#Varoufake: NZZ fordert Jauch-Absetzung

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Ein Kommentar von Daniel Guggeis

Auch eine Woche nach Ausstrahlung hält das aus dem Zusammenhang gerissene Video vom Stinkefinger-Fauxpas des griechischen Finanzministers Yannis Varoufakis die deutschsprachige Medienlandschaft auf Trab. Moderator Günther Jauch und seine Redaktion haben dafür ordentlich Kritik eingesteckt, inklusive #Varoufake und Verarsche von Internetheld Jan Böhmermann. Nun fordert die Neue Züricher Zeitung sogar die Entlassung Günther Jauchs. Die NZZ kritisierte den Showmaster gestern scharf in ihrem Blatt.

Die Zeitung wirft dem Moderator vor, das Video nicht im Ganzen angesehen zu haben. Nur deshalb hätte es zu diesem Skandal kommen können. „Auch Starjournalist Jauch hätte das tun können und müssen“, schreibt Mitarbeiter der NZZ, Matthias Knecht, über die fehlerhafte Recherche zu den Hintergründen des Videos. „Sein Beitrag ist darum kein Coup, sondern übelster Kampagnenjournalismus, der das verkorkste Verhältnis zwischen Berlin und Athen zusätzlich belastet. Die ARD sollte darum Jauch vor die Tür setzen, weil er gegen fundamentale journalistische Standards verstoßen hat. Nebenbei würde das helfen, die deutsch-griechischen Beziehungen zu verbessern.“

 

Der Talkshowmaster schweigt

 

Eins bleibt festzustellen: Auch wenn das Stinkefinger-Video letztendlich kein Fake war, hat Günther Jauchs Redaktion dieses Video vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen und gehört zu Recht dafür kritisiert und gerügt. Dass dazu gestern Abend bei der Sendung einer Woche nach der Stinkefinger-Aktion kein einziges Wort darüber verloren und so getan wurde, als wäre nichts passiert, ist mehr als lächerlich. Stattdessen moderierte Günther Jauch weiterhin in seiner verstaubten Talksendung vor sich hin.

Die Redaktion hat es gestern geschafft, zum wichtigen Thema ungleicher Bezahlung von Frau und Mann, genau zwei Frauen und drei Männer einzuladen. Zusammen mit Jauch war das Verhältnis also vier zu zwei bei einer Diskussion über das Thema „Gleichberechtigung“. Ein weiterer Beleg, wie veraltet das Format von Günther Jauch doch ist und es nicht mal schafft, bei so einem Thema für Ausgewogenheit zu sorgen.

Eine Entlassung von Günther Jauch ist natürlich genauso realistisch wie die Wahrscheinlichkeit, dass seine Sendung mal wirklichen Journalismus betreibt. In den nächsten Wochen wird wohl die Redaktion von Günther Jauch etwas rücksichtsvoller mit Videos umgehen – wenn sie aus ihren Fehlern lernt. Wir sollten weniger über einen Finger reden, sondern viel mehr über Politik und deren Inhalte, das wäre dann wirklicher Journalismus, Herr Jauch!

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Bildquelle: Screenshot YouTube/Neo Magazin Royale 

Autor: Ich bin Student der Sozialwissenschaften - mache ansonsten ganz viel Radio und bin ein Geek in Sachen Musik. Wenn ich mal gerade nicht einer Band ein Mikro ins Gesicht halte suchte ich gerade den neuesten Serienhit oder züchte meinen Rauschebart.