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Organspende: Zwingt mich doch einfach, Spender zu werden!

Über zehntausend Menschen warten auf ein Spenderorgan, aber nur ein Drittel der Deutschen hat einen Organspendeausweis. Das liegt am System – und das muss sich ändern.

Durch Organspende kann selbst das größte Arschloch aller Zeiten in guter Erinnerung bleiben. Trotzdem entscheiden sich viel zu wenig Menschen dafür, Spender zu werden. Das könnte sich ändern.

Anfang 2016 warteten über 10.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Im vergangenen Jahr wurden aber nur rund 3.000 Transplantationen mit Organen von verstorbenen freiwilligen Spendern durchgeführt. Die Spendenbereitschaft ist also deutlich zu niedrig. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung fand außerdem heraus, dass nur 35% der Menschen in Deutschland einen Organspendeausweis besitzen. Von denen stimmen aber 86% einer Spende nach dem Tod zu. Mit Aufklärungskampagnen versucht die BZgA seit Jahren, mehr Leute zum Spenden zu bewegen. Dass das nur mäßigen Erfolg hat, liegt an dem System der Organspende in Deutschland.

 

Die Widerspruchslösung ist die Lösung

 

Denn: So lange ich meinen Ausweis nicht unterschreibe, bin ich auch kein Spender. Ich habe weder die Motivation, noch die Pflicht, mich mehr mit den Vor- und Nachteilen der Organspende auseinanderzusetzen und eine Entscheidung zu fällen. Schließlich passiert mit meinen Organen nichts, sollte ich sterben.

Im Jahr 2014 gab es in Spanien 35,9 postmortale Organspender. Das klingt wenig? Deutschland hatte zehn und lag damit im europäischen Ranking weit hinten. Der Grund: Alle anderen Länder, die die Liste anführten, wenden die sogenannte Widerspruchslösung an. Das bedeutet, dass man als Spender gilt, bis man einen Ausweis unterschreibt und der Spende ausdrücklich widerspricht. Diese Regelung erhöht den Druck, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen mehr, als jede Aufklärungskampagne es je könnte. Das Wissen darüber, dass meine Organe nach meinem Tod gespendet werden, würde viele von uns dazu bringen, ihren Hintern hoch zu kriegen und diesen Ausweis zu unterschreiben. Es würde viel mehr Organspender geben. Das kann nicht nur Leben retten.

 

Legaler Organhandel?

 

Auch der Schwarzmarkt für illegalen Organhandel könnte damit bekämpft werden. In den letzten Jahren wurde immer mal wieder die Legalisierung von Organhandel diskutiert. Komisch dabei ist nur, dass ein Wirtschaftswissenschaftler diese Diskussion anstieß. Der Transplantationsmediziner Eckart Nagel wiedersprach ihm jedoch und beklagte gegenüber Deutschlandradio Kultur die „Ökonomisierung des menschlichen Körpers“.

Das einzige Land, in dem der Handel von Organen legal ist, ist der Iran. Dort dürfen Iraner über staatliche Stellen ihre Organe an andere Iraner verkaufen, die Operation, um das Organ zu transplantieren, ist kostenlos. Das Prinzip geht auf: Seit 1999 musste niemand mehr auf eine Niere warten. Das scheint eine Lösung für das Problem des Organmangels zu sein –  jedoch nur auf den ersten Blick. Der Organmangel betrifft nämlich nicht nur Organe wie die Niere, die man spenden und danach mit der anderen Niere und einer kleinen Narbe weiterleben kann. Viele Menschen warten auch verzweifelt auf Organe, die nur postmortal gespendet werden können, das Herz zum Beispiel.

Dem Schwarzmarkt die Nachfrage zu entziehen, ist aber die einzige Möglichkeit, ihn zu bekämpfen. Deswegen müssen mehr Leute freiwillig zu postmortalen Spendern werden. Die Einführung der Widerspruchslösung könnte dafür sorgen.

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