Unpopular Opinion: Warum offene Beziehungen alles andere als einfach sind

Menschen, die öffentlich über ihre offenen Beziehungen reden, scheinen immer die reinsten Gurus zu sein: Nichts kann sie eifersüchtig machen, nichts kann sie aus der Bahn werfen. Das Gesäusel von einer Beziehung ohne Besitzansprüche klingt so hip und cool und schön – ist anfangs aber eine riesige emotionale Herausforderung.

Der Weg bis zu dem Punkt, an dem sich eine offene Beziehung uneingeschränkt gut anfühlt, ist ziemlich weit. Aber ich habe beschlossen, diesen Weg auf mich zu nehmen, und euch an meiner Reise in die Welt der Nicht-Monogamie teilhaben zu lassen. Und die beinhaltet nicht nur Guru-Gerede von Freiheit und Leichtigkeit, sondern auch eine gehörige Portion Tränen, Eifersucht und Normalsterblichkeit.

Kulturschock Polygamie

Im vergangenen Sommer habe ich jemanden kennengelernt, der von Anfang an klargestellt hat, dass er nicht monogam leben möchte. Ich hatte davor erst eine Beziehung geführt, und die war so monogam wie eine Beziehung nur sein kann. Hätte mir damals jemand erzählt, dass ich anderthalb Jahre später in einem ziemlich offenen Verhältnis leben würde, von dem ich selbst nicht genau weiß, wie ich es überhaupt definieren soll – ich hätte die Person ausgelacht.  

Als mein Date gesagt hat, dass er nicht auf Dauer monogam leben kann, habe ich mir fest vorgenommen, einfach eine gute Zeit mit ihm zu haben und mich auf gar keinen Fall zu verlieben. Überraschung: Es hat nicht funktioniert.  

Wir waren dann doch beide ziemlich schnell ziemlich emotional miteinander. Also habe ich angefangen, mich in das Ganze hineinzudenken, und dabei festgestellt, dass die Bilderbuch-Version offener Beziehungskonzepte eigentlich ziemlich cool ist. Und vor allem: dass er es wert ist. Trotzdem gab es in unserer bisherigen gemeinsamen Zeit so einige Situationen, in denen die Eifersucht an meinen Nerven gezerrt hat.

Ein Freigeist in Freiheit. Ich bin verliebt in den Sommer und schöne Worte. Wenn ich nicht gerade schreibe, sitze ich wahrscheinlich mit einem Roman irgendwo am Wasser. Oder auf alten Zeitungen, um jede Menge Farbe auf unbeschriebene Blätter zu klatschen. Aber am allerliebsten lebe ich: la vida loca!