Lumbersexuality: Ein Mann, ein Holzfäller

lumbersexuality männer bart männlich

Von Rebecca Naunheimer und Jana Kreutzer

Sexy Männer in Jeans, Leder und Flannell, dazu ein wilder Bart: So definiert das Urbandictionary den Mann von heute. Die Rede ist von „Lumbersexuality“. Von dem wilden, kernigen Holzfäller, der in einer Blockhütte im Wald lebt, es liebt, Holz zu hacken und sich nur semi-regelmäßig wäscht. Und: ziemlich heiß ist. So viel jedenfalls zur Theorie.

Tatsächlich steckt hinter der sogenannten „Lumbersexuality“ eine neue Form der urbanen Identität. Eine neue „Spezies Mann“, wenn man es so will. Denn Metrosexualität ist 2014 irgendwann auf der Strecke geblieben, der Begriff und mit ihm die Person des „Hipsters“ eingestaubt – Leder hat Jute ersetzt und der Bart die Brille. Dass tatsächlich einer Holz hackt, bleibt allerdings zu bezweifeln.

 

Der Urtyp des Holzfällers ist eine Erfindung der Medien

 

Viel eher sprechen Experten von gebildeten und privilegierten, weißen Männern, die die eigene Indiviualität definieren und präsentieren. Eine Identität, die, wie der Pacific Standard berichtet, auf klassischen Stereotypen aufbaut: “However, combined with the overall cultural portrayal of the lumbersexual, this stereotype set fundamentally creates an aesthetic with a particular subset of men that idealizes a cold weather, rugged, large, hard-bodied, bewhiskered configuration of masculinity.“ Woher genau der Hang zum Holzfäller kommt, ist aber unklar.

Der Urtyp, der „Paul Bunyanesque hipster naturalist“, ist eine Erfindung von Journalisten und Werbemachern. „He was created not as a portrait of real working-class life, but as a model for middle-class urban men to aspire to, a cure for chronic neurasthenics.“ Es lässt sich außerdem über eine kulturelle Hinwendung zur Umweltfreundlichkeit und -verbundenheit spekulieren. Ob die Lumbersexualität nun ein direkter Gegensatz der Metrosexualität oder eine Form dessen ist, bleibt ebenfalls offen. Klar ist aber: Testosteron und der archetypische Mann sind wieder im Trend. Im vergangenen Jahr hat nicht nur der Bart einen unfassbaren Hype erlebt, sondern auch die „klassische“ Männerfreundschaft – die eine positive Auswirkung auf das Stresslevel haben kann.

 

Testosteron ist die Droge der Zukunft

 

Wie Experte Dr. Paul Campion im Interview mit „Fusion“ berichtet, ist Testosteron sogar die Droge der Zukunft. „We don’t need to look ahead at human genetic engineering, brain implants, or crazy designer drugs to see the real future of our relationship with our bodies. The rise of testosterone use isn’t a drill for future body hacking – it is body hacking playing out right now across the American heartland…“ Tatsächlich gehen viele Männer in den USA noch einen Schritt weiter als nur in den Wald zum Holzhacken, und unterziehen sich einer ärztlichen Hormonbehandlung. Denn wie Campion betont: „Testosterone is ridiculously powerful. I can tell you from experience, the feeling of well-being, of focus, and of masculine energy are massively increased. It’s like you’re back to being 35.“

Während uns diese schwere Form der Männlichkeit wohl zu denken geben sollte, finden wir den netten Holzfäller von nebenan gar nicht schlecht. Wir wagen sogar zu munkeln, dass es auch lumbersexuelle Frauen gibt – diejenigen nämlich, die „Sons of Anarchy“ feiern, auf Thorin Eichenschild stehen – und bei der nun folgenden Bildergalerie in schwere Atemnot geraten: