Wie funktionieren Filterblasen?

Sechs Menschen schauen jeweils auf ein technisches Gerät vor ihnen

Ist euch schon einmal aufgefallen, dass euch auf den sozialen Netzwerken hauptsächlich Beiträge angezeigt werden, die eure eigene Meinung widerspiegeln? Dahinter stecken sogenannte Filterblasen – und die sind gefährlicher, als man zunächst denkt.

Der Begriff Filterblase – auf Englisch „filter bubble“ – stammt von Eli Pariser, einem US-amerikanischen Aktivisten und Unternehmer. In seinem gleichnamigen Buch setzte er sich erstmals mit dem Phänomen auseinander und machte eine breite Masse auf die Problematik der Filterblasen aufmerksam. Pariser war zuvor aufgefallen, dass ihm auf Facebook deutlich seltener die Posts seiner konservativ orientierten Kontakte angezeigt wurden. Er selbst ordnet sich dem liberalen Lager zu – schien also immer häufiger seinen eigenen Ansichten ausgesetzt zu sein. Im Bezug auf Suchmaschinen konnte der Politologe dieselben Vorgänge beobachten: Wer auf Google nach dem britischen Ölunternehmen BP suchte, bekam je nach politischer Ausrichtung unterschiedliche Ergebnisse angezeigt. Liberale Personen wurden auf die mitverursachte Ölpest im Golf von Mexiko aufmerksam gemacht, während Konservative Hinweise zu Investments in die Branche erhielten. Diese Besonderheit bezeichnete er in seinem Buch als Filterblase.

Dahinter stecken die Algorithmen der entsprechenden Plattformen – also die Mechanismen, die entscheiden, welche Inhalte an welche*n User*in ausgespielt werden. Je nach Netzwerk sind sie an unterschiedliche Kriterien gebunden, haben jedoch eine Sache gemeinsam: Die Algorithmen registrieren, mit welchen Themen man sich gerne auseinandersetzt. Wenn sich eine Person auf Instagram mehrmals dasselbe Hundevideo anschaut und danach eine halbe Stunde auf der zugehörigen Seite verbringt, erhöht sich ihre Chance, auch in Zukunft mehr Hunde-Content angezeigt zu bekommen. Erhält dieselbe Person ein Video einer Katze, welches sie weder liket noch zu Ende anschaut, erkennt der Algorithmus auch dies – und schraubt den Katzen-Content zurück. Wie genau die einzelnen Algorithmen von Facebook, Google, Twitter und Co. funktionieren, ist nicht bekannt, mit der sogenannten Personalisierung arbeiten sie mittlerweile allerdings alle. Eli Pariser datiert den Beginn dieser verhängnisvollen Entwicklung auf den 4. Dezember 2009 – an jenem Tag begann Google damit, für seine User*innen persönliche Profile anzulegen. Bis sich erste Filterblasen gebildet hatten, dauerte es nicht mehr lang.

Aufgewachsen im Münsterland, zwischen Bauernschaften, Fahrrädern und Dorfpartys. Schreibt seit dem Kindergartenalter, von Kurzgeschichten bis hin zu News-Artikeln, liebt Musik, Sonne, gutes Essen und Gespräche über Gott und die Welt.