Der bittere Nachgeschmack der Schokolade

Joko Winterscheidt hat seine eigene „Jokolade“ gelauncht. Im ersten Moment blinken alle Alarmleuchten auf: schlechter Wortwitz und einfache Geldmache? So simpel ist es dieses Mal nicht und hinter einer schönen Aufmachung steckt bitterer Ernst und eine wichtige Mission. Wie hart sind die Bedingungen im Schokoladengeschäft? 

Wenn ich so richtig Heißhunger bekomme, fahre ich mit schlechtem Gewissen zum nächsten Kiosk und gönne mir eine große Packung Schokolade. Am liebsten Vollmilch. Das schlechte Gewissen stellt sich ein, weil ich mich nach der Schokolade so voll fühle, irgendwie ungesund. In Wirklichkeit muss ich ein noch viel größeres schlechtes Gewissen haben. Denn die Schokolade-  und so gut wie jede einzelne Schokolade im Supermarkt – unterstützt Kinderarbeit und moderne Sklaverei. Es geht aber auch anders.

Die bittere Wahrheit der Schokolade 

Um das zu erkennen, müssen wir an den Anfang der Lieferkette zurückgehen, alle Supermärkte und Unternehmen überspringen, die Zwischenhändler verfolgen bis hin zu den Arbeiter*innen vor Ort. Das heißt konkret: Die Reise geht zu circa 40% nach Westafrika. Hier werden die meisten Kakaobohnen illegal gesammelt und dann an große Ketten weitergeleitet. Die Arbeiter*innen sind arm und das so richtig. Und sie arbeiten für ihre Familien, dabei spielt das Alter keine Rolle. In Dokumentationen sehen wir 13-jährige Jungen, die ohne Lohn arbeiten. Denn sie müssen erst Jahre vorarbeiten, um sich ein eigenes kleines Stück Land zu erkaufen. Dann können sie rund 100 Euro im Jahr machen. Auch wenn Kinderarbeit im Land strafbar ist und der Kakaoanbau in geschützten Wäldern verboten ist, passiert es. Niemand kontrolliert so wirklich, wie im Kakaogeschäft gearbeitet wird und wer dort arbeitet. Und es gibt ebenso viele Konzerne, die sich hinter dem „FairTrade“-Siegel verstecken, selber aber nicht wissen, ob ihre Kakaobohnen legal oder illegal beschafft wurden. Wie menschenunwürdig es in den tiefen, verrotteten Wäldern abgeht, wird totgeschwiegen.  

Ein Kakaobauer zeigt eine Kakaofrucht.

Dabei werden jährlich 7 Millionen Tonnen Schokolade gegessen, Tendenz steigend. Und wenn man sich das Nutella-Brot schmiert, in den Schoko-Riegel beißt oder einen Kakao trinkt, vergisst man schnell, dass jeder Konsum Einfluss auf die Welt hat. Insgesamt sollen ein Drittel der Arbeiter*innen Kinder sein. Sie müssen die Schalen mit scharfen Macheten aufmachen, um an die wertvolle Kakaobohne zu gelangen. Um mehr Platz für den Anbau zu schaffen, müssen sie außerdem mit Unkrautspritzen den Boden bearbeiten. Und das wird auch im geschützten Regenwald ungeachtet getan. Die Unkrautspritzen enthalten hochgiftige Stoffe, die ohne Schutz für Menschen gefährlich sind. In keiner einzigen Dokumentation sieht man nur eine Schutzmaßnahme für die jungen Arbeiter*innen. 

Als Kölnerin liebe ich jedes bunte, tratschige oder politische Thema. Daneben findet man mich auf der Yogamatte oder in der nächsten Eckkneipe, immer im Gespräch mit anderen Menschen.