Afghanistan: Abschiebungen in ein im Stich gelassenes Land

eine afghanische flagge weht im wind

Allein in den letzten fünf Jahren wurden aus Deutschland mehr als 1.000 Afghan*innen in ihr Heimatland abgeschoben, wobei die letzte Person am 6. Juli 2021 ausgeflogen wurde – und das, obwohl die afghanische Regierung mit Verweis auf die prekäre Sicherheitslage im Land darum bat, die Abschiebungen für drei Monate auszusetzen und Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International bereits seit Jahren einen Abschiebestopp fordern.

Insbesondere jetzt, zwei Monate nach dem Abzug der NATO-Truppen aus dem Land, sind die nach wie vor stattfindenden Abschiebungen als überaus problematisch einzuschätzen. Das Ziel, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie nach Afghanistan zu bringen, mit welchem der Einsatz im Jahre 2001 begründet wurde, kann kaum als erfüllt betrachtet werden. Denn mit dem umstrittenen Abzug der Soldaten Anfang Mai wurde den Menschen vor Ort ein Land im Chaos hinterlassen.

Die Taliban geben an, mittlerweile 85 Prozent des Landes zu kontrollieren und obwohl diese Behauptung von der Regierung Afghanistans bestritten wird und diese Aussage auch nicht überprüft werden kann, kam es Expert*innen zufolge zu massiven Kämpfen und Anschlägen auf Zivilisten, wobei die Islamisten auch vor Angriffen auf Kinder nicht zurückschrecken. Auf jeden Fall ist jedoch davon auszugehen, dass die Taliban zum aktuellen Zeitpunkt mindestens die Hälfte der Bezirke des Landes erobert haben. Dabei fallen unter die neu eroberten Bezirke auch Gebiete, die die Taliban noch nicht einmal in Zeiten ihres Regimes in den Jahren von 1996 bis 2001 beherrschten.

Sprachbegeistertes Bauernkind mit Fernweh und Leidenschaft für Straßenkunst und Videospiele. Zudem Leserin von Büchern aller Art und stets auf der Suche nach der perfekten Formulierung.