Warum wir American Apparel nicht vermissen würden

Scott Lynch American Apparel Doll

Eine Meinung von Tamara Schempp

American Apparel ist pleite. Die amerikanische Modekette mit Hauptsitz und Fabrik in Los Angeles verkündete, Insolvenz nach „Chapter 11“ eingereicht zu haben. In einer Mitteilung auf ihrer Homepage beteuert das Unternehmen, weiterhin Nordamerikas größter Bekleidungshersteller bleiben zu wollen – dank einer finanziellen Umstrukturierung. Mithilfe des Insolvenzrechts der Vereinigten Staaten will die Modekette dem finanziellen Ruin entgehen. Warum wir es aber gar nicht so schade fänden, würde American Apparel verschwinden? Dafür gibt es mehrere Gründe.

Zum Einen stand das Unternehmen oft im Fokus feministischer Debatten. Der Vorwurf: Sexismus. American Apparels Kampagnen-Fotos zeigen sehr junge Mädchen, die sich auf dem Bett räkeln, die Beine spreizen und gerne mal an sich herum spielen. Ästhetik? Finden wir nicht. Fotografiert wurden die oft minderjährig aussehenden Models von Firmenchef Dov Charney höchstpersönlich. Moment mal – war das nicht der mit den Sex-Skandalen? Ganz genau.

 

Sex-Skandale, Rassismus, miese Qualität

 

Und damit kommen wir zum zweiten Grund. Charney stand wegen diverser Skandale im Fokus der Öffentlichkeit und schließlich der Regierung. Laut Cnbc.com beschuldigte American Apparel seinen eigenen Gründer, Angestellte rassistisch beleidigt zu haben. Außerdem wurden Videos auf dem Firmenserver gefunden, auf denen Charney Sex mit Models und Angestellten hat. Die Beschuldigen umfassen außerdem Missbrauch des Firmenkapitals und Verletzung der Unternehmenspolitik. Vor einem Jahr wurde der CEO schließlich entlassen.

Der dritte Grund betrifft schlicht und einfach die Qualität der Klamotten. Bei exorbitanten Preisen erwartet der Käufer sauber verarbeitete Kleidung, von der man lange etwas hat. Ja, American Apparel ist in Sachen Herstellung vorbildlich. Dennoch sollte das Lieblingsteil mehr als fünf Waschvorgängen standhalten. Lose Fäden, ausgeleierte Pullis und verblasste Farben bringen jedoch den Gegenbeweis.

Die Kosten von etwa 20 Gerichtsverfahren und behördliche Vorgänge wegen Dov Charneys Vergehen, sinkende Verkaufszahlen und Streitigkeiten unter Angestellten brachten das Unternehmen in die Schuldenfalle. Es scheint, als hätte das Unternehmen mit seinem Gründer auch den Erfolg verloren. Wir würden ihm jedenfalls keine Träne hinterher weinen – bye bye American Apparel!

 

Beitragsbild: Flickr Scott Lynch, CC by 2.0

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