G7 Gipfel Elmau/Bayern

Am Wochenende hat der G7-Gipfel auf Schloss Elmau stattgefunden. Die ganz Großen treffen sich hier, um über die wichtigsten Probleme der Welt zu sprechen: Russland und der Ukraine-Konflikt, Klima, NSA und Terrorismus. Vorher trinkt Obama mit Merkel noch ein Weißbier und bedauert, keine Lederhosen dabei zu haben. Ein bisschen Gute-Laune-Geschunkel, um Leichtigkeit zu suggerieren bei den nicht allzu harmonischen Verhandlungen. Die Demonstranten lassen solche Bilder kalt. Ihre Forderungen sind deutlich: Sie sind gegen die Folgen, die Globalisierung und Kapitalismus auslösen. Trotz Straßensperren, dem hohen Polizeiaufkommen und der Hitze kommen einige zusammen, um ihren Ärger kundzutun. Wir haben mit einem der Aktivisten, der seinen Namen nicht nennen möchte, über die Vorbereitungen solch einer Demonstration, Pfefferspray und Steinewerfen gesprochen.

 

Interview: Markus Ehrlich

ZEITjUNG.de: Was muss man als G7-Gegner auf einer Demo beachten?

(lacht) Oberste Regel: Lass‘ Dich nicht verhaften und biete keine Angriffsfläche. Ich lasse zum Beispiel extra mein Gras zu Hause. Ansonsten so alltägliche Dinge…

…wie Klamotten?

Ja genau. Da ist richtiges Schuhwerk und dem Wetter angemessene Kleidung angebracht. Vielleicht muss man weglaufen, da lohnen sich Turnschuhe und bequeme Shorts. Und natürlich ist es wichtig, genug zu trinken und anständig zu essen. Wie vor einem Fußballspiel, Kohlenhydrate und so.

Was ist nicht planbar?

Man weiß nie genau, wie die Polizei sich verhält und wie lange das dann letztendlich dauert. Wir rechnen aber schon damit, dass unser Bus komplett gefilzt wird, alle aussteigen müssen und jede Person im Bus einzeln kontrolliert wird.

Busunternehmen wurde vorab empfohlen, keine Demonstranten zu transportieren.

Das habe ich auch gehört. Aber wir hatten überhaupt kein Problem mehrere Busse zu chartern. Ich schätze mal, dass die Busunternehmer am Ende auf ihren Profit schauen und denen egal ist, was irgendwelche Behörden ihnen diktieren. Mir als Systemgegner gefällt das natürlich.

Gibt es weitere Maßnahmen, die euch behindern?

Auf jeden Fall. Du brauchst dich ja bloß mal in München umschauen: überall Polizei. Es kommt mir fast so vor, als hätte jeder Demonstrant einen eigenen Polizisten als Aufpasser. Da muss man schon sehr aufpassen, dass man nicht vor der Abfahrt schon rausgezogen wird.

Du bist ein erfahrener Demonstrant und warst auch in Heiligendamm. Bist du trotzdem nervös?

(lacht) Ich bin in meinem Leben schon sehr oft mit der Polizei aneinandergeraten. Da waren schon viele wirklich unangenehme Begegnungen mit dabei. Ich würde deswegen sagen, dass ich an Polizeigewalt gewöhnt bin und deswegen nicht mehr nervös bin, weil ich irgendwie weiß, was mich erwartet. Man hat die Nervosität quasi in der Vergangenheit aus mir rausgeprügelt.

Es wird gemunkelt, dass Demonstranten über ihre Handys geortet und identifiziert werden können. Nimmst Du Dein Handy mit?

Ich nehme mein Handy auf jeden Fall mit, weil ich nichts zu verbergen habe. Ich bin ein normaler Bürger, den unsere Gesellschaft ankotzt – das kann ruhig jeder wissen. Das System zu kritisieren ist mein gutes Recht und sogar meine Pflicht.

Wieso führen wir dieses Interview dann anonym?

(lacht) Ich würde das Interview auch nicht anonym machen, aber das würde zu unnötigem Bürokratie-Stress führen. Außerdem habe ich vorhin irgendwo das Wort Gras benutzt.

Wie verhält man sich am besten, wenn man eine Ladung Pfefferspray ins Gesicht bekommt?

Pfefferspray ist gar nicht so schlimm, wie es sich anhört. Klar ist es unangenehm und brennt schon ziemlich, aber alles halb so wild. Ich würde allen empfehlen, sich erst mal hinzusetzen und nicht panisch zu werden. Wenn man ausflippt, wird es nur noch viel schlimmer. Ruhe bewahren, Wasser besorgen und die Augen ausspülen. Und: Auf jeden Fall darauf achten, was die Person macht, die gesprüht hat.

Wendest Du Gewalt an?

Ich lege es nicht darauf an, jemanden zu verletzen, aber wenn ich mich verteidigen muss oder jemandem helfen, werde ich das auf jeden Fall tun.

Hast Du schon einmal einen Stein auf einen Polizisten geworfen?

(nein) Steine habe ich noch nie geworfen, aber zugeschlagen habe ich schon öfter – ohne Hilfsmittel natürlich. Die haben nur die Polizisten.

Du bist nicht sonderlich gut auf Polizisten zu sprechen. Siehst Du den Menschen unter der Uniform?

Klar weiß ich, dass diese Polizisten auch Menschen sind und natürlich ist mir bewusst, dass es unter denen auch nette gibt. Trotzdem stehen sie für ein falsches System. Und, ganz ehrlich: Diejenigen Polizisten, mit denen ich bisher zu tun hatte, waren wirklich Arschlöcher.

 

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Bildquelle: Jonas Nolden über CC by 2.0