Über 25? Diese Cartoons haben uns geprägt

Dass es für Glückseligkeit nicht mehr braucht als einen Fernseher, eine Schüssel Cornflakes und eine lebhafte Fantasie, haben wir alle in unseren Kindheitstagen an diesen grandiosen Samstagen festgestellt. Der Bildschirm war voller Farben, unser Frühstück war voller Zucker.

Und unsere Gedanken waren voll und ganz bei den Figuren, die uns unterhielten und uns dabei vielleicht auch ein wenig auf all das vorbereiten würden, was im Leben noch kommen sollten. Diese Zeichentrickserien haben das besonders gut hinbekommen.

Die Glücksbärchis

Der Kuschel- und Knuddelfaktor ist bei den Glücksbärchis fast schon erschreckend hoch – aber wer’s mag, der wird/wurde damit auch eben glücklich. Klar, wer im Herbärchiland, dem Paradiesischen Tal oder auch dem Wald der Gefühle unterwegs ist, dem muss doch das Herz vor überschäumender Gefühle der Zufriedenheit aufgehen, oder?

Nun gut, den Glücksbärchis ausschließlich zu bescheinigen, in ihren wunderbaren Himmelswelten ihr Dasein zu genießen, würde zu kurz greifen. Schließlich sorgen sie ja mittels Regenbogenstrahl, um mal nur eines ihrer Hilfsmittel zu nennen, dafür, dass wir Menschen eben nicht allzu sehr in negative Gedanken verfallen. Mit anderen Worten: Glücklichsein ist harte Arbeit und verlangt manchmal auch Muskelschmalz und verbale Überzeugungsarbeit. Die Mühe war es aber letzten Endes jedes Mal wert. Nicht wahr, Brummbärchi? Und Hurrabärchi? Und Schlummerbärchi? Und, und, und…

Teenage Mutant Ninja Turtles

Schildkröten sind langsam, ruhig und unscheinbar. Kurzum: ein Held sieht anders aus. Dieses Motiv haben die Turtles also in ihrem Wesen geradezu invertiert. Bei den Teenage Mutant Ninja Turtles kam die „Hau drauf“-Mentalität, dieses Protzerische, was für die USA und ihren Gedanken des „Größer, höher, weiter“-Gedanken steht, mit dem beschaulichen und kontemplativen Credo aus Asien zusammen. Gut zu erkennen unter anderem an ihren Widersachen Bebop und Rocksteady (typisch Westen) sowie ihrem Meister und Zieh-Vater Splinter (typisch Osten). Zweifacher Funfact: Wegen Jugendschutzbedenken benannte man die vier Schildkröten in Europa um, hier wurden sie als Teenage Mutant Hero Turtles vermarktet. Das „Ninja“ klang in den Ohren vieler, zumindest damals, einfach zu brutal. Das Franchise, das vielen als etwas bekannt ist, das sich primär an Kinder richtet, war eigentlich alles andere als das. Als Peter Laird und Kevin Eastman die vier Figuren 1984 im Rahmen ihres Comics erschufen, floss jede Menge Blut und es wurde geflucht wie in den übelsten Spelunken.

Familie Feuerstein

Bei der Familie Feuerstein wurden American Values in eine Ära verfrachtet, die damit eigentlich gar nichts zu tun hatte. Man lebte in der Vorstadt, verfügte über ein regelmäßiges Einkommen, mähte samstagvormittags den Rasen und ging mit Vorliebe zum Bowling. Nur eben mit prähistorischen Kreaturen und Knochen und so. Klingt verrückt, war aber eine der erfolgreichsten Cartoon-Reihen aus dem Hause Hanna-Barbera, die unter anderem auch „Die Jetsons“ und „Yogi Bear“ über die Bildschirme flimmern ließen.

Die Truppe um Barney und Betty Geröllheimer sowie Fred und Wilma Feuerstein ist übrigens auch deshalb etwas Besonderes, weil es die erste Zeichentrickserie war, die in den USA zur Primetime gesendet wurde. Mit anderen Worten: Sie haben den Weg für moderne Klassiker wie „Die Simpsons“ und „South Park“ geebnet. Danke, Dino!

Die Peanuts

Das Interessante an den Peanuts-Cartoons ist nicht nur, dass sie ohne große Effekte auskommen. Sondern auch, dass sie auf einer ganz anderen Ebene ablaufen als im Original-Comicstrip und eben dennoch ihren Reiz haben. Snoopy wird in der Animationsserie nämlich dessen beraubt, was ihn im Comicstrip auszeichnet, und zwar seiner Sprache. Klar, auch im Comicstrip spricht er mit Charlie Brown & Co. nicht wirklich, aber doch sind seine Gedanken eben das, woraus sich der scharfzüngige und ironische Witz von Charles Schulz‘ Reihe speist.

Es spricht für die Zeichentrickversion der Peanuts, dass sie uns eben dennoch begeistern konnten (und das noch heute tun). Wenn Peppermint Patty grandios daran scheitert Marcie zu erläutern, wie man Ostereier färbt („Hühnereier gart man doch im Toaster, oder etwa nicht?“), dann ist das einfach die ganz große Kunst der Unterhaltung, die einen Neunjährigen ebenso amüsiert wie einen 19-Jährigen und einen 90-Jährigen.


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Bildquelle: Pexels; CCO-Lizenz

Als seine Mutter während der Schwangerschaft versehentlich Goethes "Die Leiden des jungen Werther" verschluckte, war klar: Dieser Junge wird später schreiben. Hat geklappt! Angetan hat es ihm dabei der Spagat zwischen high culture und low culture - nichts ist zu nieder, nichts ist zu himmelhoch! Will heißen: In seinem Regal steht der Nietzsche neben dem Bruce-Springsteen-Songbook, an seiner Wand hängt Hokusais "The Great Wave" neben dem Adventure-Time-Artwork. Wenn er mal nicht in die Tasten haut, um sich (populär-)kulturellen Welten zu widmen, dann findet ihr ihn mit seinen Joggingschuhen im Grünen oder aber mit seiner Gitarre im stillen Kämmerlein.