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Von Leonie Haberlander

Wer Single ist und die Suche nach einem potentiellen Paarungskandidaten noch nicht aufgegeben hat, der begibt sich ab und zu auf ein Date. Normalerweise involviert das zwei Menschen, eine Konversation und im besten Fall auch Alkohol oder wenigstens Koffein. So ein Date kann sehr nett sein, manchmal auch romantisch und vielleicht folgen auf ein erstes sogar noch weitere Dates und dann irgendwann die ganz großen Gefühle.

Schlechte Dates können mehr als nur beschissen sein

Von solchen Dates möchten wir aber jetzt nicht sprechen. Hier geht es vielmehr um die Dates, bei denen das vorherrschende Gefühl Reue ist. Du bereust es, das Haus verlassen zu haben und du bereust es, dich hierfür geduscht zu haben. Und vor allem bereust du diese eine „Lass doch mal was trinken gehen“ Nachricht von letzter Woche. Aber Reue hilft herzlich wenig, jetzt sitzt du schließlich hier. Egal ob dein Gegenüber im Mario-Bart-Shirt erscheint oder dir gerade von der Lügenpresse erzählt, die erste natürliche Reaktion ist ganz klar: Flucht. Aber bevor du etwas von deinem überfahrenen Goldfisch murmelst und das Weite suchst, kannst du noch einmal kurz innehalten und versuchen das Beste aus der Situation rauszuholen. Schlechte Dates können nämlich mehr als nur beschissen sein.

Erstens ist das ganze höchstwahrscheinlich ziemlich witzig. Natürlich ist es nicht einfach in deiner Position gerade den humorvollen Aspekt der ganzen Situation zu erfassen, aber spätestens bei der nächsten Bar-Runde freuen sich deine Leute über eine ausführliche Schilderung. Und desto schlechter das Date, desto witziger deine Geschichte. Offener Sexismus? Super. Spannende Erzählungen vom letzten Trip zum Ballermann? Noch besser! Minutenlange Vorträge über Chemtrails und was sie genau mit den Illuminati zu tun haben – ein Traum! Jeder Fauxpas wird sofort notiert (mental oder alternativ auch auf der nächstgelegenen Serviette), und fließt direkt in deine Erzählung mit ein. Deine Zuhörer werden es dir danken.

Sieh es als als Konversationsübung

Darüber hinaus kann so ein schlechtes Date auch ganz praktische Vorteile haben. Wenn du dich im Smalltalk schwer tust oder gerade in professionellen Situationen oft nicht die richtigen Worte findest, kannst du hier direkt eine Konversationsübung mitnehmen. Mach es zu deinem Ziel, dich auf deinen Gesprächspartner einzulassen und ihm das Gefühl zu geben, dass du ihn nicht für völlig grenzdebil hältst. Hör also interessiert zu, stelle gute Fragen und versuche die Konversation in eine Richtung zu lenken, die dir selbst mehr zusagt. Wenn das klappt, gibst du deinem Date ein gutes Gefühl und schaffst es sogar eine angenehme Gesprächsatmosphäre zu etablieren.

Während du also danach mit leeren Augen und manischer Lache vor dem Spiegel stehst und an der Menschheit zweifelst, hat er/sie einen netten Abend gehabt und hört sich vorm Schlafengehen zur Feier des Tages noch die neuste Helene Fischer Platte an. Hier gilt: wer ein schlechtes Date überlebt und sogar da nicht die Nerven verliert, der wickelt den Chef beim nächsten Bewerbungsgespräch locker um den Finger.

Am Ende eines Dates will jeder irgendetwas erreicht haben. Wenn das nicht gerade die große Liebe oder die nächste Liebelei ist muss das aber noch nicht heißen, dass du deine Zeit verschwendet hast. Wichtig ist, das Beste für dich daraus zu machen. Und wenn dann nach 30 Minuten doch dein Mitbewohner anruft und dir mitteilt, dass der WG-Goldfisch gerade überfahren wurde, dann musst du halt gehen. Auch ok.