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Sind wir mit dem ersten Job auch plötzlich erwachsen?

Heißt die erste Festanstellung denn nun auch Pürierstab statt Tütensuppe, Couch statt Dancefloor und All-Inclusive-Hotel statt Campingplatz?

Der erste Job ändert so einiges. Nicht nur, dass auf einmal regelmäßig Geld auf dem Konto landet, mit zunehmendem Budget und Alter ändert sich auch unsere Einstellung zu den Dingen. Man könnte auch sagen: wir werden erwachsen.

 

Und auf einmal ist es da. Es fühlt sich anders an. Nicht schlecht, aber anders. Es ist stressiger, mit weniger Schlaf und mehr Verantwortung: das Leben nach dem Studium. Zunächst ist es aufregend und man ist so damit beschäftigt, sich im Job zu behaupten, dass man die Veränderungen nicht wahrnimmt. Als erstes bemerkt man es an den ehemaligen Kommilitonen. Wenn sich die Wege nach dem Studium trennen und man für den ersten Job oder das Dauerpraktikum in eine andere Stadt zieht, verliert sich auch der Kontakt zu Kommilitonen und WG-Kumpels. Wenn man diese nach einiger Zeit wieder trifft, fällt einem auf, dass sie sich verändert haben. Ihr Gesicht wirkt etwas runder, der kleine Bauchansatz war beim letzten Mal noch nicht da. Sie erzählen von Wochenenden auf dem Land, was sie letztens Tolles gekocht haben und dass sie überlegen, sich ein größeres Auto zu kaufen.

 

Unsere Wochenenden werden merklich ruhiger

 

Erst dann begreifen wir langsam, dass auch wir uns verändert haben. Die Veränderung vollzieht sich im Kleinen. Anstelle des günstigen Mensa-Essens macht uns heute ein 3-Gänge-Menü beim Stamm-Griechen glücklich. Wir essen weniger Fast-Food und kaufen stattdessen im Feinkostladen um die Ecke ein. Hauptsache es ist Bio – oder am besten alles ist vegan. Statt Tütensuppe haben wir nun einen Pürierstab im Schrank und machen unsere Lauch-Möhren-Ingwer-Suppe selbst. Für so etwas hat man am Wochenende nämlich auf einmal Zeit. Da der Wecker jeden Morgen um 6 Uhr klingelt, kann man am Wochenende deshalb nicht mehr ausschlafen. Die letzte Party an einem Freitagabend ist schon ewig her. Viel zu schlapp sind die müden Glieder am Ende der Woche vom Sitzen am Schreibtisch.

Auch unsere Urlaube werden anders. Oder wie es Marteria so schön besingt: “Keiner macht mehr Malle, alle fahren nach Schweden.” Statt mit 50 Euro in der Tasche im Auto der Eltern auf dem Campingplatz am Bodensee zu übernachten oder mit der Spaßtruppe für eine Woche nach Lloret zu fliegen, fahren wir mit Freunden ins Ferienhaus nach Göteborg. Wir machen Urlaub im Designerhotel in Südtirol und schwärmen noch Wochen später vom guten Essen und der tollen Aussicht unseren Freunden beim gemeinsamen Rotwein vor.

 

Nochmal jung sein?

 

Weil wir unseren Urlaub nun mit Kollegen und Ferienzeiten abstimmen müssen, buchen wir schon Monate im Voraus, statt spontan einfach drauflos zu fahren. Und manchmal ist da dieser Neid auf die, die noch Studenten sind, viel freie Zeit haben und nur die Sachen tun, die ihnen Spaß machen. Doch dann fallen uns auch die Prüfungen und Hausarbeiten wieder ein. Die ständige Geldnot und wie anstrengend es ist, immer wieder neue Leute kennenzulernen. Dann merken wir, dass es ein schönes Gefühl ist, angekommen zu sein.

 

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