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Big, Bigger, Biggerexie: Ab wann wird Muskelaufbau zur Krankheit?

Muskeldysmorphie, auch Biggerexie genannt, ist eine Krankheit, die vor allem Männer betrifft.

Instagram stellt meist eine makellose Welt dar. Ein perfekt trainierter Körper, eine perfekt zusammengestellte Ernährung und durch das alles auch ein perfekt aussehendes Leben. Wir eifern immer mehr einem gedrillten und zum Teil auch nicht echtem Ideal nach, und merken gar nicht, wie gefährlich das sein kann. Aus dem Drang nach Perfektion wird ein Zwang, der sich ohne professionelle Hilfe kaum lösen lässt. Essstörungen werden immer prävalenter, und Männer wurden bei der Aufklärung dieses Themas bisher sehr vernachlässigt.

Eine Krankheit, die vor allem bei jungen Männern immer öfter auftaucht, ist die Muskeldysmorphie. Auch Biggerexie oder Muskelsucht genannt, stellt sie eine zwanghafte Störung der Selbstwahrnehmung dar, bei der sich Männer nach einem den Idealvorstellungen entsprechenden Körper sehnen. Das heißt unter anderem: pumpen, pumpen, pumpen bis zum Abwinken. Ähnlich der Anorexie entwickelt sich bei den Betroffenen meist ein komplett verzerrtes Bild, und die anfänglich „gute“ Vision eines gesunden und trainierten Körpers verliert sich in einem Wahn, den perfektesten und muskulösesten Körper zu haben.
Wir haben uns mit Dr. Christian Strobel, Psychologe bei der Fachambulanz für Essstörungen der Caritas München getroffen, und mit ihm über die Problematik gesprochen.

Der Begriff ist vielen wahrscheinlich nicht sehr geläufig. Was ist eine Muskelsucht?
Muskelsucht oder auch „Muskeldysmorphie“ bzw. Biggerexie ist eine psychische Erkrankung und eine diagnostische Unterform der Körperbildstörungen. Sie wird oft von psychischen Erkrankungen wie einer Essstörung beziehungsweise einer Depression begleitet. Das Ziel ist, einen muskulösen Körper zu bekommen und um das zu erreichen, wird hart trainiert und einiges geopfert. Das wohl bekannteste Beispiel ist das Weglassen von Kohlenhydraten aus dem Ernährungsplan. Dieses Verhalten kann zu einem Zwang oder einer Sucht werden. Betroffene halten sich an ihren strikten Trainingsplan und können nicht mehr davon abweichen. Dabei verschwimmt ihre Realität: Egal wie viel man trainiert, egal wie ausgeprägt der Sixpack sein mag – es ist nie genug.

Wie verändert sich zusätzlich zum exzessiven Training das Essverhalten der Menschen?
Im Moment ist es Usus zu sagen, so viel Eiweiß wie möglich, Low Carb, vor dem Kraftsport kohlenhydratreich, nach dem Sport kohlenhydratarm. Schlussendlich geht es darum, nur das zu essen, was dem Muskelaufbau gut tut und nicht dem Wohlbefinden.

Gibt es schon Zahlen wie viele Männer und Frauen betroffen sind?
Kaum. Nicht mal bei Männern – bei denen die Krankheit viel häufiger vorkommt – gibt es verlässliche Daten. Ein Grund dafür ist, dass es keine eindeutigen, objektiven und trennscharfen Kriterien gibt, um Muskelsucht zu definieren: Wann beginnt zwanghaftes Trainingsverhalten? Bei dreimal oder achtmal Mal die Woche Training? Ist die Anzahl der Trainings oder die Intensität ausschlaggebend? Bei Bodybuildern ist es leichter, eine Zahl zu bestimmen: Man spricht von bis zu 25 Prozent der männlichen Bodybuilder, die von Muskeldysmorphie betroffen sind. Was natürlich der Natur der Sache geschuldet ist.

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