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Eine Schule ohne Regeln – ein Vorbild für uns alle?

Eine Schule, an der es keine Hierarchien gibt und die Schüler über alles mitentscheiden können. Kann das funktionieren? Eine Pro- und Contra-Betrachtung.

Heiko findet die Idee gut:

Pro

Was können wir aus dem Film „Berlin Rebel High School“ lernen? In erster Linie, dass das stromlinienförmige Schulsystem mit Gymnasium, Realschule und Mittelschule nicht alternativlos ist. Und dass ein Umdenken in das eingerostete, oft zu sehr auf Leistung und unbedingten Erfolg ausgerichtete Schulwesen Not tut. Turboabi mit G8, eingeprügelt durch Institutionen, in denen Lehrkräfte von oben herab ihren Lernstoff eintrichtern. Wer diesem Leistungsdruck nicht gewachsen ist, bleibt oft auf der Strecke – oder wird sogar fallen gelassen. Regisseur Alexander Kleider stellt daher ganz offen die Frage: Welche Werte soll eine Gesellschaft haben, die sich nur für Konkurrenz und Vergleich interessiert? Und in der systematisches Mobbing vielleicht sogar geduldet wird?

 

Gib Mobbing keine Chance!

 

Die SFE versteht sich hier als Gegenentwurf, wie man trotzdem durch flache Hierarchien an sein Ziel kommen kann: Ein basisdemokratisches Mitbestimmungsrecht kann nämlich hier eine ganz eigene Dynamik entwickeln und das Gemeinschaftsgefühl von Schulen stärken. Man tauscht sich aus, diskutiert miteinander, und darf das schulische Leben somit aktiv mitgestalten. Schulmobbing kann so auch vorgebeugt werden, denn hier zählt die Gleichberechtigung sowohl innerhalb der Schüler als auch zwischen Schülern und Lehrkräften. Im Film zeigte sich, wie sich ehemalige Mobbingopfer in dieser neuen Gemeinschaft wieder sehr wohlgefühlt haben: Lena aus Eggesin in Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel war auf ihrer alten Schule nicht mehr willkommen, weil sie mit ihrem „rebellischen Auftreten“ gegen angebliche Verordnungen verstoßen habe. In der SFE blühte sie dagegen wieder regelrecht auf, sie war willkommen. So ging es auch vielen anderen Teilnehmern, die dann auf der alternativen Schule ihren Abschluss gemacht haben.

 

Zurücklehnen ist trotzdem nicht

 

Zur gleichen Zeit zeigt der Film auch, dass ein solches Schulsystem keine reine Wohlfühloase ist. Die Schüler werden dazu aufgerufen, Eigenverantwortung zu übernehmen, etwa indem sie Versammlungen etc. mitorganisieren. Keiner soll sich vor den gemeinsamen Aufgaben drücken. Wenn Termine oder Vereinbarungen nicht eingehalten werden, kommt es logischerweise zu Konflikten – aber getreu dem Motto „Durch Reibung entsteht Energie“ kann hier auch durch den konstruktiven Dialog daran gearbeitet werden. Und das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass die breite Masse von 200 Schülern bei Laune gehalten werden soll. Warum sollte das also nicht mit 500 oder mehr Schülern funktionieren?

 

Prüfungen mal anders

 

Wie soll man ohne Notensystem auf die externen Abschlussprüfungen vorbereiten, fragen sich auch viele. Und wie soll das funktionieren, wenn nicht alle den gleichen Wissensstand haben? Sicherlich ist das die größte Herausforderung, wofür der Film auch kein perfektes Patentrezept hat. Er plädiert aber stattdessen für ein gruppenbasiertes Lernen und gegenseitige Motivation. Lehrer können ihrer pädagogischen Aufgabe dadurch besser gerecht werden. Die klare Message: Wenn ein kollegiales Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler besteht, kann der Vorbereitung auf die benoteten Abschlussprüfungen so auch der Schrecken genommen werden. Eigeninitiative ist auch hier wieder das Stichwort, denn von nix kommt auch in der „Rebel School“ nix. Und die Protagonisten haben am Ende davon profitiert, die Schule erfolgreich abgeschlossen und konnten studieren oder ihren beruflichen Traum leben. So wie der Regisseur selbst, der ebenfalls auf der SFE war.

Fazit:

Ich sehe in der SFE eine Möglichkeit, das klassische Schulsystem zu verbessern, indem mehr Wert auf Gemeinschaftsgefühl, Eigenverantwortung und Selbstfindung gelegt wird. Wer weiß, ob die Gesellschaft oder gar die Wirtschaft auf längere Sicht davon profitieren wird?

 

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