5 Typen von Nachbar*innen, die wir jetzt beobachten – und die uns jetzt beobachten

In den meisten Bundesländern gelten immer noch Ausgangsbeschränkungen. Büros arbeiten im Homeoffice, Schüler*innen und Studierende lernen online. In den letzten Monaten haben wir nicht nur mehr Zeit zuhause verbracht, sondern auch unsere Nachbar*innen viel intensiver kennengelernt. Ob das gut oder schlecht ist, kommt immer auf den Einzelfall an. Unsere Autorin Katharina hat sich in ihrer Nachbarschaft umgesehen und 5 verschiedene Typen von Nachbar*innen gefunden, die wahrscheinlich jeder kennt.

Der*die geheimnislose Fremde

Da gibt es eine Nachbarin, die kenne ich seit sechs Wochen. Und zwar nicht, weil sie neu eingezogen ist, sondern weil seitdem die Ausgangsbeschränkungen in Bayern gelten. Im März zum ersten Mal gesehen und schon jetzt kenne ich ihr ganzes Privatleben. Das liegt daran, dass sie den ganzen Tag ihr Fenster offen hat, vor dem sie im Bademantel Kaffee trinkt und Zigarette raucht, Hannah Montana schaut und mit ihren Freunden per Videochat Pamela Reif Workouts macht. Zugegebenermaßen kann ich nicht ausschließen, dass sie genau dasselbe über mich weiß. 

Der*die engagierte Ehrenamtliche

Sei es der unbeschäftigte Student, der auf einem Zettel im Hausflur Hilfe beim Einkaufen anbietet, oder die alleinstehende Rentnerin, die ihre selbstgenähten Masken verschenkt. Jeder, der direkte Nachbar*innen hat, hat in den letzten Wochen irgendeine Form der Solidarität erlebt, die hoffentlich auch nach der Krise bestehen bleibt.

Die selbsternannte Polizei

Seitdem es verboten ist, Partys zu feiern oder sich überhaupt zuhause mit einer haushaltsfremden Person zu treffen, nimmt die Spannung unter Nachbarn zu. Manchmal erwische ich mich sogar selbst dabei, wie ich misstrauisch aus dem Fenster schaue: Ist der Typ auf der Terrasse der Nachbarin wirklich ihr Freund oder vielleicht doch nur ein Freund? Gefährlich wird es für die Nachbarschaftsbeziehung dann, wenn Nachbarn schon beim kleinsten Zweifel an der Regelkonformität die Polizei rufen. Da kenne ich aber zum Glück die Grenze. 

Der*die liebenswerte Verrückte

Statt einer großen Familienfeier war diesmal Ostern daheim angesagt. Ich lag also mit meiner Mutter auf einer Liege im Garten, als plötzlich etwas von Himmel fiel und neben dem Kopf meiner Mutter im Gras landete. Nachdem wir erschrockene Blicke ausgetauscht hatten, hörten wir einen unseren Nachbarn „Frohe Ostern“ vom Balkon rufen, während er das zweite Schoko-Osterei in die Wiese warf. Wir brauchten ein bisschen, um uns von dem Schock zu erholen. Dann waren wir aber sehr gerührt von der netten Geste.

Die Tratsch-Tante

Jeder kennt sie: Diese eine Nachbarin, die man jedes Mal vor der Tür trifft, wenn man das Haus verlässt. Wenn man Zeit hat, ist das kein Problem und manchmal freut man sich sogar darüber. Aber sogar, wenn man es offensichtlich eilig hat, entkommt man dem Gespräch nicht. Selbst wenn genau dasselbe Gespräch schon am Tag vorher auf der Terrasse geführt wurde.

Insgesamt bin ich aber doch froh, dass ich meine Nachbar*innen endlich ein bisschen besser kennengelernt habe. Denn mal ganz ehrlich: Ohne sie wäre es zuhause in sozialer Isolation schon sehr langweilig.

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Bildquelle: Unsplash; CCO-Lizenz

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