alle-jahre-wieder-nostalgie

Wir kommunizieren per Smartphone, daten über Tinder und shoppen nur noch online. Selten hat sich so viel verändert wie in den letzten 20 Jahren. Neue Technik und Globalisierung sind fester Bestandteil unseres Lebens, und trotzdem hängen wir den alten Zeiten hinterher, denn früher war bekanntlich alles besser. Besonders toughe Menschen würden jetzt sagen: „Bleib nicht in der Vergangenheit stecken, die kommt eh nicht mehr zurück!“ Aber grade zur Weihnachtszeit tut sie es doch.

Traditionen, Filme und Musik erinnern uns jedes Jahr aufs Neue an die Geister der Vergangenheit. Denn Nostalgie gehört zum Dezember wie Plätzchen backen und Last Christmas, weil wir eben alle Jahre wieder das Gleiche tun. Ein Plädoyer für Nostalgie zur Weihnachtszeit.

 

Ein Wundermittel

 

Was bedeutet Nostalgie überhaupt? Laut Duden ist es „eine Stimmung, in der man sich nach vergangenen Zeiten und den Produkten und Lebensweisen diesen Zeiten sehnt“. Dabei wird die Vergangenheit durch eine rosarote Brille gesehen und entsprechend verklärt. Dinge, die früher ganz alltäglich und nicht wirklich romantisch waren, werden im Nachhinein glorifiziert. Forscher haben herausgefunden, dass Nostalgie sogar negative Gefühle in positive umwandeln kann. Mehr noch, Nostalgie kann körperlich warm halten. Wer jedoch zu viel in der Vergangenheit klebt, den überkommt eine große emotionale Sehnsucht, die kaum zu stillen ist. Sie lässt die Gegenwart nämlich ziemlich beschissen aussehen.

 

Last Christmas in Endlosschleife

 

Aber eben im Dezember ist das völlig in Ordnung. In der Weihnachtszeit wird die Vergangenheit zur Gegenwart. Die Auswahl an Weihnachtsfilmenist immer gleich und seit „All I want for Christmas is you“ hat sich auch das Repertoire an Weihnachtsliedern nicht wirklich verändert. Mir läuft zumindest jedes Jahr ein wohliger Schauer über den Rücken, wenn Fernsehsender ihr Weihnachtsprogramm ankündigen. „Der Grinch“, „3 Haselnüsse für Aschenbrödel“ und „Der kleine Lord“, wecken wunderbare Erinnerungen. Bei Wham’s „Last Christmas“ sehe ich vor mir, wie meine Mutter und ich das Haus weihnachtlich schmücken und verknotete Lichterketten aus einer Kiste entwirren. Kurz überkommt mich Sehnsucht – aber halt! Auch wenn ich längst von Zuhause ausgezogen bin, geschmückt wird gemeinsam: It’s the same procedure as every year.

 

Überall verborgen

 

Wir schauen uns zum 100. Mal „Kevin allein zu Haus“ und „Tatsächlich Liebe“ an. Wobei mir dieses Jahr aufgefallen ist, dass der heimliche Star in Filmen aus den 90ern und Anfang 2000 der Rollkragenpullover ist. Mode und Nostalgie sind aber ein eingespieltes Team: Denn komme ich in die Gegenwart zurück und klicke mich auf der Suche nach weihnachtlichen Angeboten durchs Internet, leuchten mir auf Online-Shops wie Peter Hahn modische Trends entgegen, und darunter ein alter Freund: der Rollkragenpullover. Die Wirtschaft verdient an unserer Sehnsucht nach der Vergangenheit, und Lieblingsstücke aus vergangenen Zeiten finden immer wieder den Weg zurück in unseren Kleiderschank.

So ist das auch mit der Nostalgie zur Weihnachtszeit. Also schwelgt in Erinnerungen, guckt eure Favoriten unter den Weihnachtsfilmen und denkt dabei an die längst verstaubten Geister der Vergangenheit. Denn Nostalgie – to me, you are perfect.

 

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Bildquelle: Hernan Sanchez unter CC0 Lizenz