Männerkörper mit Muskeln

Big, Bigger, Biggerexie: Ab wann wird Muskelaufbau zur Krankheit?

Was sind die gesundheitlichen Folgen bei Muskelsucht?

Überlastungsbrüche, Mangel- und Fehlernährungen und Schlafstörungen sind unter anderem gesundheitliche Folgen – meist gekoppelt mit einem Leidensdruck. Außerdem wird die Mortalitätsrate und Gefahr oft unterschätzt. Vor allem, weil die Betroffenen bei schwereren Erkrankungen wie beispielsweise einer Grippe weiter Sport treiben, was sehr gefährlich ist und schlimmstenfalls lebensgefährliche Folgen haben kann.

Dass die Sterberate bei Muskelsucht hoch ist, ist sicher vielen gar nicht klar.

Ja, viele unterschätzen die Gefahr, mit einem geschwächten Körper Sport zu treiben. Die Bakterien oder Viren kursieren im ganzen Körper, breiten sich aus, setzen sich ans Herz und das wars dann. Sich zu schonen ist das Wichtigste, wenn man krank ist. Dieser Mechanismus, zu sich selbst gut zu sein und auf seine körperlichen Bedürfnisse zu hören ist bei der Muskeldysmorphie oft gestört oder nicht da.

Welche Folgen hat die Muskelsucht für die mentale Gesundheit der Menschen?

Ein Faktor, der oft eine Rolle spielt, ist ein starkes, perfektionistisches Leistungsdenken – hinter dem oft eine Selbstwertproblematik steckt. Zu oft wird darüber gegrübelt, was andere an einem mögen könnten (oder eben nicht).

Sucht funktioniert oft als Ablenkungsmanöver, beispielsweise wenn jemand vor kurzem von Partner oder Partnerin verlassen wurde, und nicht trauert, sondern stattdessen ganz viel Sport treibt, um dies zu verdrängen, ist das nicht selten der Versuch der Psyche, Ordnung zu schaffen – zu kompensieren.

Gibt es Menschen, die anfälliger für Muskeldysmorphie sind als andere?

Die Anfälligkeit für Muskeldysmorphie – oder auch Essstörungen insgesamt – kann bei manchen höher sein, als bei anderen. Die biologischen Faktoren, mit denen man geboren wurde, kombinieren sich mit Erfahrungen. Wer in der Kindheit schon früh gelernt hat, sich über Leistung zu definieren, läuft vielleicht eher Gefahr, diese Richtung einzuschlagen.

Was kann man Betroffenen als Freund oder Familie helfen?

Zuhören, hingucken und im Anschluss Hilfe beim Helfenden suchen. Man sollte nicht versuchen, den Betroffenen auf eigene Faust zu therapieren. Dafür ist unsere Fachambulanz da. Uns geht es wirklich darum, eine Anlaufstelle für die Menschen zu sein, die sich genau diese Frage stellen. Die Betroffenen selbst sehen sehr selten ein, dass sie krank sind. Denn das hieße, dass sie sich dem ganzen emotionalen Ballast stellen müssten.

Falls du jemanden kennst, der von einer Essstörung betroffen sein könnte, oder wenn du selbst Hilfe benötigst, steht dir die Fachambulanz für Essstörungen immer zur Verfügung, sowohl vor Ort als auch in der anonymen Online-Beratung

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