Lügenpresse anschwindeln: Das peinliche Laientheater der Hamburger AfD

“Guten Tag! Darf ich Ihnen einen Flyer von uns mitgeben? Kennen Sie die AfD schon?”

“Öööh, Joaaa…”

“Ja. Wissen Sie auch vom Programm was? Wofür wir sind?”

“Joaa, schon grob. Also … ich hab‘ mich jetzt noch nicht tiefergehend damit beschäftigt, aber … bei der Europawahl hab‘ ich Sie auch gewählt.”

“Ah, das ist ja toll!”

Jaha, toll, liebe AfD Hamburg! Und so überzeugend gespielt! Denn was sich anhören sollte wie ein echtes Informationsgespräch an einem AfD-Stand in Hamburg-Poppenbüttel, ist in Wirklichkeit nur keck inszeniert. Und der junge Mann, der sich so interessiert auf die Ansprache von Hamburgs AfD-Spitzenkandidat Jörn Kruse einlässt, ist in Wirklichkeit auch ein AfD-Mann.

Der Hintergrund: Jörn Kruse hatte versucht, am Infostand Werbung für das Wahlprogramm der AfD zu machen. Mit dem Bürger ins Gespräch kommen. Ihn da abholen, wo er gerade ist. Leider wollte aber kaum ein Bürger mit ihm sprechen. Wäre ja soweit vermutlich nichts Neues für ihn – doof nur, dass ein Kamerateam des NDR-Magazins “Panorama” dabei war. Da sollte das Ganze dann schon nach etwas mehr aussehen.

 

Die “Lügenpresse” kann sich das Kichern nicht verkneifen

 

Von den Journalisten, vor Lachen hörbar geschüttelt, auf die Inszenierung angesprochen (“Und dann kommt der auch so vorbei am Kamerateam – und (kicher) führt sich als unschuldiger Wähler auf”), reagiert Kruse dann hanseatisch gelassen: “Das ist wahrscheinlich so, ja.”

“Panorama” tat der Hamburger AfD übrigens nicht den Gefallen, das Schauspiel mitzumachen, und schnitt das gewonnene Videomaterial entblößend ehrlich zusammen. Man will sich ja schließlich nicht wieder den Vorwurf “Lügenpresse” anhören müssen…

Hier geht’s zum Beitrag auf NDR.de

 

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Bildquelle: Screenshot (“Panorama“)

Autor: Mit dem Rechnen tue ich mich schwer. Zahlen liegen mir nicht, das bemerkten meine Eltern, meine Lehrer und ich schon in der Grundschule. Die Hoffnung aller: Vielleicht läuft’s ja mit den Buchstaben besser. Heute, mehr als 20 Jahre später, kann ich sagen: Ja, das tut es. So gut sogar, dass ich nach dem Studium damit begann, meine Miete mit dem Aufschreiben von Geschichten zu verdienen. Zuerst für Tageszeitungen und Magazine in meiner Heimatstadt Aachen, heute bei ZEITjUNG in diesem Internet. Und da alles Digitale bekanntlich aus Einsen und Nullen besteht, hab‘ ich jetzt auch das mit den Zahlen im Griff, irgendwie. Ende gut, alles gut.