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Behind the Scenes: Digital Artist Tanja Krampfert über ihre Arbeit bei Pixar

Wie entsteht ein Animationsfilm? Ein Blick hinter die Kulissen der „Traumfabrik“ Pixar.

Ein Interview von Max Fischer

Tanja Krampfert wirkte unter anderem bei „Toy Story 4“ und „Alles steht Kopf“ mit und gab den Figuren „Porzellinchen“ und „Joy“ ihr Gesicht. Tanja kennt den Pixar-Campus wie ihre Westentasche, denn als Digital Artist verbringt man dort viel Zeit:

Pixar beschäftigt unzählige Mitarbeiter für ebenso unzählige Aufgaben. Was sind deine?

Kurz gesagt: Ich „modelliere“ und „rigge“ Figuren. Ich bewege praktisch Punkte in einem dreidimensionalen Raum am PC und diese Punkte werden mit einer Fläche verbunden, was wir Polygone nennen. Wenn das Modell fertig ist und vom Regisseur abgenommen wird, kann ich ein digitales Skelett einbauen. Das nennt man „riggen“.

Wie lief dann die Arbeit an „Toy Story 4“?

Bei „Toy Story 4“ habe ich vor allem mit der Produktiondesignerin Daniela Strijleva an der Figur Porzellinchen gearbeitet. Die Zusammenarbeit war so eng, dass Daniela später sogar meine Baby Shower (Babyparty, Anmk. d. R.) organisiert hat.

Tanya Krampfert is photographed on December 2, 2019 at Pixar Animation Studios in Emeryville, Calif. (Photo by Deborah Coleman / Pixar)

An welchen Figuren hast du noch gearbeitet?

Ich habe an Joy, also „Freude“ aus dem Film „Alles steht Kopf“ gearbeitet.

Joy und Porzellinchen sind beides aufgeweckte weibliche Figuren. Betreibt Pixar für seine Figuren Typecasting in der Belegschaft?

Nicht unbedingt. In meinem ersten Probejahr bei Pixar, habe ich an „Cars 2“ gearbeitet und dort auch schon an einem weiblichen Charakter, obwohl ich kein großer Autofan bin. Dann bin ich an den Abenteuerfilm „Merida“ geraten und habe gebettelt, dass ich doch bitte irgendeine goldige Figur machen kann. Vielleicht die Baby-Version von Merida. Und dann hieß es, ich solle den bösen Bären Mor’du machen (lacht).

Wie lange sitzt man an einer Figur?

Porzellinchen ging überraschend schnell. Normalerweise rechnet man bei einem Hauptcharakter mit einem halben Jahr bis zu einem Jahr. Ich weiß zum Beispiel, dass das Pferd bei Merida ein Jahr gedauert hat. Für Porzellinchen waren es nicht mal drei Monate. Das war Glück. Der Regisseur hat sie gesehen und direkt gesagt, das ist sie.

Tanya Krampfert is photographed on March 18, 2019 at Pixar Animation Studios in Emeryville, Calif. (Photo by Deborah Coleman / Pixar)

Gibt es ein Detail an der Figur, auf das du besonders stolz bist?

Tatsächlich ihr Gesicht. Die Augen, der Mund, die feinen Grübchen. Man sagt mir nach, der Mund sei etwas von mir, ich sehe das aber nicht so.

Es ist recht ungewöhnlich, dass jemand aus der Nähe von Karlsruhe plötzlich bei Pixar landet. Gibt es noch mehr Deutsche dort?

Deutsche sind nicht so viele hier, vielleicht um die zehn. Aber das Team ist trotzdem sehr international. Wir machen auch ab und an deutsche „Tea Time“, wo wir gemeinsam nochmal Deutsch sprechen können. Viele sind mit Amerikanern verheiratet. Ich habe meine zweite Tochter während meiner Arbeit an „Coco“ bekommen, die wurde auch bei den Production Babies in den Credits genannt.

Kann man sich das wie einen Campus vorstellen?

Total. Wir haben drei große Gebäude und ein Fußballfeld, Schwimmbad und eine Grünanlage zum Spazierengehen, wenn man mal frische Luft braucht. Wir haben auch mehrere Kinos, in denen wir unsere Filme anschauen, am Wochenende sind das reguläre Kinos, zu denen jeder gehen kann.

Bildquelle: Tanja Krampfert/Unsplash.com, CCO-Lizenz

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