Warum bekommen wir wieder Kinder?

Baby-Boom Deutschland Eltern Nachwuchs

Keine Kinder – kein Lebensglück: Das ist offensichtlich das Lebensmotto junger Paare im Jahr 2016. Denn die deutsche Geburtenrate steigt und steigt – dem statistischen Bundesamt zufolge wurden 2015 so viele Kinder geboren wie seit Jahren nicht mehr. Und das, obwohl schon 2014 mit über 700.000 Neugeborenen ein Rekord gebrochen wurde. Ein Jahr später sind es nun sogar 738.000. Trotzdem müssen wir uns nicht um eine Überbevölkerung sorgen: 2015 gab es nämlich nicht nur extrem viele Geburten, sondern mit 925. 000 auch eine hohe Anzahl an Sterbefällen.

 

Junge Städter sind besonders gebärfreudig

 

In deutschen Metropolen macht sich die deutlich gestiegene Geburtenziffer besonders bemerkbar: Sie liegt in fast allen deutschen Großstädten über dem Bundesschnitt (in Köln werden drei Prozent, in München 4,9 Prozent und in Frankfurt sogar 12, 6 Prozent mehr Kinder geboren als in Restdeutschland). Experten zufolge liegt das an der oftmals privilegierten Ausgangslage vieler Städter – sie verdienen wegen ihrer guten Ausbildung oftmals mehr Geld und können ihrem Vollzeitjob „Eltern“ damit wirklich gerecht werden.

Die Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig zeigte sich natürlich besonders erfreut über diese Entwicklung und bezeichnete sie als „ein schönes Signal“, weil dadurch deutlich werde, „dass immer mehr Frauen und Männer Kinder wollen“.

 

Die Fortpflanzung als Lebensentwurf

 

Tatsächlich deutet mit der seit 2010 stetig wachsenden Geburtenzahl alles auf einen Trend hin. Und doch ist das Statistische Bundesamt nicht ganz sicher, worauf der Baby-Zuwachs tatsächlich zurückzuführen ist. Die Lösung könnte nämlich ziemlich billig sein und einfach nur mit der Jahrgangsstärke der neuen Elterngeneration zusammenhängt: „In den Jahren 1981 bis 1991 gab es einen kleinen Babyboom in Deutschland, damals stieg die Zahl der Geburten stark“, erklärt eine Mitarbeiterin des Bundesamts im Gespräch mit der SZ. „Das sind die Jahrgänge, die jetzt selber Kinder bekommen.“

Trotzdem sprechen die Zahlen für sich: Frauen bekommen in Deutschland mittlerweile durchschnittlich 1,47 Kinder, im Jahr 2013 lag die Geburtenziffer noch bei 1,37. Junge Paare scheinen dem traditionellen Familienschema und der Fortpflanzung als Lebensentwurf alles andere als abgeneigt zu sein.

Das könnte dich auch interessieren:

Das deutsche Familienleitbild – ein schwieriges Thema

 

Das erscheint vor allem vor dem Hintergrund des sehr konträren, deutschen Familienbegriffs verwunderlich – schließlich ist in der heutigen Zeit vor allem für Frauen alles andere als leicht, ein stressfreies und idyllisches Familienleben zu führen. Wie du’s machst, machst du‘s falsch: Als nicht berufstätige Mutter bist du das bemitleidenswerte Hausmütterchen, als berufstätige Frau die karrieregeile Rabenmutter.

Trotz aller Widrigkeiten scheinen Paare Familien- und Berufsleben jedoch immer besser vereinen zu können – was möglicherweise auch an einer positiven wirtschaftlichen Lage und verstärkt familienfreundlichen Arbeitgebern liegen könnte. Vielleicht ist es irgendwann tatsächlich möglich, ein modernes und vor allem vorurteilsfreies Familienleben zu führen.

Folge ZEITjUNG auf Facebook, Twitter und Instagram!

Bildquelle: pixabay.com unter CC 0 Lizenz