Ausgebrannte Augen: Was der ständige Blick aufs Handy wirklich mit uns macht
Du kennst das wahrscheinlich: Du wachst auf, greifst als Erstes zum Handy, checkst Nachrichten, scrollst kurz durch Instagram, und noch bevor du überhaupt richtig wach bist, haben deine Augen schon den ersten Bildschirm-Marathon des Tages hinter sich. Zwischen Uni, Nebenjob, Serienabend und den ständigen Nachrichten in der Gruppenchat-Hölle kommen bei vielen von uns locker acht, neun Stunden Bildschirmzeit am Tag zusammen, oft ohne dass wir es überhaupt bewusst mitbekommen. Kein Wunder, dass sich abends oft ein leichtes Brennen oder eine unangenehme Müdigkeit in den Augen breitmacht, während gleichzeitig der Kopf einfach nicht abschalten will.
Wenn die Augen einfach nicht mehr mitmachen
Was viele nicht wissen: Sobald wir längere Zeit auf einen Bildschirm starren, blinzeln wir deutlich seltener. Normalerweise blinzelt ein Mensch etwa 15 bis 20 Mal pro Minute, bei konzentrierter Bildschirmarbeit sinkt diese Zahl teils auf ein Drittel. Dadurch verteilt sich der Tränenfilm nicht mehr richtig, und die Augen trocknen aus. Mediziner sprechen hier inzwischen von einem eigenen Krankheitsbild, dem sogenannten Office-Eye-Syndrom, bei dem Betroffene über Trockenheit, verschwommene Sicht, Kopfschmerzen oder erhöhte Lichtempfindlichkeit klagen. Klingt erstmal harmlos, kann sich auf Dauer aber ziemlich unangenehm anfühlen und sogar die Konzentration im Studium oder Job spürbar bremsen.
Nicht nur die Augen selbst bekommen die vielen Bildschirmstunden zu spüren, auch der Schlaf leidet mitunter darunter. Das blaue Licht von Handys und Laptops kann die Ausschüttung von Melatonin verzögern und uns dadurch abends länger wachhalten. Wie stark dieser Effekt tatsächlich ausfällt, ist unter Forschenden allerdings nicht ganz eindeutig geklärt, manche Studien zeigen deutliche Auswirkungen, andere finden kaum Unterschiede zwischen Nutzerinnen und Nutzern mit und ohne Blaulichtfilter. Trotzdem lohnt es sich, dem eigenen Körper zwischen wilden Tabs, endlosem Scrollen und Serienmarathons ab und zu eine bewusste Pause zu gönnen, schon allein, weil sich Konzentration und Stimmung am nächsten Tag spürbar anders anfühlen können.
Übrigens lohnt es sich, solche Beschwerden nicht einfach zu ignorieren. Wer merkt, dass die Augen häufiger brennen oder das Sehen gegen Abend unschärfer wird, sollte ruhig mal einen Sehtest machen lassen, denn oft steckt dahinter auch eine bislang unentdeckte kleine Fehlsichtigkeit, die sich durch die viele Bildschirmarbeit erst richtig bemerkbar macht. Optiker wie eyes + more in deiner Nähe bieten solche Sehtests meist unkompliziert und kostenlos an, und auch spezielle Gläser mit Blaulichtfilter können zumindest subjektiv für entspanntere Augen am Bildschirm sorgen.
Damit deine Augen den Alltag zwischen Uni, Job und Serienabend etwas entspannter überstehen, helfen ein paar einfache Routinen, die sich problemlos einbauen lassen:
- Die 20-20-20-Regel anwenden: alle 20 Minuten für 20 Sekunden auf etwas blicken, das mindestens 6 Meter entfernt ist
- Bewusst öfter blinzeln, vor allem bei konzentrierter Bildschirmarbeit
- Ausreichend Abstand zum Bildschirm halten, am besten mindestens 50 Zentimeter
- Für ausreichend Luftfeuchtigkeit im Zimmer sorgen, denn trockene Heizungsluft verstärkt das Problem zusätzlich
- Abends mindestens eine halbe Stunde vor dem Schlafen bewusst offline gehen
Gerade der letzte Punkt fällt vielen besonders schwer, denn Handy und Laptop sind für die meisten von uns längst mit Studium, Job und sozialem Leben verwoben. Wie zäh sich ein bewusster Verzicht auf ständige Bildschirmnutzung tatsächlich anfühlt, beschreibt ein mehrwöchiger Selbstversuch zum bewussten Verzicht auf Bildschirmzeit ziemlich eindrücklich, inklusive aller kleinen Rückfälle und Ausreden, die einem dabei so einfallen. Am Ende geht es aber gar nicht darum, komplett auf Handy und Laptop zu verzichten, das wäre im Uni- und Berufsalltag ohnehin kaum realistisch und für die meisten auch gar nicht der Anspruch.
Schon kleine Routinen wie ein bewusstes Blinzeln zwischendurch, eine kurze Pause beim Scrollen oder ein bildschirmfreies Zimmer zum Einschlafen machen für die Augen einen echten Unterschied. Und manchmal reicht es auch einfach, öfter mal bewusst aus dem Fenster zu schauen, anstatt direkt zum nächsten Reel zu wischen, oder abends bewusst ein Buch statt des Handys zur Hand zu nehmen.
Bild von Shahid Shafiq auf Pixabay
