Wie TikTok die Musikindustrie beeinflusst

Wer noch nie etwas von „TikTok“ gehört hat, der hat was verpasst. Die App aus China ist derzeit in aller Munde… und in aller Smartphones. Lange Zeit bei Teenagern beliebt, seit Corona auch ein Hit bei den Ü20. Auf TikTok können User ihre Tanz-, Lip-Sync- und Comedy-Skills unter Beweis stellen. Besonders wichtig ist dabei die Sound-Auswahl. TikTok bietet nämlich unzählige Songs und Sounds zur Nutzung an. Doch nicht nur Nutzer profitieren vom Spaß dieser App, sondern auch die Musikindustrie.

Was ist TikTok?
TikTok ist eine Video-Plattform. Anders als Youtube – wo User Videos aufwendig produzieren (müssen) um Views zu bekommen – braucht man hier nur ein Smartphone. Die App bietet viele lustige Filter (ähnlich wie Snapchat oder Instagram) und eine ganze Bandbreite an Begleitmusik. Zudem ist „softes“ Video-Editing, wie Ton-Regulierung oder das Einfügen von Text, innerhalb der App möglich. Das macht TikTok zugänglicher als andere Plattformen. Die Videos auf TikTok sind meist öffentlich (man kann sie aber auch als „privat“ oder „nur für Freunde“ veröffentlichen) und dauern im Schnitt etwa 15 Sekunden (ähnlich wie bei der ausgestorbenen Video-Plattform „Vine“).

Steigen die User, steigt die Werbung
Mit 800 Millionen User (stand 20. April 2020) und großem Zuwachs seit Beginn der Corona-Lockdowns, richten Unternehmen ihren Blick nun verschärft auf diese App. Entsteht da ein neuer Werbemarkt? Auffällig ist jedenfalls die immer stärkere Präsenz von Unternehmen, wie zuletzt Aldi oder Apple, auf der Plattform. Doch es gab eine Branche die schneller war als die genannten Unternehmen: Die Musikindustrie.

Musiker produzieren Musik nur für TikTok
TikTok bestätigt wieder einmal: Die Musikindustrie ist den jungen Menschen einfach näher. Der Musikgigant Sony Music, versucht seit längerer Zeit auf der Plattform Communities aufzubauen und die eigenen Musiker in der App unterzubringen. Wenn ein Lied Erfolg auf der Plattform hat und viel genutzt wird, steigen auch die Streaming-Zahlen auf anderen Plattformen wie Spotify – wo es sogar eine Playlist gibt, mit den größten viralen TikTok-Hits. Auch US-Rapper Drake hat den Wert der App schnell erkannt und den Song „Toosie Slidereleased, der auffällig „tiktokig“ ist. Der Refrain ist praktisch eine Anleitung zu einem Tanz:

Got a dance, but it’s really on some street shit
I’ma show you how to get it

It go, right foot up, left foot slide
Left foot up, right foot slide


Auf TikTok haben eine halbe Million User Tanz-Videos zu diesem Track erstellt. In den „Hot 100 Billboard Charts“ ist Drake mit diesem Song auf Platz 2… Platz 1 hat sich Sänger The Weeknd mit dem Song „Blinding Lights“, das natürlich auch ein TikTok-Liebling ist, gesichert.

Go viral, become famous
Einige Künstler sind durch die Plattform überhaupt erst berühmt geworden. Rapperin und Sängerin Doja Cat, die davor nischig unterwegs war, ist auf TikTok bekannt und genießt dadurch die ersten Mainstream-Erfolge. Ein deutsches Beispiel stammt von Rapper KAIBA, der laut Deutsche Welle, einen Plattenvertrag unterschrieb, nachdem er auf TikTok viral ging. Er wird wohl nicht der Erste gewesen sein, aber auch lange nicht der Letzte.

Was ist mit Copyright?
Zwischen TikTok und der Musikbranche ist aber nicht alles rosig. Wie die Financial Times berichtet, haben sich mehrere tausend Musikmenschen zusammengetan und die App wegen „Copyright Infringement“ angeklagt. TikTok hätte laut Ankläger nicht die geeigneten Lizenzen für die Nutzung. Wie und ob sich das in Zukunft entwickelt, können wir zurzeit nicht sagen. Doch eines ist sicher: TikTok bleibt faktisch eine App-Erfolgsgeschichte.

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Bildquelle: Unsplash; CCO-Lizenz


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