Die Lust, der Sex, der Kitsch: Einblick in deutsche Bordell-Zimmer

Rotlicht Bordelle Jasper White

Dicke Palmenblätter verdecken die dunkelgrün gestrichene Wand, rote Lichterketten hängen vor einer Fototapete mit Stranddruck. Einzig ein mit zartrosafarbener Satinbettwäsche bezogenes Bett zeugt in diesem sonst kahlen Raum von den bezahlten sexuellen Akten, die darin passieren. Lust und Kitsch dominieren das Auge des Betrachters, es ist eine fast gespenstische Szenerie. Das, was wir nicht sehen, können wir imaginieren – und es macht unser Gefühl zu diesen Bildern trotz der Rosen und Lichterketten unerträglich drückend und beklemmend.

Der Londoner Fotograf Jasper White hält rührend die Stimmung und Atmosphäre in Frankfurter Bordellen fest. Seine Fotostrecke „Brothels“ (zu deutsch: „Bordelle“) ließ ihn tief in die deutsche Untergrundszene der Prostitution gleiten. Seit 2002 ist diese in Deutschland legal – es prostituieren sich aktuell ungefähr 400.000 Menschen, Dunkelziffer nicht mit eingerechnet. Knapp 90.000 davon sind anschaffende Männer und vor allem Frauen in Bordellen. In Deutschland existieren ungefähr 3000 Rotlicht-Etablissements, nicht wenige davon bieten mittlerweile eine All-you-can-bang Flatrate an. Dies bedeutet für Kunden, dass sie innerhalb eines bestimmten Zeitraums für knapp 65 Euro oder weniger soviel Sex mit den Frauen haben können, wie sie möchten. Für die Frauen bedeutet es jedoch finanzielle Ausbeutung, die es erfordert, den gesamten Tag in diesen Zimmern zu arbeiten. Diese Räume lassen sich nicht mehr vom Privatleben trennen – und vermitteln dem Betrachter ein intimes Gefühl der Frauen, die darin wohnen.

„These spaces were developed, styled and dressed by the girls who rent the rooms themselves. The looks of the rooms are determined by their clients’ needs, which ultimately explain more about the personalities of the clients than that of the workers.“, so White in einem Interview mit Theplaidzebra.

Post a Comment

You don't have permission to register