Psychologie und Wetter: Wie Sonne und Regen unsere Stimmung wirklich beeinflussen
Gutes Wetter macht uns glücklich, schlechtes Wetter depressiv – klingt plausibel. Aber sind diese Einflüsse auch wissenschaftlich nachweisbar? Der Wissenschaftler Trevor Harley hat den Zusammenhang zwischen Wetter, unserer Stimmung und unserem Verhalten psychologisch untersucht und ist zu einigen interessanten Erkenntnissen gekommen.
Das Wetter ist ein faszinierendes Naturphänomen. Der Psychologie-Professor Trevor Harley interessiert sich schon sein Leben lang für Wetterphänomene und untersucht den Einfluss auf unsere Stimmung, unser Verhalten und unsere Geschichte. Wir haben uns in Verbindung mit der Natur entwickelt. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn unser Klima und Wetter einen gewissen Einfluss auf uns haben. Ist es sonnig und warm, scheint es uns besser zu gehen. Bei sinkenden Temperaturen hingegen sinkt auch unsere Laune.
Das perfekte Wetter?
Tatsächlich scheint es so etwas wie das perfekte Wetter zu geben: Die optimale Temperatur liegt bei etwa 22°C, begleitet von Sonnenschein, ohne extreme Schwankungen oder zu viele heftige Wettereignisse wie Stürme, Dürren und Hitzewellen. Allerdings gibt es individuelle Unterschiede bei den Vorlieben für das Wetter: Manche mögen es sonnig und heiß, andere lieber etwas kühler und bewölkt. Aber die meisten Menschen bevorzugen die Sonne. Das ist auch logisch. Wir brauchen das Sonnenlicht, damit unsere innere Uhr richtig funktioniert. Der Körper hat natürliche Rhythmen abhängig von Licht und Dunkelheit. In extremen Fällen kann fehlendes Sonnenlicht zu einer saisonalen affektiven Störung (SAD), auch bekannt als Winterdepression, führen.
Here comes the sun
Ganz grundlegend lässt sich Stimmung in gute Laune und schlechte Laune unterteilen. Es scheint naheliegend, dass gutes Wetter zu einer besseren Stimmung führt, während wir uns bei Regen schlechter fühlen. Einige Studien zeigen, dass Sonnenschein und höhere Temperaturen zu einem erweiterten kognitiven Stil führen. Wir werden offener für neue Ideen, können Informationen besser aufnehmen und sind kreativer. Je mehr die Sonne scheint, desto optimistischer sind wir. Deshalb tätigen Menschen an sonnigen Tagen mehr Investitionen, gehen höhere Risiken ein und geben mehr Geld beim Shoppen aus.
Nicht jeder stimmt diesem Ergebnis jedoch zu: Bei Sonnenschein sei man weniger motiviert, hart zu arbeiten. Es bestehen mehr Ablenkungen und die Gedanken wandern zu all dem, was man draußen stattdessen unternehmen könnte. Auch Regenwetter kann man demnach etwas abgewinnen. Düsteres Wetter senkt unsere Stimmung, was uns dabei hilft, uns zu konzentrieren. Arbeitnehmer*innen sind produktiver an bewölkten, regnerischen Tagen.
„Schlechtes Wetter ist gut für fokussiertes Denken. schönes wetter führt eher zu kreativität.“
(Trevor Harley)
Extremes Wetter – Extremes Verhalten
Mit Sonnenschein und hohen Temperaturen sind nicht nur positive Aspekte verbunden. Bei zunehmender Hitze besteht ein Zusammenhang mit aggressivem Verhalten. In den USA nehmen Verbrechen aller Art, vor allem Gewaltverbrechen wie Mord, Körperverletzung, Raub und Vergewaltigung an heißen Tagen zu. Nicht ganz so dramatisch, vielleicht aber etwas nachvollziehbarer ist das Ergebnis einer weiteren Studie, die besagt, dass Autofahrer*innen bei hohen Temperaturen mehr hupen, wenn es im Verkehr nicht vorangeht.
Auch bei Gewittern passieren schlimme Dinge: Die Zahl der Autounfälle und die Selbstmordrate steigt, es gibt mehr Kriminalität und individuell fühlen sich die meisten Menschen reizbar, angespannt und depressiv. Manche Menschen leiden sogar an Kopfschmerzen bis hin zu Migräne. Dieses Phänomen lässt sich mit der Ionenkonzentration erklären. Vor Stürmen nimmt die Konzentration an positiven Ionen zu, worauf Menschen empfindlich reagieren.
Frühlingsgefühle
Der Frühling lässt unsere Herzen höherschlagen – es ist die Zeit der Liebe. Doch was ist dran an dem Mythos? Einer Studie zufolge waren Frauen an sonnigen Tagen eher dazu geneigt, eine Einladung zu einem Date anzunehmen als an bewölkten Tagen. Vielleicht gibt es Frühlingsgefühle also wirklich, oder vielleicht sind die Menschen mit dem Sonnenschein nach der langen tristen Winterzeit einfach besser gelaunt.
Nicht nur die Liebe, sondern auch unsere Nettigkeit wird vom Wetter beeinflusst. Menschen sind hilfsbereiter bei besserem Wetter. Soziale Wärme und physische Wärme sind gewissermaßen miteinander verbunden. Ein warmes Klima führt dementsprechend zu wärmeren Persönlichkeiten. Damit wäre auch die Frage beantwortet, warum die Menschen in Thailand so freundlich und glücklich sind.
Quelle: Harley, Trevor: The Psychology of Weather. Routledge New York 2019
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