gesicht zeigen!‘ gelandet. Ich bin jetzt seit zwei Jahren dabei und mache ganz viele verschiedene Sachen. Vor allem bin ich aber für unser Social Media zuständig und arbeite bei dem Projekt ;Störungsmelder‘ mit. Außerdem bin ich noch bei dem Bündnis ;Berliner Ratschlag für Demokratie‘ dabei.“

Wie ist „Gesicht zeigen!“ entstanden? Gibt es eine Philosophie?

„;Gesicht zeigen!‘ wurde vor 20 Jahren gegründet, wir feiern also gerade Jubiläum. Das ist natürlich irgendwie schön, aber auch gleichzeitig ziemlich traurig, weil es zeigt wie viel wir noch zu tun haben. Und tatsächlich habe ich erst vor ein paar Stunden noch mit unserer Geschäftsführerin Sophia Oppermann über das Thema gesprochen und sie meinte, die Probleme vor 20 Jahren waren ähnlich wie heute. Damals wurde eine Synagoge angezündet und es gab Demonstrationen von Rechtsradikalen. Heute haben wir eben den Anschlag von Halle und Nazis, die versuchen den Reichstag zu stürmen. Bei der Gründung war die Idee, diesen Flächenbrand der rechten Gewalt im Keim zu ersticken, indem man den Menschen klar macht, dass jede*r einzelne etwas bewirken kann. Und das versuchen wir den Leuten eben immer noch klar zu machen. Wir wollen das Ganze, aber nicht total negativ rüber bringen und die Leute mit erhobenem Zeigefinger kritisieren, sondern eher auf eine schöne und bunte Art aufklären. Auch wenn das Thema, besonders für Betroffene, natürlich gar nicht schön ist.“

Was für Projekte habt ihr?

„Wir haben zur Zeit 5 Projekte, die alle dazu anhalten sollen ein Vorbild zu sein und aktiv zu werden und das zu machen was ich am meisten mag: den Mund aufmachen. Zum Beispiel das Projekt Störungsmelder. Da gehen wir gemeinsam mit Personen des öffentlichen Lebens in Schulklassen und sprechen mit den Kindern dort über Rassismus, Zivilcourage und Mobbing. Erst letzte Woche waren wir mit Dunja Hayali in Kreuzberg.

Dann gibt es unsere Dauerausstellung in unserem Lernort 7xjung. Dort können Kinder mehr über die NS-Zeit lernen. Da geht es dann um Fragen wie: ;Wie sieht Zivilcourage damals und heute aus?‘ oder ;Gibt es Parallelen?‘. Denn oft behaupten Leute sie hätten in den 30er Jahren niemals bei solchen Verbrechen mitgemacht, aber auch heute stecken tausende Menschen in Lagern fest.

Und wir haben eine Kampagne, die sich ;Love Speech‘ nennt. Das soll das Gegenteil zum ,Hate Speech‘ sein. Es geht darum, mit Lob und Komplimenten dem Hass in den Kommentarspalten entgegenzuwirken. Das Ganze funktioniert, aber auch auf der Straße! Einfach mal Komplimente verteilen oder freundlich lächeln.

Ich war neulich bei einer Demo und habe einen älteren Herrn mit einer ,Fuck AfD‘-Maske gesehen. Da musste ich natürlich ein Kompliment los werden. Der hat sich wahnsinnig gefreut. So kann man mit wenig Aufwand ganz viel Gutes tun und so stärken wir uns auch untereinander.“

Was können Menschen, die unter Ausgrenzung leiden, von euch mitnehmen?

„Wir sind ja ein ziemlich weißer Verein und eben keine migrantische Selbstorganisationen, deshalb können wir nicht so über Rassismus reden, wie Menschen die direkt betroffen sind. Wir können diesen Betroffenen, aber eine Plattform bieten und ihnen zeigen, dass wir hinter ihnen stehen. Wir können zeigen, dass wir alle zusammengehören und dass wir ihr Leiden sehen und das nicht einfach akzeptieren.

Wir wollten aber schon immer gesamtgesellschaftlich sein und aktiv werden, deshalb geht es uns vor allem, um diese Mehrheitsgesellschaft, die etwas ändern kann. Wir wollen, dass die Leute verstehen: Ich selbst habe Einfluss und kann bei mir selbst anfangen etwas zu ändern. Auch wenn die Ressourcen und Erfahrungen, von Mensch zu Mensch unterschiedlich sind.“

Wie kann man euch unterstützen?

„Ganz klassisch könnt ihr natürlich Mitglied werden oder spenden, aber es hilft uns auch schon sehr, wenn ihr uns auf Instagram folgt und unsere Inhalte konsumiert. Wir haben Bildungsspiele für Pädagog*innen mit denen man interaktiv über Themen spricht, die vielleicht etwas schwieriger sind. Und wir haben auch Sticker bei uns auf der Website, wobei ich hier natürlich erwähnen muss, dass Sticker auf Laternen kleben illegal ist (lacht). Und ihr helft uns natürlich, indem ihr Love Speech verbreitet!“

Danke für das Gespräch und VIel Erfolg Euch!

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Autor: Auf Kreta aufgewachsen – Kartoffel mit viel Knoblauch. Mindestens einmal im Jahr ans Meer. Rap, täglich. Sneaker, unbedingt in weiß. Bücher in rauen Mengen. Gin Tonic und Pfeffi. Pizza im Bett und GoT. Philosophieren, auch nüchtern. Sparwitze.